Innovation und Technik

Kraftstoffstrategie

Im März 2013 wurde die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) der Bundesregierung vorgestellt. Sie ist Teil des Energiekonzepts der Bundesregierung und zeigt technologieoffen auf, wie die Energiewende im Verkehr in Deutschland realisiert werden kann.

Die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung

Im März 2013 wurde die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) der Bundesregierung vorgestellt. Sie ist Teil des Energiekonzepts der Bundesregierung und zeigt technologieoffen auf, wie die Energiewende im Verkehr in Deutschland realisiert werden kann. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft verständigten sich im Rahmen des Konzepts bereits über die Perspektiven von fossilen Kraftstoffen und solchen auf Basis erneuerbarer Energien, über neue Antriebstechnologien und notwendige Versorgungsinfrastrukturen. Im Rahmen der MKS sollen alternative Kraftstoffe und Antriebeidentifiziert werden, die in großer Verbreitung eingesetzt werden können. Diese sollen die CO2-Emissionen verringern und den Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehr steigern. Die Automobilindustrie hat sich intensiv in das Konzept eingebracht: Ausgangspunkt ist die bekannte Fächerstrategie.

Die CO2- und Energieeinsparungsziele Deutschlands machen eine Einbeziehung neuer alternativer und regenerativer Antriebe und Kraftstoffe in das Energiekonzept des Verkehrs notwendig. Dabei gibt es – wie auch bei der Fächerstrategie – keinen Königsweg. Vielmehr müssen alle Wege alternativer Technologien ernsthaft verfolgt werden. Klassische Antriebe und Kraftstoffe dürfen ebenso wenig vernachlässigt werden wie die CO2-neutralen Antriebsformen Batterieantrieb und Brennstoffzelle.

Ziel der Kraftstoff- und Antriebsstrategie der deutschen Automobilindustrie ist eine zunehmende Dekarbonisierung des Verkehrs. Diese kann mit zunehmend effizienten Antrieben, CO2-armen Kraftstoffen und CO2-neutralen oder CO2-freien Energieträgern wie Batteriefahrzeugen oder der Brennstoffzelle gelingen. Auch Biokraftstoffe werden ihren Platz in einer bundesdeutschen Kraftstoffstrategie einnehmen. Dabei geht es zukünftig weniger um die Frage, ob die Biokraftstoffe aus erster, zweiter oder dritter Generation stammen. Es geht vielmehr darum, wie viele Biokraftstoffe nachhaltig eingesetzt werden können und welche Entwicklungspotenziale sowohl für die konventionellen als auch für neue Biokraftstoffe bestehen. Zu einer Kraftstoffstrategie gehört außerdem die Frage, welche Biokraftstoffe strategisch besonders bedeutsam sind und entsprechend gefördert und berücksichtigt werden müssen. Bei dieser Kraftstoffstrategie sind zudem die Spezifika der Verkehrsträger zu beachten: Ein batteriebetriebener Fernverkehrs-Lkw ist sicherlich genauso unrealistisch wie ein Wasserstoffmotorrad.

Die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung baut auf den nationalen und europäischen Energie- und CO2-Einsparzielen auf. Sie beinhaltet unter Berücksichtigung der technologischen Randbedingungen der Verkehrsträger und der energiepolitischen Randbedingungen konkrete Empfehlungen für den Straßenverkehr: Der Straßentransportverkehr ist heute noch weitgehend vom Diesel abhängig. Für die Zukunft müssen Alternativen zum Dieselantrieb entwickelt werden. Methan stellt in allen Anwendungsformen einen herausragenden Energieträger dar, den es weiterzuentwickeln gilt. Insbesondere LNG ist eine zukunftsträchtige Alternative für den Straßengüterverkehr.

Erdgas weist gegenüber einem vergleichbaren Benziner einen CO2-Vorteil von über 20 Prozent auf. Durch die hervorragenden Kraftstoffeigenschaften von Erdgas (hohe Klopffestigkeit, sehr homogener Kraftstoff) ist der Erdgasantrieb sehr sauber. Ein auf diesen Kraftstoff hin optimierter Motor bietet großes Energieeinsparungspotenzial. Die Bundesregierung hat die herausragende Bedeutung von Erdgas erkannt und daher im Koalitionsvertrag die notwendige Verlängerung der steuerlichen Besserstellung von Erdgas über das Jahr 2018 hinaus beschlossen. Der VDA erwartet nun eine zügige Umsetzung dieser Koalitionsbeschlüsse in der Steuergesetzgebung.

Erdgas ist sowohl in komprimierter Form als auch in verflüssigter Form nutzbar. Bei Pkw wird Erdgas in komprimierter Form verwendet. Kompakte Erdgasdrucktanks ermöglichen heute Reichweiten von über 400 Kilometern im Erdgasbetrieb – zusätzlich zum weiterhin möglichen Benzinbetrieb. Im schweren Güterverkehr gibt es die Drucktanklösung – auch im Unterflurboden der Trailer. Aufgrund einer deutlich erhöhten Energiedichte ist die Erdgasspeicherung in flüssiger Form – also tiefgekühlt – für den Fernverkehr besonders interessant. Erste LNG-Fahrzeuge sind auf dem Markt. Im Zuge einer zunehmenden Durchdringung einer LNG-Infrastruktur rechnet der VDA auch mit einer deutlichen Zunahme an LNG-Fahrzeugen.

Erdgas kann durch biogene Komponenten substituiert werden. Dieses sogenannte Biomethan ist chemisch mit Erdgas gleichwertig, verfügt aufgrund seiner biogenen Erzeugung allerdings über einen sehr kleinen „CO2-Footprint“. Die Herstellung von Biomethan kann über die klassische Biogasproduktion und die anschließende qualitative Aufbereitung des Biogases geschehen. Biogas ist aus Sicht der CO2- und Flächeneffizienz der beste aktuell in großen Mengen verfügbare Biokraftstoff. Bereits heute kommen ca. 20 Prozent Biomethan im Verkehr zum Einsatz.

Ein neuer zukunftsweisender Weg ist die Biomethanherstellung aus Strom. Aus regenerativem und vorzugsweise überschüssigem Strom wird grüner Wasserstoff produziert und über ein Synthetisierungsverfahren methanisiert. Dieses Methan kann in das Erdgasnetz gespeist werden und steht damit an jeder beliebigen Tankstelle dem CNG- Kunden in Deutschland zur Verfügung. Dass diese Technologie effizient und in der Großserie betrieben werden kann, zeigt eine Produktionsanlage der Firma Audi.

Hans-Thomas Ebner
Hans-Thomas Ebner Leiter Abteilung Technik

Tel: +49 30 897842-280 Fax: +49 30 897842-600
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