Automobilindustrie und Märkte

Markt International

2014 war für die deutsche Automobilindustrie ein Jahr gemischter Gefühle.

Entwicklung der globalen Märkte

2014 war für die deutsche Automobilindustrie ein Jahr gemischter Gefühle. Zum Jahresstart überwog Optimismus – sowohl für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als auch für die Automobilkonjunktur. Der deutsche Markt stand nach einem schwachen Jahr 2013 in den Startlöchern, für Westeuropa schienen die Zeichen nach Jahren des Rückgangs auch wieder nach oben zu zeigen. Klar war allerdings auch, dass die Schwellenländer – mit Ausnahme Chinas – ein schwieriges Jahr zu meistern haben würden. Ungebrochen positiv war hingegen die Perspektive der USA und Chinas. Der Optimismus wich zur Jahresmitte jedoch Ernüchterung – vor allem in Europa. Die Konjunktur der Krisenländer kam nicht in Fahrt, die politische Krise in Russland und der Ukraine verunsicherte Wirtschaft und Konsumenten in ganz Europa. War das erste Halbjahr also durch eine positive Übertreibung gekennzeichnet, so kippte im weiteren Jahresverlauf die Stimmung und machte einem ebenfalls übertriebenen und nicht gerechtfertigten Konjunktur-pessimismus Platz. Die nach vorne blickenden Stimmungsindikatoren gaben nach, die Prognosen der Forschungsinstitute und der internationalen Organisationen wurden gekappt.

Die faktischen Zahlen zeigten wieder ein realistischeres Bild: Der westeuropäische Pkw-Markt hat 2014 das prognostizierte Volumen erreicht. Allerdings vor allem wegen des starken Marktes Großbritannien, nicht etwa wegen der erhofften, aber ausgebliebenen Erholung in Frankreich und Italien.

China: Pkw-Spitzenposition gefestigt

Der Motor der chinesischen Automobilkonjunktur lief 2014 weiter rund: Knapp 18,4 Mio. Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in der Volksrepublik verkauft – damit trotzte Chinas Pkw-Markt der nachlassenden binnenwirtschaftlichen Dynamik und behauptete souverän seine Position als größter Einzelmarkt der Welt. Vor dem Hintergrund zunehmender Urbanisierung sowie des damit einhergehenden Nachfrageanstiegs in den sogenannten Tier-3- und Tier-4-Städten legte der Pkw-Absatz im Gesamtjahr um fast 13 Prozent zu.

Allerdings dürften nicht zuletzt Vorzieheffekte den Markt in 2014 getrieben haben: Angesichts der hohen, vor allem durch starkes Verkehrsaufkommen verursachten Luftverschmutzung herrscht in Chinas Metropolen inzwischen eine restriktive Neuzulassungspolitik. Im vergangenen Jahr hatten unter anderem Shanghai, Peking,Guangzhou und Hangzhou die Zahl der Pkw auf ihren Straßen deutlich beschränkt. Weitere Groß- und Provinzhauptstädte zogen nach und kündigten Neuzulassungsrestriktionen an, was offenbar zu vorgezogenen Neuwagenkäufen führte.

Chinas wachsender Mittelstand wird künftig wohl immer mehr zur Zielgruppe der Automobilhersteller werden – gekoppelt an einen weiterhin niedrigen Motorisierungsgrad (Anfang 2015 kamen im Reich der Mitte gerade einmal 61 Pkw auf 1.000 Einwohner) dürfte dies dafür sorgen, dass der chinesische Pkw-Markt auch weiterhin expandiert.

Rasante Zuwachsraten, wie beispielsweise im Rekordjahr 2013 (+23 Prozent), dürften allerdings eher der Vergangenheit angehören.

US-Markt: Lokomotive im globalen Markt

Neben China gehörte der US-Markt auch im Jahr 2014 zu den Wachstumslokomotiven der globalen Automobilkonjunktur:
Mit 16,4 Mio. Einheiten wuchs der Light-Vehicle-Absatz um rund 6 Prozent und erreichte somit fast das Vorkrisenniveau von 2006. Der Markt hat seinen Aufholprozess 2014 damit nahezu abgeschlossen. Getragen wurde dieses positive Ergebnis von der überzeugenden Entwicklung der ökonomischen Rahmenbedingungen. Zwar litt das erste Quartal unter einem extremen Wintereinbruch, sodass das BIP annualisiert um 2,1 Prozent zurückging. Allerdings konnten die BIP-Zuwächse im weiteren Jahresverlauf (Q2: +4,6 Prozent, Q3: +5,0 Prozent, Q4: +2,2 Prozent) den Rückgang mehr als kompensieren. Die Beschäftigung legte im Jahresverlauf deutlich zu. Die Arbeitslosenquote ging um 1 Prozentpunkt auf 5,6 Prozent zurück. Dementsprechend verbesserten sich das Konsumentenvertrauen und die Vermögensposition, die durch eine weitere Erholung des Immobilienmarktes zusätzlich gestärkt wurde. Als weiterer „Turbo“, insbesondere in den letzten beiden Monaten 2014, wirkte der stark sinkende Benzinpreis. Zum Ende des Jahres lag er mit 2,54 US-Dollar pro Gallone deutlich unter der 3-Dollar-Marke.

Nicht zuletzt wegen der geringeren Spritpreise galt 2014 bei den Neuwagenkäufern wieder die Devise „bigger is better“. Während die Pkw-Verkäufe lediglich um gut 1 Prozent auf 7,7 Mio. Neuwagen zulegten, stieg das Marktvolumen im Light-Truck-Segment um 10 Prozent auf 8,7 Mio. Einheiten. Der Anteil der Light Trucks am Gesamtmarkt stieg somit von 51,2 Prozent auf 53,2 Prozent.

Die deutschen Hersteller verdoppelten 2014 gegenüber 2010 ihr Absatzvolumen.Sie verzeichneten mit knapp 1,4 Mio. verkauften Neuwagen ein neues Rekordniveau, auch wenn sie in Summe nicht vollständig von der Aufwärtsbewegung des US-Marktes profitieren konnten.

Deutliche Zugewinne erzielten die deutschen Hersteller dagegen bei den Verkäufen von Elektrofahrzeugen (rein batterieelektrisch und Plug-in-Hybride). Mit 11.300 abgesetzten Einheiten verzehnfachten sie ihr Absatzvolumen und erreichten einen Marktanteil von rund 10 Prozent. Der Gesamtmarkt für Elektrofahrzeuge durchbrach 2014 erstmals die 100.000er-Marke. Mit einem Zuwachs von knapp 23 Prozent stiegen die Elektro-Verkäufe auf 119.100 Einheiten. Der Anteil der rein batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) betrug dabei gut 53 Prozent. Insgesamt waren 0,7 Prozent der Light Vehicles mit einem Elektroantrieb ausgestattet (1,5 Prozent aller Pkw). Negative Auswirkungen hatte der weitere Elektro-Vorstoß auf die Hybridfahrzeuge (ohne Plugin). Die erhöhte Nachfrage nach Plug-in-Hybriden führte zu einem Rückgang des Marktanteils von konventionellen Hybriden auf 2,8 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent). Trotz des deutlich teureren Dieselkraftstoffs gewann allerdings der Selbstzünder an Marktanteilen. 2014 waren rund 3,1 Prozent der Light Vehicles mit einem Dieselantrieb unterwegs. Insgesamt erhöhten sich die Verkäufe um knapp 17 Prozent.

Mercosur: Enttäuschendes Jahr - in allen Bereichen

Schwer angeschlagen zeigte sich 2014 der Light-Vehicle-Absatz in zwei der wichtigsten Volkswirtschaften Lateinamerikas:
Insgesamt konnten in den Mercosur-Mitgliedsstaaten Argentinien und Brasilien lediglich knapp 4 Mio. Neuwagen verkauft werden – ein Rückgang von fast 13 Prozent. Währungsabwertung, Inflation und sinkende Realeinkommen trafen vor allem Argentinien hart: Im vergangenen Jahr brach der dortige Markt für Pkw und Light Trucks um mehr als 36 Prozent ein. Für die sinkenden Absatzzahlen dürfte nicht zuletzt die von der argentinischen Regierung eingeführte Luxussteuer für Premiumfahrzeuge verantwortlich gewesen sein, die im Januar 2014 in Kraft trat. Zudem sank die Kaufbereitschaft der argentinischen Verbraucher vor dem Hintergrund sich stetig verschlechternder konjunktureller Rahmenbedingungen deutlich. Auch das Incentive-Programm „Pro.Cre.Auto“, das bis Jahresende vergünstigte Zinsen für den Kauf von lokal gefertigten Fahrzeugmodellen gewährte, konnte die Talfahrt nicht abbremsen – mit rund 589.000 verkauften Light Vehicles bescherte das Jahr 2014 Argentinien den schwächsten Markt seit dem Krisenjahr 2009.

Der brasilianische Markt für Light Vehicles enttäuschte 2014 ebenfalls: Ein durch Inflationsdruck, den schwachen Real sowie eine restriktive Geldpolitik gestörtes makroökonomisches Umfeld bot den Verkäufen von Pkw und Light Trucks kaum Spielraum zur Erholung. Mit einem Absatzvolumen von 3,3 Mio. Einheiten ging der Markt im Gesamtjahr um knapp 7 Prozent zurück – als Bremsklotz erwies sich hier nicht nur die Anhebung der Industrieproduktsteuer IPI zu Jahresbeginn, sondern auch die – der Einbaupflicht von Airbag und ABS geschuldete – Erhöhung der Neuwagenpreise.

Auf lange Sicht jedoch bleibt Brasilien Wachstumsmarkt – nach der Wiederwahl von Präsidentin Dilma Rousseff im Oktober vergangenen Jahres wartet das Land auf den erforderlichen Reformschub, um eine der größten Volkswirtschaften der Welt wieder auf Kurs zu bringen. Sollte der Konjunkturmotor wieder anspringen und sich das Konsumentenvertrauen verbessern, dürfte davon auch der Light-Vehicle-Absatz profitieren.

Indien: Trendwende zur Jahresmitte

Nach einem enttäuschenden Vorjahr ist der Motor der indischen Automobilkonjunktur 2014 wieder angesprungen – rund 2,6 Mio. Pkw wurden im abgelaufenen Jahr in Indien verkauft. Hatte das erste Quartal (-6 Prozent) zunächst noch deutlich unter einer Kombination aus ökonomischer Wachstumsschwäche, hohen Zinssätzen und starkem Inflationsdruck gelitten, gelang dem indischen Pkw-Markt ab Mai die Kehrtwende. Nicht zuletzt dem Ausgang der im Frühsommer abgehaltenen Parlamentswahlen – die Konsumentenstimmung in Indien hat sich seit Amtsantritt von Premier Narendra Modi merklich aufgehellt – ist es zu verdanken, dass der Neuwagenabsatz sowohl im zweiten als auch im dritten und vierten Quartal 2014 jeweils mit einem Plus abschließen konnte.

Um die Fahrzeugverkäufe im Inland anzukurbeln, hatte die Regierung zudem bereits im Februar die Verbrauchssteuer für Pkw und Nutzfahrzeuge gesenkt. Vor dem Hintergrund sinkender Kraftstoffpreise bot dies – insbesondere in der zweiten Jahreshälfte – weiteren Spielraum für Erholung: Der Pkw-Markt in Indien konnte im Gesamtjahr um knapp 1 Prozent zulegen.

Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Märkte, Analysen, Rohstoffe, Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
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