Automobilindustrie und Märkte

Produktion

Auch 2017 verfolgten die deutschen Automobilhersteller weiter ihre globale Ausrichtung.

Inlandsproduktion

2017 liefen 5,65 Millionen Pkw von deutschen Montagebändern, das entsprach einem Rückgang von 2 Prozent. Hintergrund ist die zunehmende Produktion vor Ort, die den Vorteil hat, näher an den wachsenden Absatzmärkten außerhalb Europas zu sein und damit direkt auf die dortigen Marktentwicklungen reagieren kann. Damit verteidigt Deutschland den vierten Platz im globalen Länderranking vor Indien und hinter China, USA und Japan. In Europa bleibt Deutschland mit deutlichem Abstand das wichtigste Produktionsland. Der Vorsprung vor unmittelbaren Konkurrenten wie Spanien und dem Vereinigten Königreich, deren Fertigung jeweils um 3 Prozent rückläufig war, vergrößerte sich sogar noch.

Die Produktion von Pkw mit Ottomotor stieg 2017 um 6 Prozent auf 3,06 Millionen Fahrzeuge, den höchsten Wert seit 2011. Damit entfielen 54,5 Prozent der Inlandsfertigung auf Benziner. Die Herstellung von Diesel-Pkw hingegen ging letztes Jahr um 12 Prozent auf 2,35 Millionen Einheiten zurück, der Anteil sank um 5 Prozentpunkte auf 41,7 Prozent. Diese Entwicklung bedeutet, dass die Erreichung der scharfen europäischen CO2-Ziele erschwert wird, denn der Diesel hat gegenüber dem Benziner Effizienzvorteile von um die 15 Prozent. Um die anspruchsvollen Treibhausgasziele zu erreichen, wird die Elektrifizierung des Antriebsstrangs eine zunehmende Rolle spielen. Dass die deutschen Hersteller hier schon heute sehr gut aufgestellt unterstreichen die Produktionszahlen von 2017. Es rollten über 177.000 Pkw mit Elektromotor (inkl. Plug-Ins) von den einheimischen Montagebändern, das entsprach einem Zuwachs von 26 Prozent. Der Elektroanteil erreichte damit 3,1 Prozent. Die Inlandsfertigung von rein elektrisch angetriebenen Pkw stieg um 19 Prozent auf knapp 53.000 Fahrzeuge.

Das wichtigste Segment blieb auch 2017 die Kompaktklasse mit einem Produktionsvolumen von 1,61 Millionen Stück, das nahezu das Vorjahreslevel erreichte (-1 Prozent). An zweiter Stelle stand mit 1,24 Millionen Einheiten die Mittelklasse, die um 2 Prozent nachgab. Die Geländewagen und SUVs konnten den dritten Rang halten, sie verharrten mit 1,12 Millionen Fahrzeugen auf dem Niveau von 2016.

Der Erfolg der deutschen Automobilindustrie beruht auch auf der gesunden Mischung von Volumen- und Premiummodellen. 2017 erreichte der Premiumanteil bei der Inlandsfertigung mit 59 Prozent einen neuen Höchstwert, vor zehn Jahren hatte er noch bei knapp über 50 Prozent gelegen.

Auslandsfertigung

Auch 2017 verfolgten die deutschen Automobilhersteller weiter ihre globale Ausrichtung und steigerten ihre Produktion außerhalb Deutschlands um 7 Prozent auf 10,8 Millionen Pkw. Damit setzte sich der Trend zur Vorortfertigung fort, mit 7,2 Millionen Einheiten konnte die Pkw-Herstellung außerhalb Europas sogar um 9 Prozent gesteigert werden. Weltweit trug auch 2017 nahezu jeder fünfte Neuwagen das Firmenlogo einer deutschen Konzernmarke.

Letztes Jahr konnte China seine Stellung als wichtigster Auslandsstandort weiter ausbauen. Mit 4,9 Millionen Pkw erhöhten die deutschen OEM ihre Fertigung um 8 Prozent; inzwischen werden drei von zehn Autos deutscher Konzerne in China gebaut. Die erfreuliche Entwicklung war vor allem auf die Premiumhersteller und die SUVs zurückzuführen. Daneben führte der vorübergehend reduzierte Mehrwertsteuersatz für Pkw mit kleinem Hubraum zu vorgezogenen Käufen.

Den Aufwärtstrend der letzten Jahre konnte auch die NAFTA-Produktion der deutschen Hersteller fortsetzen. Mit 1,4 Millionen Pkw stieg die Fertigung noch einmal um 11 Prozent. Insbesondere Mexiko verzeichnete aufgrund eines neuen Produktionswerkes ein sattes Plus von 46 Prozent und übertraf mit 620.000 Einheiten den Rekord von 2012. Gleichzeitig ging die US-Produktion um 6 Prozent auf 804.000 Stück zurück. Rückgänge verzeichneten hier die Pkw-Modelle, während die SUV-Fertigung sogar leicht anstieg. In Brasilien gelang 2017 die Trendwende; die Produktion stieg um gut ein Viertel von dem Tiefpunkt des Vorjahres auf 436.000 Fahrzeuge. Damit liegt sie aber immer noch 49 Prozent unter dem Rekord von 2010.

Die Pkw-Auslandsproduktion der deutschen OEM in Europa ist 2017 um 5 Prozent auf die Rekordmarke von 3,6 Millionen Einheiten angestiegen. Hintergrund ist die gute wirtschaftliche Lage und der Ersatzbedarf, der sich in den letzten Jahren aufgestaut hat. An der Spitze der Produktionsländer stand 2017 die Tschechische Republik, die mit 858.000 Einheiten (+13 Prozent) erstmals Spanien (-4 Prozent auf 799.000 Stück) überholt hat. An dritter Stelle rangiert mit großem Abstand die Slowakei mit 304.000 Fahrzeugen (-5 Prozent) knapp vor Ungarn mit 303.000 Pkw (-3 Prozent). Das Produktionswachstum in Europa geht zu einem großen Teil auf die Fertigung neuer Modelle in den Niederlanden (+93 Prozent auf 169.000 Einheiten) und Finnland (+91 Prozent auf 92.000 Stück) zurück.

Die Auslandsproduktion hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt, 2010 hat sie die Inlandsproduktion überholt, inzwischen ist sie doppelt so hoch wie diese. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war die Ausrichtung auf Premiummodelle. Der Premiumanteil hat sich seit 2009 von 16 Prozent auf 37 Prozent ebenfalls mehr als verdoppelt. Die globale Aufstellung der deutschen OEM manifestiert sich auch darin, dass sie inzwischen mit 4,0 Millionen Fahrzeugen 0,8 Millionen mehr Premium-Pkw im Ausland als am heimischen Standort fertigen.

Wichtigstes Produktionssegment war 2017 mit 4,0 Millionen Fahrzeugen (-1 Prozent) die Kompaktklasse. Hinter der Kompaktklasse rangieren bereits die immer populärer werdenden Geländewagen und SUVs mit einer Produktion von 2,7 Millionen (+41 Prozent) vor den Kleinwagen mit 1,5 Millionen Einheiten (-3 Prozent).

Exporte

Autos Made in Germany haben auch 2017 weltweit nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Mit 4,38 Millionen Export-Pkw konnte das hohe Vorjahresniveau nahezu gehalten werden (-0,7 Prozent), in den letzten 5 Jahren hat es einen Zuwachs von 6 Prozent gegeben. Der Anteil der Exporte an der Produktion, die Exportquote erreichte mit 77,5 Prozent sogar einen neuen Rekordwert. Man muss sich klarmachen, dass dieser Erfolg auf den Weltmärkten sehr stark vom freien Handel abhängt, der beiden Handelspartnern Wohlstandsgewinne verschafft. Gerade die Pkw-Ausfuhren haben aufgrund der langen Wertschöpfungsketten einen besonders hohen Einfuhranteil in Form von Rohstoffen und zugelieferten Teilen und Komponenten und schaffen damit Arbeitsplätze im In- und Ausland.

Eine Analyse der Exporte nach Segmenten ergibt, dass es letztes Jahr zwar keinen quantitativen Zuwachs gegeben hat, dass es jedoch durchaus zu einem qualitativen Wachstum gekommen ist. Die höchste Wachstumsrate verzeichnete 2017 die obere Mittelklasse mit einem Plus von 14 Prozent auf 516.000 Einheiten. Auch die Oberklassenexporte konnten 2017 um 8 Prozent auf 195.000 Stück ausgebaut werden. Bei den Geländewagen und SUVs hingegen kam es 2017 nur noch zu einem Miniwachstum von 1 Prozent auf 926.000 Fahrzeuge. Gleichzeitig ging die Produktion von Klein- und Kleinstwagen um 14 Prozent auf 312.000 Einheiten zurück. Für einen Hochlohnstandort wie Deutschland wird es immer schwieriger, in diesem sehr preissensitiven Bereich konkurrenzfähig zu sein.

Der starke EU-Binnenmarkt hat 2017 die deutschen Exporte maßgeblich unterstützt. 57 Prozent aller Pkw-Ausfuhren verblieben in der EU, das waren 2,5 Millionen Einheiten und damit 1 Prozent mehr als 2016. Treiber waren Polen (+21 Prozent auf 101.000 Fahrzeuge), Dänemark (+9 Prozent auf 56.000 Autos) die Beneluxstaaten (+5 Prozent auf 254.000 Einheiten) sowie Portugal (51.000 Stück) und Spanien (230.000 Pkw) mit jeweils +4 Prozent. Der wichtigste Handelspartner Großbritannien hingegen verzeichnete aufgrund der Pfundschwäche einen Rückgang um 4 Prozent auf 769.000 Fahrzeuge.

Ein deutlicher Schub für die Pkw-Ausfuhren kam 2017 aus Asien. Mit 707.000 Einheiten wurde das Vorjahresergebnis um 7 Prozent übertroffen. Getragen wurde die Nachfrage nach deutschen Autos von den wichtigsten asiatischen Exportpartnern China (+11 Prozent auf 258.000 Stück) und Japan (+14 Prozent auf 141.000 Stück). Um 8 Prozent auf 107.000 Fahrzeuge im Gesamtjahr rückläufig waren die Ausfuhren nach Südkorea, die in der zweiten Jahreshälfte mit +11 Prozent allerdings wieder auf den Wachstumspad einschwenkten.

Nach Amerika reduzierten die deutschen Hersteller ihre Ausfuhren um 7 Prozent auf 657.000 Einheiten. Damit bewegen sie sich knapp oberhalb des Levels von 2009 und fast 200.000 Stück unterhalb des Rekordes von 2013. Wichtigster Partner in Amerika waren die Vereinigten Staaten mit 494.000 Fahrzeugen (-10 Prozent). Der Rückgang geht auf die Relokation der Produktion eines SUV-Modells nach Mexiko zurück.

Gerade bei den Exporten spielt Premium als Erfolgsfaktor eine große Rolle. Während 2007 die Hälfte aller Pkw-Ausfuhren auf Premiummodelle entfielen, waren es 2017 bereits über 61 Prozent. Dieser Anteil variiert sehr stark über die verschiedenen Absatzregionen. Relativ besonders beliebt sind deutsche Premiumautos in Nordamerika (Anteil 91 Prozent) und Ostasien (Anteil 90 Prozent). In Europa hingegen überwiegen mit 52 Prozent die Volumenmodelle bei den deutschen Exporten.

Dr. Manuel Kallweit
Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Märkte, Analysen, Rohstoffe, Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
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