Innovation und Technik

Automatisiertes Fahren

Der technologische Fortschritt zeigt sich bereits heute in modernen Fahrzeugen, die vermehrt Fahrerassistenzsysteme (FAS) besitzen, auf dem Weg zur Automatisierung.

Die mobile Welt von morgen

Der Verkehr in Deutschland nimmt weiter zu, im europäischen Vergleich liegen wir auf Platz 5 der verkehrsreichsten Länder. Das liegt zum einen an dem kontinuierlich wachsenden Pkw-Bestand von über einem Prozent jährlich, zum anderen an der steigenden Fahrleistung von allein 2,5 Prozent im letzten Jahr. Hinzu kommt, dass seit 2007 erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land leben.

Durch die stetig fortschreitende Urbanisierung und dem zunehmend beliebten digitalen Einzelhandel, steigt der Transportbedarf von Personen und Kleingütern. Waren, die online erworben werden, müssen meist in kleinen Einheiten zum Empfänger transportiert werden, was den innerstädtischen Gütertransport deutlich erhöht. Aufgrund schneller Lieferzeiten ist auch für den Onlinehandel mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs von einem stetig wachsenden Markt auszugehen. Transport und Mobilität sind die Säulen, die diese Entwicklung tragen. Es bedarf intelligenter technischer Lösungen im Güterverkehr, um solche Herausforderungen auch in Zukunft zu bewältigen.

Die Welt von Morgen ist automatisiert

Seit der Einführung des ABS im Jahr 1978 werden laufend neue Fahrerassistenzsysteme entwickelt, die den Straßenverkehr zunehmend automatisieren. Systeme wie der Spurhalteassistent, der Tempomat und Abstandsregelassistent ACC oder das elektronische Stabilitätsprogramm ESP entlasten den Fahrer und machen den Straßenverkehr sicherer und komfortabler. Nach und nach können immer mehr Fahraufgaben von automatisierten Systemen übernommen werden. Fahrerassistenzsysteme tragen dazu bei, dass die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr seit Jahren sinkt, gänzlich vermieden können diese jedoch noch nicht werden. Um im Falle eines Unfalls eine schnelle Versorgung zu gewährleisten, wurde das elektronische Notrufsystem „eCall“ entwickelt, das ab 2018 in allen Neuwagen Pflicht ist. Es registriert Unfälle und setzt automatisch einen Notruf ab.

Wie wichtig die Entlastung durch automatisierte Systeme ist, zeigt ein Blick auf die Straßen. In Deutschland stehen Autofahrer schon heute im Schnitt 30 Stunden pro Jahr im Stau. 2016 sind die Staustunden in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um circa 20 Prozent gestiegen. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Kilometer Stau und 419.000 Staustunden. In der „2016 Traffic Scorecard“ beziffert INRIX* die durch Stau entstandenen Kosten auf 69 Milliarden Euro

Abnehmen wird die Fahrzeugdichte in Zukunft nicht. Das Bundesverkehrsministerium rechnet damit, dass sich der Pkw-Bestand bis zum Jahr 2025 um mindestens 10 Prozent erhöhen wird. Für den Güterverkehr prognostiziert das Ministerium sogar ein Plus von 30 Prozent. Für die Europäische Union zeigt sich eine ähnliche Tendenz. Beim Güterverkehr auf den Straßen Europas wird eine Zunahme von bis zu 80 Prozent gegenüber dem heutigen Stand vorausgesagt. Global wird sich der Pkw-Bestand bis 2030 nahezu verdoppeln.

Entlastung durch Vernetzung

Fahrerassistenzsysteme bilden nur einen Teil der Lösung für eine bessere Verkehrssituation in Deutschland. Ebenso wichtig sind vernetzte Systeme. Sie sorgen dafür, dass Fahrzeuge nicht nur in sich intelligent agieren und den Fahrer unterstützen, sondern auch von der Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Infrastruktur profitieren. Die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Umgebung macht den Straßenverkehr effizienter und komfortabler: Fahrzeuge, die mit Ampeln kommunizieren, können Grünphasen besser nutzen. Untereinander vernetzte Fahrzeuge können ohne Verzögerung auf eine Gefahrenbremsung reagieren. Intelligente Verkehrsmanagementsysteme können die Daten der Fahrzeuge in Echtzeit auswerten und den Fahrern bei Staus alternative Routen vorschlagen oder sie zu freien Parkplätzen leiten. Rund ein Fünftel aller Staus und ein Drittel des durch Parkplatzsuche verursachten Verkehrs könnten durch vernetztes Fahren vermieden werden. Die Technik dafür steht bereits in den Startlöchern. In vielen Pilotprojekten werden verschiedene Arten der Vernetzung erprobt. Sowohl der Güterverkehr, als auch der Personenverkehr wird durch die vernetzte Mobilität entscheidend profitieren.

Die Digitalisierung schafft täglich neue Möglichkeiten für die mobile Welt von morgen, dabei stehen Vernetzung und Automatisierung im Vordergrund. Wenn vermehrt Fahrfunktionen durch automatisierte Systeme übernommen werden und die Vernetzung zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur zu einer optimierten Verkehrsleitung führt, liegt der Schluss nahe, dass Fahrzeuge in Zukunft vollkommen ohne Fahrer auskommen können. Das sogenannte autonome Fahren wird derzeit stark diskutiert und von verschiedenen Herstellern getestet. Bis diese Systeme zur serientauglichen Marktreife kommen, wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Bis dahin sind es die automatisierten Assistenten und die vernetzten Systeme, die den Fahrer unterstützen, Staus reduzieren und den Straßenverkehr sicherer machen.

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