Automobilindustrie und Märkte

Markt Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten und Busse

Nutzfahrzeuge sind vielfältig und bieten Lösungsmöglichkeiten für jede Transportaufgabe. Kein anderes Transportmittel ist bei höchster Qualität so flexibel und bietet ein für jedes Transportbedürfnis derart zugeschnittenes Konzept. Nutzfahrzeuge – ganz gleich ob Transporter, Verteilerfahrzeuge zur Belieferung der Innenstädte oder schwere Lkw für den Fernverkehr – sind zum Innovationsträger in der Automobilindustrie geworden.

Schwere Nutzfahrzeuge

Der Weltmarkt für schwere Nutzfahrzeuge über 6 Tonnen hat 2017 stark zugelegt. Weltweit wurden gut 3,3 Mio. Lastkraftwagen verkauft. Dies ist ein Plus von 16 Prozent gegenüber 2016. Getrieben wurde das Wachstum von der starken Nachfrage in China, aber auch die Märkte in Europa, den USA sowie in Indien verbuchten Zuwächse. Darüber hinaus kehrten Brasilien und Russland auf den Wachstumspfad zurück.

Vier von zehn schweren Nutzfahrzeugen weltweit wurden in China gekauft. Damit erreichte der dortige Markt ein Volumen von 1,35 Mio. Fahrzeugen. Der Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht 384.000 Einheiten. Die starke Marktentwicklung ist vor allem auf den Vorkaufseffekt im Zusammenhang mit der flächendeckenden Einführung der Abgasnorm China National Standard 5 zur Jahresmitte sowie auf strengere Kontrollen gegen Überladung und den damit verbundenen Zusatzbedarf an schweren Lkw zurückzuführen. Auch in Indien stiegen die Verkäufe schwerer Nutzfahrzeuge 2017 deutlich. Der Markt legte um 13 Prozent auf 295.000 Lkw zu.

Nach zwei Jahren mit zweistelligen Zuwächsen stiegen die Neuzulassungen in Westeuropa im abgelaufenen Jahr um 2 Prozent auf 291.000 schwere Nutzfahrzeuge. Dies ist das höchste Niveau seit 2008. Unter den Volumenmärkten legten Italien (+8 Prozent) sowie Frankreich (+7 Prozent) am stärksten zu. Während der deutsche Markt das Vorjahresniveau leicht überschritt (+0,3 Prozent), war der spanische Markt minimal rückläufig (-0,4 Prozent). Im Vereinigten Königreich gab der Markt etwas deutlicher nach (-3 Prozent); nach einer positiven Entwicklung im ersten Halbjahr wurde das Vorjahresniveau zum Jahresende immer deutlicher unterschritten.

Der US-Truckmarkt hat in der zweiten Jahreshälfte 2017 deutlich Fahrt aufgenommen und die Verluste vom Jahresbeginn wettgemacht. Der Markt schloss mit einem Zuwachs von 4 Prozent – somit wurden 415.000 schwere Lkw abgesetzt. Vor allem das Heavy Duty Segment über 15 Tonnen wies zuletzt eine starke Dynamik auf.

Im abgelaufenen Jahr setzte auf dem brasilianischen Lkw-Markt eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau ein. Nach drei Jahren zweistelliger Rückgänge legten die Neuzulassungen um 3 Prozent auf 48.000 Einheiten zu. Dies ist noch weniger als ein Drittel des Rekordniveaus des Jahres 2011. Die Erholung auf dem russischen Markt für schwere Nutzfahrzeuge, der in den vergangenen Jahren ebenfalls kräftig nachgab, verlief wesentlich dynamischer. Die Verkäufe legten hier um knapp die Hälfte zu.

Transporter

Nach drei Jahren zweistelliger Wachstumsraten stiegen die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen bis 6 Tonnen in Westeuropa 2017 ebenfalls, wenngleich ebenfalls mit geringerer Geschwindigkeit. Im abgelaufenen Jahr wurden 1,93 Mio. Transporter abgesetzt (+4 Prozent). Der Boom im Online- und Versandhandel und der damit verbundene Bedarf an Transportern für die Belieferung der Haushalte erwiesen sich weiterhin als wesentliche Triebfeder der Marktentwicklung. Darüber hinaus setzte sich in Südeuropa die Bestandserneuerung größtenteils fort. Mit der Ausnahme Italiens (-4 Prozent auf 195.100 Stück) verbuchten alle südeuropäischen Einzelmärkte Westeuropas zweistellige Zuwächse. In Frankreich, dem größten Einzelmarkt, legten die Neuzulassungen um 7 Prozent auf 439.500 Einheiten zu. Deutschland erreichte mit 276.100 Fahrzeugen abermals ein neues Rekordniveau (+4 Prozent). Der spanische Markt wuchs um 16 Prozent auf 199.500 leichte Nutzfahrzeuge und überholte damit den italienischen Markt (195.200 Einheiten). Lediglich im Vereinigten Königreich gingen die Neuzulassungen zurück, um 4 Prozent auf 368.000 Transporter.

Busse

Der westeuropäische Markt für Busse über 3,5 Tonnen konnte sein Vorjahresvolumen im vergangenen Jahr nicht ganz erreichen – es wurden 36.300 Busse zugelassen (-3 Prozent). In Deutschland stagnierte der Absatz mit rund 6.700 Fahrzeugen (±0 Prozent). Über 80 Prozent der Zulassungen (5.600 Einheiten) entfielen dabei auf Busse über 8 Tonnen. Dabei hält vor allem die Liberalisierung des Fernbusmarktes im Jahr 2013 der Nachfrage in Deutschland auf einem hohen Niveau. Das Wachstum der noch jungen Branche hält an, das Liniennetz wird weiter ausgebaut. Steigende Qualitätsanforderungen an den ÖPNV sowie höhere Emissions- und Umweltstandards erfordern eine kontinuierliche Erneuerung des Fuhrparks. Dies zeigte sich im vergangenen Jahr auch in den Neuzulassungen der westeuropäischen Länder.

Anhänger und Aufbauten

Die deutschen Hersteller von Anhängern und Aufbauten konnten auch im Jahr 2017 von der wirtschaftlichen Erholung in der EU und dem Wachstum auf den Nutzfahrzeugmärkten profitieren.

Im Jahr 2017 überschritt der Absatz von Anhängern erstmals die Marke von 300.000 gezogenen Einheiten. Die Neuzulassungen stiegen um gut 4 Prozent auf 306.900 Anhänger. Darunter entwickelte sich die Nachfrage nach Sattelanhängern mit einem Zuwachs von 6 Prozent auf 36.400 Einheiten besonders dynamisch.

Gemessen am Umsatz können die Unternehmen dieser Herstellergruppe ebenfalls auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die Erlöse erreichten einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Gesamtumsatz um knapp 5 Prozent auf 11,8 Mrd. Euro. Die Betriebe erzielten sowohl im In- als auch im Ausland einen neuen Rekordwert. Der Inlandsumsatz legte um 6 Prozent auf 5,9 Mrd. Euro zu. Die Exporterlöse legten mit einem Zuwachs von 3 Prozent auf knapp 6 Mrd. Euro etwas schwächer zu. Erneute wurde jedoch der Inlandsumsatz übertroffen. Dies spiegelt die zunehmende Internationalisierung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der oftmals auf Nischen spezialisierten deutschen Hersteller von Anhängern und Aufbauten wider. Mit einem Plus von 8 Prozent auf rund 2,9 Mrd. Euro legte der Umsatz mit dem Nicht-Euroraum besonders stark zu. Die Erlöse innerhalb des Währungsraums unterschritten mit 3,1 Mrd. Euro knapp das Vorjahresniveau (-1 Prozent).

Die gute Geschäftsentwicklung bei den Herstellern von Anhängern und Aufbauten wirkte sich auch positiv auf die Stammbelegschaften ihrer Betriebe am Standort Deutschland aus. Im Jahresdurchschnitt 2017 gehörten ihnen 35.200 Beschäftigte an. Damit legte die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent bzw. 600 Beschäftigte zu. Dies ist der höchste Beschäftigungsstand in dieser Herstellgruppe seit dem Jahr 2004.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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