Automobilindustrie und Märkte

Markt Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten und Busse

Nutzfahrzeuge sind vielfältig und bieten Lösungsmöglichkeiten für jede Transportaufgabe. Kein anderes Transportmittel ist bei höchster Qualität so flexibel und bietet ein für jedes Transportbedürfnis derart zugeschnittenes Konzept. Nutzfahrzeuge – ganz gleich ob Transporter, Verteilerfahrzeuge zur Belieferung der Innenstädte oder schwere Lkw für den Fernverkehr – sind zum Innovationsträger in der Automobilindustrie geworden.

Lage bei Nutzfahrzeugen, Anhängern, Aufbauten und Bussen

Die Wachstumslokomotive im globalen Nutzfahrzeugmarkt waren im Jahr 2014 die USA. Seit der Immobilien- und Wirtschaftskrise hat der US-Markt ein eindrucksvolles Comeback gefeiert. Mit 407.000 schweren Einheiten verzeichnete er ein Plus von 16 Prozent. Der Absatz legte das fünfte Jahr in Folge zu.

Für die BRIC-Länder hingegen war 2014 ein schwaches Jahr. Lediglich der indische Markt erreichte das geringe Volumen des Vorjahres. In China schrumpfte der Markt für schwere Lkw um 6 Prozent auf 992.000 Einheiten. Brasilien und Russland haben es mit einer handfesten Absatzkrise zu tun, die auch 2015 anhalten wird.

Die Einführung der neuen Abgasnorm Euro VI zum 1. Januar prägte die Entwicklung des westeuropäischen Marktes für schwere Nutzfahrzeuge über 6 Tonnen im Jahr 2014. Zum Ende des Jahres 2013 orderten die Spediteure und Flottenbetreiber noch in großem Umfang Fahrzeuge der älteren Abgasnorm Euro V. Dies führte – insbesondere im Dezember 2013 – zu einem massiven Vorkaufeffekt. So stiegen die Neuzulassungen in Westeuropa in diesem Monat um 127 Prozent. Der deutsche Markt legte um 91 Prozent zu. Besonders stark fiel dieser Effekt im Vereinigten Königreich mit einem Zuwachs von 237 Prozent aus. Ein zusätzliches Förderprogramm zur frühzeitigen Anschaffung der umweltfreundlicheren Euro-VI-Fahrzeuge wirkte sich verstärkend aus. Insgesamt lagen die Neuzulassungen in Westeuropa 2013 mit einem Volumen von 248.400 Einheiten 5 Prozent im Plus. Dieser Vorzieheffekt prägte auch die Marktentwicklung 2014, da jene Zulassungen im Jahresverlauf fehlten und der Basiseffekt vor allem im letzten Quartal einen massiven Rückgang bewirken sollte. Da 2013 georderte und produzierte Fahrzeuge aber auch noch 2014 zugelassen werden durften, entwickelte sich der Absatz im ersten Halbjahr noch moderat, die Neuzulassungen rutschten erst im August ins Minus. Im Oktober gelangten sie jedoch wieder in den positiven Bereich. Dies lag wiederum an einem Sondereffekt in Großbritannien: Die Ende Oktober in Kraft getretene neue Ganzfahrzeug-Typengenehmigung (New Whole Vehicle Type Approval) sorgte dafür, dass die Neuzulassungen dort noch einmal um 72 Prozent stiegen. Im November (-21 Prozent) und Dezember (-53 Prozent) schlug der Vorkaufeffekt in Westeuropa dann endgültig durch. Das Gesamtjahr schloss der Markt mit einem Rückgang von 8 Prozent ab und erreichte ein Volumen von 227.400 Einheiten. Damit fiel der Rückgang moderater aus als zunächst angenommen.

Die wirtschaftliche Lage der Hersteller von Anhängern und Aufbauten war 2014 stabil und von grundsätzlich solider Auftragsentwicklung gekennzeichnet. Die im Jahresverlauf 2013 im Zusammenhang mit der Euro-V/Euro-VI-Umstellung aufgelaufene Investitionszurückhaltung entspannte sich deutlich. Gleichwohl zog die Russland-Ukraine-Krise im weiteren Jahresverlauf zunehmende Unsicherheiten für die direkt betroffenen Regionen und die Anrainerstaaten nach sich. Diese Entwicklungen beeinflussten sowohl die Gebrauchtmärkte als auch die Neuinvestitionen in Russland und den osteuropäischen Anrainerstaaten negativ.

Dennoch lag der Absatz von Anhängern im Jahresverlauf 2014 mit insgesamt 271.300 Einheiten um 9 Prozent über dem Vorjahr. Erfreuliche Zuwächse waren mit fast 13 Prozent – knapp 30.500 Einheiten – bei neu zugelassenen Sattelanhängern sowie Mehrachsanhängern (plus 8 Prozent) zu verzeichnen. Insgesamt konnten die Hersteller von Anhängern und Aufbauten in 2014 nach Umsatzzahlen über das Gesamtjahr eine gute Entwicklung verbuchen. In Summe der Inlands- und Auslandsumsätze von 9,8 Mrd. Euro wurde ein Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht.

Im europäischen Fahrzeugmarkt konnten vor allem die deutschen Trailerhersteller ihre hohen Marktanteile verteidigen und teilweise ausbauen. So legten etwa die Exporte von Sattelanhängern aus Deutschland um 11 Prozent zu.

Russland hat als wichtiger Absatzmarkt für gebrauchte und neue Nutzfahrzeuge und Anhänger infolge der politischen Entwicklungen deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Talfahrt, die bereits 2013 eingesetzt hat, verschärfte sich und führte zu einem Rückgang um 48 Prozent im Bereich der gebrauchten Anhänger und Aufbauten. Im Jahr 2014 lag der Rückgang bei 60 Prozent. Der Exportwert der Neufahrzeuge sank um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die grundsätzlich positive Beschäftigungsentwicklung in Deutschland hat sich bei den mittelständischen Herstellern von Anhängern und Aufbauten auch 2014 fortgesetzt. Der Zuwachs lag im Jahresergebnis bei 3 Prozent auf durchschnittlich 32.300 Beschäftigte in der Branche. Gleichwohl stellen die außerordentlich hohen und kurzfristigen Nachfrageschwankungen im Nutzfahrzeugsektor vor allem kleine Unternehmen vor erhebliche Anforderungen hinsichtlich Flexibilität und Ressourcenplanung.

Wichtige Indikatoren zur Entwicklung der Logistikmärkte deuten auf eine Eintrübungder Geschäftserwartungen im Straßengüterverkehr in Deutschland und Europa. Brancheneinschätzungen, wie der halbjährlichen Konjunkturumfrage der Herstellergruppe II zufolge werden der deutsche und der westeuropäische Markt für Anhänger und Aufbauten keine wesentliche Dynamik entwickeln. Die rapide gesunkenen Ölpreise dürften zwar positiv auf die Transport- und Logistikmärkte wirken. Risiken bestehen aber nach wie vor im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in wichtigen europäischen Exportmärkten. Die außenwirtschaftlichen Impulse für die deutschen Hersteller von Anhängern und Aufbauten bleiben damit verhalten.

Der Omnibusmarkt in Deutschland und Europa

Der westeuropäische Omnibusmarkt hat nach den Zuwächsen im Jahr 2013 (+3 Prozent, 30.400 Busse) im Jahr 2014 einen leichten Rückgang von -2 Prozent auf ca. 29.800 zu verzeichnen. Auch in Deutschland ist ein leichter Rückgang von Neuzulassungen von Bussen mit -3 Prozent (5.700 Fahrzeuge) festzustellen. Eine Ursache für den leichten Nachfragerückgang dürfte darin liegen, dass der Ersatzbedarf bei kommunalen Bestellungen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nur schleppend erfolgt. Während in Europa rund 680.000 Linien- und Fernbusse im Einsatz waren, umfasste der Fahrzeugbestand in Deutschland unverändert etwa 77.500 Fahrzeuge. Allein in Deutschland beförderten Busse damit fast 5,4 Mrd. Fahrgäste pro Jahr und bewältigten knapp die Hälfte des Verkehrsaufkommens. Noch vor U-, Straßen- und Eisenbahn sind Busse damit das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel. Die hohen Qualitätsanforderungen an den öffentlichen Nahverkehr sowie die Einhaltung von Emissions- und Umweltstandards erfordern eine kontinuierliche Erneuerung des Fahrzeugparks. Dennoch ist der Busmarkt in Deutschland und Westeuropa weitgehend gesättigt und verharrt auf einem insgesamt niedrigen Niveau.

Neue Impulse für die Hersteller haben sich unter anderem mit der Liberalisierung des Fernbusmarktes in Deutschland ergeben. Die Zahl der Fernbuslinien und der Fahrgäste ist rasch gestiegen. Bereits im ersten Jahr der Marktöffnung nutzten rund 8,3 Mio. Fahrgäste die neuen Angebote. Bis Jahresende 2014 haben mehr als 15 Mio. Reisende in Deutschland den Fernbus genutzt. Als preisgünstige und umweltfreundliche Alternative hat sich der Fernbus damit mit mehr als 5.000 wöchentlichen Fahrten als vierte Säule des Fernverkehrs neben Bahn, Pkw und Flugzeug etabliert. Schätzungen zufolge dürfte mit der Marktöffnung ein zusätzlicher Bedarf für mehrere Hundert Fahrzeuge pro Jahr verbunden sein. Da die Fernbusse zudem intensiv genutzt werden, ist bereits nach voraussichtlich vier bis fünf Jahren mit entsprechendem Ersatzinvestitionsbedarf zu rechnen.

Der intensive Wettbewerb im Fernbusmarkt hat zu einer ersten Konsolidierung geführt, die sich weiter fortsetzen wird. Es wird erwartet, dass im deutschen Fernbusmarkt mittelfristig drei bis vier große Unternehmen oder Unternehmensverbünde dominieren werden. Anders als teilweise vorab befürchtet, haben sich unter den großen Dachmarken mit der Öffnung des Fernbusmarktes auch für zahlreiche mittelständische Busunternehmer neue Chancen ergeben. Ihnen kommt damit eine unverändert tragende Rolle für den deutschen Busmarkt zu.

Über den Mittelstand im Bereich der Nutzfahrzeugindustrie informiert das Kapitel
„Zulieferer und Mittelstand“.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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