Automobilindustrie und Märkte

Markt International

Die Weltwirtschaft legte 2017 auf breiter Basis zu, trotz politischer und ökonomischer Risiken.

Konjunkturelle Entwicklung

Die wirtschaftliche Entwicklung hat 2017 weiter an Fahrt gewonnen. Ungeachtet politischer und ökonomischer Risiken wuchs die Weltwirtschaft auf breiter Basis. Industriestaaten wie auch die Schwellenländer konnten am weltweiten Aufschwung teilhaben.

In den USA fiel die Wachstumsrate 2017 höher aus als im Vorjahr. Japans Wirtschaft erlebte 2017 das stärkste Wachstum seit Jahren. In Europa hält der Aufschwung ebenfalls an, auch dank einer expansiven Geldpolitik. In Italien oder Griechenland erholt sich die Wirtschaft nun spürbar.

Auch die Schwellenländer verzeichnen positive Entwicklungen. China wächst mit nahezu unvermindertem Tempo weiter. Indien konnte seinen zügigen Aufholprozess ebenfalls fortsetzen. Brasilien und Russland haben deutliche Schritte aus der Rezession gemacht und dürften die konjunkturelle Talsohle durchschritten haben. Beide Volkswirtschaften profitierten von steigenden Rohstoffpreisen.

China

Die chinesische Automobilkonjunktur lief auch 2017 rund: Insgesamt 24,2 Mio. neue Pkw wurden im vergangenen Jahr verkauft – ein Wachstum von 2 Prozent. Damit bleibt China der mit Abstand größte Einzelmarkt der Welt.

Eine entscheidende Rolle spielte auch weiterhin die reduzierte Mehrwertsteuer für Neuwagen mit Motoren von bis zu 1,6 Liter Hubraum. Darunter fallen rund 70 Prozent der Neufahrzeuge in China. In den Jahren 2015 und 2016 mussten Käufer für diese Autos nur 5 statt der üblichen 10 Prozent Mehrwertsteuer entrichten. 2017 stieg der vergünstigte Steuersatz auf 7,5 Prozent. Daher kam es bereits in den letzten Monaten des Jahres 2016 zu vorgezogenen Käufen. Im Folgejahr fiel das Wachstum vor allem aufgrund dieses Vorzieheffekts für chinesische Verhältnisse eher gering aus. China ist nicht nur insgesamt der weltweit größte Pkw-Markt, sondern auch bei den Zulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden. 2017 wurden dort 581.300 Autos mit Elektromotor verkauft. Das waren 72 Prozent mehr als 2016. Der Anteil der Stromer am Gesamtmarkt ist damit von 1,4 Prozent in 2016 auf 2,4 Prozent in 2017 gestiegen. Die chinesische Regierung hat im vergangenen Jahr entschieden, eine E-Auto-Quote einzuführen. Ab 2019 müssen Hersteller Mindestziele bei Produktion und Verkauf von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben einhalten. Dazu wurde ein komplexes Punktesystem geschaffen. Falls ein Hersteller die Vorgaben nicht einhält, müssen Punkte von anderen Herstellern gekauft oder Strafen gezahlt werden.

USA

Nach sieben Wachstumsjahren und einem Rekordniveau von 17,5 Mio. Fahrzeugen im Jahr 2016 zeigte der US-Markt 2017 leichte Sättigungstendenzen. Die Light-Vehicles-Verkäufe sanken um 2 Prozent auf 17,1 Mio. Einheiten. Für eine Sonderkonjunktur sorgten die beiden Hurricanes Harvey und Irma im Spätsommer, die zahlreiche Autos zerstörten. Schätzungen zufolge mussten deshalb rund 100.000 Fahrzeuge neu beschafft werden.

Grundsätzlich waren die Rahmenbedingungen für die Automobilkonjunktur in den USA gut: Der Benzinpreis lag 2017 deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Hinzu kamen eine hervorragende Arbeitsmarktsituation und ein starkes Konsumklima. Auch die Finanzierungsbedingungen waren trotz dreimaliger Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Fed nach wie vor günstig. Zudem gewährten die Hersteller kräftige Rabatte.

Der nicht nur in den USA zu beobachtende Trend zu Light Trucks setzte sich auch 2017 fort. Während der Absatz von Pick-ups, SUV, CUV und Vans um gut 4 Prozent auf knapp 11,1 Mio. Fahrzeuge zulegte, sanken die Basic-Cars-Verkäufe um 12 Prozent auf ca. 6,1 Mio. Einheiten. Damit lag der Light- Trucks-Anteil im vergangenen Jahr bei knapp 65 Prozent – der bisher höchste Stand. Unter den Light Trucks verzeichnet das CUV-Segment (Cross Utility Vehicles) seit Jahren die höchste Dynamik. Sein Anteil am Gesamtmarkt stieg auf 35 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lag der CUV-Anteil erst bei 13 Prozent. Der Anteil der SUV betrug 8 Prozent. Die in den USA seit jeher besonders beliebten Pick-ups kamen auf einen Marktanteil von 16 Prozent. Als einziges Teilsegment unter den Light Trucks verzeichneten Vans im vergangenen Jahr einen Rückgang (-8 Prozent). Ihr Marktanteil lag bei 5 Prozent (Vorjahr: 6 Prozent).

Südamerika

In Südamerika verlief das Automobiljahr 2017 erfolgreich, nachdem im Vorjahr der Markt gut 10 Prozent seines Volumens verloren hatte. Nun wurde ein Marktvolumen von etwa 3,9 Mio. Light Vehicles erzielt – 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der wichtigste südamerikanische Automobilmarkt, Brasilien, wuchs 2017 um 9 Prozent auf 2,2 Mio. Einheiten. Zum Rekordniveau von 2012 fehlen allerdings weiterhin rund 40 Prozent. In Argentinien legten die Light-Vehicles-Verkäufe, dank einer auflebenden Gesamtkonjunktur, um 23 Prozent zu. 2017 war mit 883.800 Neuzulassungen das bisher zweitstärkste Jahr des argentinischen Light-Vehicles-Marktes.

Indien

Der indische Pkw-Markt ist auch 2017 dynamisch gewachsen. Über 3,2 Mio. Pkw wurden im vergangenen Jahr in Indien verkauft, fast 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der indische Pkw-Markt hat dennoch weiter viel Luft nach oben. Mit knapp 25 Pkw pro 1.000 Einwohner ist die Pkw-Dichte vergleichsweise niedrig. Steigende Einkommen und eine wachsende Mittelschicht deuten auf weiteres Wachstum hin. Langfristig hat der indische Pkw-Markt das Potenzial, nach China und den USA das größte Verkaufsvolumen weltweit zu erreichen.

Dr. Manuel Kallweit
Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Märkte, Analysen, Rohstoffe, Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
Nach oben springen