Innovation und Technik

Automatisiertes Fahren

Der technologische Fortschritt auf dem Weg zum automatisierten Fahren zeigt sich bereits heute in modernen Fahrzeugen, die vermehrt mit Fahrerassistenzsystemen (FAS) ausgerüstet sind.

Die Zukunft von gestern – heute Realität

Eine Urlaubsreise so entspannt wie nie: Die ganze Familie sitzt um ein Gesellschaftsspiel, während das Auto von allein fährt – so zeigt es eine Zeichnung aus dem Jahr 1956. Die Verwirklichung lag nach damaliger Sicht weit in der Zukunft, aber die Idee dahinter war klar.

Das Auto vergrößert sein Potenzial zu einem mobilen Lebensraum. Die Vision des automatisierten Fahrens gibt es fast so lange wie das Automobil, meist als Szenario für Science- Fiction-Romane und -Filme. Bereits 1939 kam sie der Wirklichkeit nahe. Auf der New Yorker Weltausstellung wurde die Idee in der Ausstellung „Futurama“ präsentiert. 1960, so hieß es, sollte es so weit sein.

Das war verfrüht, wie sich herausstellte. Doch erste Konzepte für vollautomatisierte Langstreckenfahrten auf den amerikanischen Highways entwickelten Ingenieure bereits in den 1950er- Jahren. Sie setzten auf eine Kombination aus Infrastrukturmaßnahmen und Fahrzeugtechnologie: einfach der Verkehrsleitzentrale vor der Fahrt das Ziel nennen und schon sollte die selbständige Reise losgehen, in Fahrzeugen, die mit Gasturbinen angetrieben werden sollten. Der Leitgedanke schon damals: Die zukünftigen Technologien sollten den Menschen ein bis dahin ungeahntes Maß an Komfort und Sicherheit bieten.

Die Entwicklung ist mittlerweile weit vorangeschritten. Heutige Systeme setzen auf Signale diverser Sensoren rund ums Fahrzeug, um den Fahrer zu unterstützen. Moderne Autos verfügen über eine Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen, die dem Fahrer in Fahr- und Parksituationen helfen und einige Aufgaben sogar ganz übernehmen.

So signalisiert der heute schon verfügbare Spurverlassenswarner den unbeabsichtigten Spurwechsel. Weiter fortgeschrittene Systeme halten das Fahrzeug selbsttätig in der Spur. Hinzu kommen Einparksysteme, die den Fahrer auf eine geeignete Parklücke hinweisen und auf Wunsch sogar das Einparken übernehmen.

Die Zukunft von gestern schickt sich an, heute und morgen Realität zu werden. Dabei ist die Automatisierung mehr als die Verwirklichung einer lang gehegten Vision. Sie legt einen Grundstein zur erfolgreichen Bewältigung der vielfältigen globalen Herausforderungen an die Mobilität.

Die mobile Welt von morgen

Die Welt von morgen ist urban
Das Jahr 2007 markiert einen historischen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte. Seitdem leben weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Bis 2050 wird das Verhältnis 70 zu 30 sein. Aber auch die Städte selbst haben sich verändert, sie sind zu Megacitys geworden. Seit der Antike verharrten selbst die Metropolen lange an der Grenze zu einer Million Einwohnern, erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts durchbrach New York die Schallmauer von zehn Millionen Einwohnern. Heute ist das kein Alleinstellungsmerkmal mehr. 28 Megacitys mit über zehn Millionen Einwohnern gibt es bereits (siehe Grafik), bis zum Jahr 2030 sollen es etwa 40 werden.

Die Urbanisierung und insbesondere die Entstehung von Megacitys sind Ausdruck des globalen Bevölkerungs- sowie Wirtschaftswachstums. Mobilität und Transport bilden dabei das Rückgrat für den steigenden Wohlstand der Gesellschaft und die größere Teilhabe der Menschen daran. Gleichzeitig stellt es eine besondere Herausforderung dar, den Verkehr in diesen Ballungsräumen zu organisieren: Denn nicht nur in den Städten selbst, auch um sie herum leben immer mehr Menschen, die täglich zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz pendeln. Die Städte dehnen sich weiter aus, Ballungszentren werden selbst zu Städten. Insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern wachsen Städte oft so schnell, dass infrastrukturelle Maßnahmen und Stadtplanung kaum Schritt halten können. Die sichtbarste Folge: lange Staus und zu wenig Parkplätze. Das bedeutet Verlust an Zeit und ist zudem nervenaufreibend für den Fahrer. Läuft der Verkehr nicht, erlahmen auch Handel und Produktivität, was negative Effekte für die Wirtschaft hat.

Die Welt von morgen ist automatisiert
Die zunehmende Verkehrsdichte, also die Summe aller Verkehrsteilnehmer eines Verkehrsstroms zu einem Zeitpunkt auf einer Wegeinheit, beschränkt sich nicht nur auf die Schwellenländer und die Megacitys Asiens. Sie ist eine weltweite Herausforderung - auch hierzulande. In Deutschland stehen die Autofahrer schon heute im Schnitt 36 Stunden im Jahr im Stau (s. Grafik). Einige Städte und Ballungszentren liegen deutlich darüber: In und um Stuttgart und Karlsruhe sind es sogar mehr als 60 Stunden.

Abnehmen wird die Fahrzeugdichte in Zukunft nicht. Das Bundesverkehrsministerium rechnet damit, dass sich der Pkw-Bestand bis zum Jahr 2025 um mindestens 10 Prozent erhöhen wird. Eine Ursache: Wir werden immer älter. Und wer selber nicht mehr gut zu Fuß ist, nutzt eher das Auto oder andere motorisierte Fortbewegungsmittel. Für den Güterverkehr prognostiziert das Ministerium sogar ein Plus von 30 Prozent. Für die Europäische Union zeigt sich eine ähnliche Tendenz. Beim Güterverkehr auf den Straßen Europas wird eine Zunahme von bis zu 80 Prozent gegenüber dem heutigen Stand vorausgesagt. Global wird sich der Pkw-Bestand bis 2030 nahezu verdoppeln.

Graham Smethurst
Graham Smethurst Leiter Koordinierungsstelle Vernetztes und Automatisiertes Fahren

Tel: +49 30 897842-426  
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