Automobilindustrie und Märkte

Produktion

2014 konnten die deutschen Hersteller ihre heimische Fertigung um 3 Prozent auf 5,6 Mio. ausbauen.

Entwicklungen in der Produktion

2014 konnten die deutschen Hersteller ihre heimische Fertigung um 3 Prozent auf 5,6 Mio. ausbauen. Damit hat sich die Produktion in den letzten fünf Jahren um 13 Prozent erhöht, während gleichzeitig der westeuropäische Markt um 11 Prozent geschrumpft ist. Auch der Vergleich mit anderen europäischen Automobilnationen unterstreicht die hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sowohl Frankreich (-16 Prozent) als auch Italien (-39 Prozent) mussten ihre Produktion in den letzten fünf Jahren deutlich zurückfahren. 58 Prozent der in Deutschland produzierten Pkw entfallen auf den Premiumbereich. Die Strategie, auf qualitativ hochwertige Modelle zu setzen, hat den Standort Deutschland während der Absatzflaute in Westeuropa in den letzten Jahren weiter gestärkt. Die deutschen Standorte haben es somit vermocht, im Wettbewerb mit den Produktionsstätten im Ausland zu bestehen.

Die deutschen Pkw-Hersteller beziehen viele Komponenten und Bauteile von Zulieferern aus Europa. An einem durchschnittlichen Pkw aus deutscher Fertigung beträgt der Wertschöpfungsanteil europäischer Zulieferer außerhalb Deutschlands mehr als 40 Prozent.

Das vom Anteil her größte Segment war auch 2014 mit 29 Prozent die Kompaktklasse. Auf den nächsten Plätzen folgten die Mittelklasse mit 23 Prozent und die immer beliebter werdenden Geländewagen mit 15 Prozent, die 2014 um über ein Fünftel zulegen konnten. Andere Segmente mit hohen Zuwächsen waren die Oberklasse (+24 Prozent) und die Utilities (+19 Prozent).

Auslandsfertigung: 10 Mio. im Visier

Die deutschen Hersteller konnten 2014 ihre Produktion im Ausland um 8 Prozent auf 9,3 Mio. Pkw ausbauen. Gleichzeitig wuchs auch die Inlandsfertigung moderat. Es herrscht eine Balance zwischen dem Engagement im In- und Ausland. Die Komplettfertigung vor Ort, die inzwischen 62 Prozent der gesamten Produktion der deutschen Konzerne ausmacht, wird immer wichtiger. Sie erleichtert es den Herstellern, maßgeschneiderte Modelle anzubieten, die die Anforderungen und Vorlieben der Kunden besser berücksichtigen können.

In den einzelnen Regionen entwickelte sich die Pkw-Produktion 2014 uneinheitlich. In China, dem für die deutschen OEM mit Abstand wichtigsten Produktionsland außerhalb Deutschlands, liefen rund 4 Mio. Pkw von den Bändern, das war ein Plus von 14 Prozent. Mit einem Zuwachs um 10 Prozent auf ein Volumen von 3,3 Mio. entfaltete die Fertigung im europäischen Ausland ebenfalls eine verhältnismäßig hohe Dynamik. Dieser positive Produktionstrend unterstreicht, dass Europa und insbesondere auch die Eurozone (+8 Prozent) sich langsam, aber stetig aus dem Krisenmodus herausbewegen. Recht disparat verlief die Entwicklung in Amerika. Während im NAFTA-Raum ein Zuwachs von 4 Prozent auf 1,2 Mio. Einheiten zu konstatieren war, knickte die Produktion in Südamerika vor dem Hintergrund einer vorübergehenden Rezession in Brasilien um über ein Viertel auf gut 0,5 Mio. Stück ein.

Exporte: Großbritannien weiter wichtigster Partner

Die Exporte stellten auch 2014 die wichtigste Stütze der deutschen Automobilindustrie und ihrer Heimatstandorte dar. Mit 4,3 Mio. Pkw konnte das gute Ergebnis aus dem Vorjahr noch einmal um knapp 3 Prozent übertroffen werden. Damit war Deutschland in der Kategorie Pkw-Exporte einmal mehr Weltmeister vor Japan und Südkorea. Von der inländischen Produktion wurden 77 Prozent im Ausland abgesetzt, das entsprach nahezu der hohen Quote aus dem Vorjahr. Das Label „made in Germany“ besitzt gerade bei Automobilen weiterhin eine weltweit hohe Anziehungskraft.

Der Dieselanteil an den Exporten übertraf die 43-Prozent-Marke. Der Exporterfolg der deutschen Hersteller gründet sowohl auf Volumen- als auch auf Premiummodelle. Dies zeigt sich darin, dass drei von fünf ausgeführten Pkw aus den unteren Segmenten bis einschließlich der Mittelklasse stammen.

Wachstumslokomotive war letztes Jahr mit einem Anstieg um 10 Prozent die EU, die mit 2,24 Mio. Einheiten über die Hälfte aller Pkw-Exporte aus Deutschland auf sich vereinte. Wichtigstes Partnerland war, wie schon in den Vorjahren, mit 821.000 Stück das Vereinigte Königreich (+7 Prozent), dort erreichten die deutschen Hersteller einen Marktanteil von über 50 Prozent. 2014 war das Jahr, in dem die Eurokrisenländer wieder größere Stückzahlen aus Deutschland abriefen. Sowohl Italien (+14 Prozent) als auch Griechenland (+20 Prozent), Spanien (+31 Prozent), Irland (+35 Prozent) und Portugal (+47 Prozent) verzeichneten klare Zuwächse. Auch in einigen osteuropäischen Ländern wuchsen die Pkw-Importe aus Deutschland deutlich, zu nennen sind hier insbesondere die Tschechische Republik mit +39 Prozent und Polen mit +29 Prozent.

Unter den Erwartungen blieben zwei potenziell zukunftsträchtige Ausfuhrmärkte im eurasischen Raum. Russland erlebte einen Einbruch um ein Viertel auf 99.000 Fahrzeuge. Auch die unter den Kriegen in den Nachbarstaaten leidende Türkei verzeichnete einen Rückgang um 15 Prozent auf 136.000 Einheiten.

Der zweitwichtigste Absatzkontinent für deutsche Pkw war Amerika mit 776.000 Stück (-9 Prozent). Lateinamerika führte über ein Fünftel weniger Pkw aus Deutschland ein. Die Ausfuhren nach Asien erreichten 741.000 und übertrafen damit das Vorjahresergebnis um 8 Prozent. China etablierte sich mit 274.000 (+13 Prozent) Stück als drittwichtigster Exportpartner nach den USA mit 613.000 Fahrzeugen (-6 Prozent). Hohe Zuwächse im außereuropäischen Raum realisierten die beiden südostasiatischen Tigerstaaten Südkorea (+29 Prozent) und Taiwan (+33 Prozent).

Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Märkte, Analysen, Rohstoffe, Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
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