Automobilindustrie und Märkte

Markt Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten und Busse

Nutzfahrzeuge sind vielfältig und bieten Lösungsmöglichkeiten für jede Transportaufgabe. Kein anderes Transportmittel ist bei höchster Qualität so flexibel und bietet ein für jedes Transportbedürfnis derart zugeschnittenes Konzept. Nutzfahrzeuge – ganz gleich ob Transporter, Verteilerfahrzeuge zur Belieferung der Innenstädte oder schwere Lkw für den Fernverkehr – sind zum Innovationsträger in der Automobilindustrie geworden.

Schwere Nutzfahrzeuge

Die großen Märkte für schwere Nutzfahrzeuge haben sich 2015 völlig uneinheitlich entwickelt. In den USA legte der Absatz von mittleren und schweren Nutzfahrzeugen (MHCV) noch stärker als der Light-Vehicle-Markt zu. Mit 449.500 neu zugelassenen Lkw über 6 Tonnen ging der Markt um knapp 11 Prozent nach oben. In China steckt der Absatz von schweren Nutzfahrzeugen weiter tief in den roten Zahlen. Mit einem Minus von 24 Prozent sackte die Nachfrage auf gut 751.000 Einheiten ab. Das indische Lastwagengeschäft hat 2015 einen Gang hochgeschaltet: Der Markt für schwere Nutzfahrzeuge über 7,5 Tonnen wuchs um satte 30 Prozent. Hier trug nicht zuletzt der von der Regierung Modi wieder angeschobene Ausbau der Infrastruktur erste Früchte. Das Absatzvolumen betrug 280.400 schwere Lkw.

Nach dem verzerrenden Effekt der Einführung von Euro VI in den Jahren 2013 und 2014 ist der westeuropäische Markt für schwere Nutzfahrzeuge über 6 Tonnen im Jahr 2015 in normales Fahrwasser zurückgekehrt. Die Neuzulassungen sprangen um 14 Prozent auf gut 259.000 Einheiten und erreichten damit den höchsten Wert seit dem Jahr 2008.

Nachdem sich der Absatz schwerer Nutzfahrzeuge über 6 Tonnen in Deutschland 2014 stabil entwickelt hatte, legten die Neuzulassungen 2015 vergleichsweise deutlich zu. Mit 83.400 neu zugelassenen schweren Lkw wurde das Vorjahresniveau um 5 Prozent übertroffen. Dabei wurde die Nachfrage im Jahresverlauf immer stärker. Gegen Ende des ersten Halbjahres lagen die Neuzulassungen noch knapp 1 Prozent im Minus. Dies lag vor allem daran, dass 2013 produzierte Euro-V-Lkw auch noch 2014 zugelassen werden durften und der Vorkaufeffekt noch weit in das Jahr 2014 hinein trug. Dieser schwächte sich dann im zweiten Halbjahr 2014 deutlich ab. Dadurch kam im zweiten Halbjahr 2015 ein Basiseffekt mit starken Zuwächsen zum Tragen – +6 Prozent im dritten und +16 Prozent vierten Quartal.

Transporter

Der Transportermarkt Westeuropa legte 2015 zweistellig prozentual zu: Die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen bis 6 Tonnen stiegen um 11 Prozent auf 1,7 Mio. Einheiten. Vor allem in Südeuropa setzte sich die Bestandserneuerung fort. In Spanien stiegen die Neuzulassungen um 36 Prozent auf 155.300 Fahrzeuge besonders stark und wurden zusätzlich durch das Förderprogramm PIMA Aire befeuert. In Frankreich, dem größten Transportmarkt Westeuropas, wuchs der Absatz um 2 Prozent auf 380.300 Einheiten. Mit 15 Prozent verbuchte das Vereinigte Königreich ein starkes Wachstum und erreichte mit 375.400 neu zugelassenen Transportern ein neues Rekordniveau.

In Deutschland legte der Absatz von leichten Nutzfahrzeugen 2015 um 4 Prozent auf 244.200 Einheiten zu und erreichte damit einen neuen Absatzrekord. Befeuert wurde der Markt insbesondere vom starken Wachstum des Onlinehandels. Dieser hatte im vergangenen Jahr bereits einen Anteil von rund 10 Prozent am gesamten deutschen Einzelhandel. Damit steigt die Nachfrage nach KEP-Dienstleistungen und somit auch der Transporterbedarf.

Busse

Der westeuropäische Markt für Busse über 3,5 Tonnen hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Fahrt gewonnen und konnte zweistellig zulegen (+14 Prozent). In Deutschland wurden 6.137 Busse (+9 Prozent) neu zugelassen. Über 80 Prozent der Zulassungen (5.139 Einheiten) entfielen dabei auf Busse über 8 Tonnen. Dies entspricht einem Anstieg von über 8 Prozent. Dabei hat vor allem die Liberalisierung des Fernbusmarktes der Nachfrage in Deutschland einen Schub versetzt. Das Wachstum der noch jungen Branche hält an, das Liniennetz wird weiter ausgebaut. In Deutschland befördern Busse jährlich mehr als 5 Mrd. Fahrgäste und bewältigen damit gut die Hälfte des Verkehrsaufkommens des ÖPNV. Steigende Qualitätsanforderungen an den ÖPNV sowie höhere Emissions- und Umweltstandards erfordern eine kontinuierliche Erneuerung des Fuhrparks. Dies zeigte sich im vergangenen Jahr auch in den Neuzulassungen der westeuropäischen Länder. Die Märkte für Busse über 3,5 Tonnen im Vereinigten Königreich, Italien, Spanien und Frankreich legten jeweils zweistellig zu.

Anhänger und Aufbauten

Auch die deutschen Hersteller von Anhängern und Aufbauten konnten im abgelaufenen Jahr von der wirtschaftlichen Erholung in der EU und dem starken Wachstum auf den Nutzfahrzeugmärkten profitieren. Gestiegene Auftragseingänge wirkten sich insbesondere im zweiten Halbjahr 2015 auf die Produktion aus. Einbußen in Russland konnten durch die Nachfrage aus der EU
kompensiert werden.

Im Inland steigerten die Unternehmen der Herstellergruppe II ihren Absatz um gut 3 Prozent. Auf dem deutschen Anhängermarkt wurden 2015 insgesamt 280.000 neue Anhänger zugelassen. Mit 4 Prozent auf 31.600 Einheiten legten die Neuzulassungen von Sattelanhängern etwas stärker zu.

Gemessen am Umsatz können die deutschen Trailerhersteller ebenfalls auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Erstmals seit dem Jahr 2008 übertrafen die Erlöse wieder die Marke von 10 Mrd. Euro. Gegenüber 2014 schlägt ein Wachstum von gut 6 Prozent auf 10,4 Mrd. Euro zu Buche. Damit erzielten die Betriebe einen neuen Rekordwert. Der Inlandsumsatz legte um 3 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro zu, während die Exporterlöse um 10 Prozent auf knapp 5,3 Mrd. Euro stiegen und den Inlandsumsatz übertrafen. Dies spiegelt die zunehmende Internationalisierung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der oftmals auf Nischen spezialisierten deutschen Hersteller von Anhängern und Aufbauten wider. Mit +20 Prozent auf rund 2,9 Mrd. Euro legte der Umsatz in der Eurozone besonders stark zu. Die Erlöse mit dem sonstigen Ausland erreichten mit 2,4 Mrd. Euro knapp das Vorjahresniveau.

Die erfreuliche Geschäftsentwicklung bei den Herstellern von Anhängern und Aufbauten wirkte sich auch positiv auf die Stammbelegschaften ihrer Betriebe am Standort Deutschland aus. Im Jahresdurchschnitt 2015 gehörten ihnen 32.800 Beschäftigte an. Damit legte die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent bzw. 500 Beschäftigte zu.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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