Innovation und Technik

Automatisiertes Fahren

Der technologische Fortschritt auf dem Weg zum automatisierten Fahren zeigt sich bereits heute in modernen Fahrzeugen, die vermehrt mit Fahrerassistenzsystemen (FAS) ausgerüstet sind.

Ein rechtssicherer Rahmen für das automatisierte Fahren

Um das automatisierte Fahren voranzutreiben, ist die Automobilindustrie auf einen rechtssicheren Rahmen angewiesen – auf nationaler Ebene wie auch im globalen Kontext. Es sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit das Fahrzeug Aufgaben übernehmen kann, die heute allein der Autofahrer wahrnehmen darf.

Das „Wiener Übereinkommen“ von 1968 besagt, dass der Fahrer jederzeit die Kontrolle über sein Fahrzeug haben muss. Im März 2014 wurde von der zuständigen Arbeitsgruppe der UNECE (UN-Wirtschaftskommission für Europa) eine Änderung des entsprechenden Artikels verabschiedet. Hochautomatisierte Systeme, die weiterhin einen übernahmebereiten Fahrer haben, der das System übersteuern bzw. ein- und ausschalten kann, sind demnach zukünftig im Einklang mit dem „Wiener Übereinkommen“. Das geänderte „Wiener Übereinkommen“ fordert weiterhin, dass jedes Fahrzeug einen Fahrer haben muss. Für die Ermöglichung fahrerloser Fahrzeuge ist daher eine weitere Änderungsschleife notwendig. Im Straßenverkehrsrecht (z. B. StVG und StVO) besteht ab der Stufe 3 Reformbedarf. Dabei ist eine Anpassung des deutschen Verhaltensrechts für hochautomatisierte Fahrfunktionen zur Konkrektisierung der Fahrerpflichten sowie zur Legitimierung der Nutzung von bordeigenen Infotainmentsystemen während der hochautomatisierten Fahrt und allgemein für die Übernahme von Fahraufgaben durch Systeme sinnvoll. Schließlich müssen im internationalen Kfz-Zulassungsrecht die erforderlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit etwa automatische Lenksysteme oberhalb von 10 km/h eingeführt werden können.

Ab den Stufen 3 und 4 der Automatisierungsgrade des automatisierten Fahrens ergeben sich nach heutigem Stand noch rechtliche, ethische und gesellschaftliche Herausforderungen. Im Sinne einer transparenten, verantwortungsvollen und nachhaltigen Herangehensweise an diese Zukunftstechnologie werden diese Fragen proaktiv vom VDA und von der deutschen Automobilindustrie in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht. Im Falle auftretender Dilemmasituationen darf das technische System keinesfalls zwischen Menschenleben abwägen, sondern muss durch Bremsen und Ausweichen die Unfallfolgen minimieren. Hierbei reagiert ein hochautomatisiertes System schneller, rationaler und vorausschauender als der menschliche Fahrer. Sensoren wie z. B. Radar, Kamera oder Laserscanner sind grundsätzlich dazu in der Lage, Radfahrer und Fußgänger zu erkennen. Eine Differenzierung, z. B. nach Alter, ist jedoch aktuell und auch in der nahen Zukunft nicht möglich. Ohne diese Information ergeben sich viele der konstruierten Dilemmasituationen für das technische System derzeit nicht. Die deutsche Automobilindustrie setzt sich für international harmonisierte Anforderungen an den Fahrzeugführer ein. Damit Deutschland eine Schrittmacherrolle spielen kann, ist auch nationales Recht anzupassen. Die national wie international zu schaffende Rechtssicherheit für automatisiertes Fahren bedeutet zugleich Investitionssicherheit für die Hersteller und Zulieferer im Heimatmarkt.

Für Deutschland ist die Digitalisierung der Mobilität eine Chance, zum internationalen Vorreiter in diesem Bereich zu werden. Entwicklungskompetenz führt zu Lösungskompetenz. Die deutschen Unternehmen leben und schätzen unseren Rechtsrahmen. Wenn wir es nicht machen, dann machen es andere mit anderen Rechtsgrundlagen. Auch vor diesem Hintergrund sollte Deutschland im globalen Verbund eine Vorreiterrolle wahrnehmen.

Graham Smethurst
Graham Smethurst Leiter Koordinierungsstelle Vernetztes und Automatisiertes Fahren

Tel: +49 30 897842-426  
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