Sicherheit und Standards

Normung

Normungsarbeit ist ein strategisches Instrument zur Schaffung von Rahmenbedingungen für die Herstellung und Vermarktung innovativer Produkte, die in der heutigen Zeit konsequent entwicklungsbegleitend als Projektarbeit mit klar definierten Zielen und Terminen zu planen ist.

Erarbeitung einer DIN-Spezifikationsreihe für CO2-Klimaanlagen

Nach der EU-Verordnung (EG) Nr. 842/2006 dürfen in Klimaanlagen in Neuserien von Personenkraftwagen seit 2011 nur noch Stoffe eingesetzt werden, die ein Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) von weniger als 150 aufweisen. Der GWP ist ein Index, der im Verhältnis seiner Wirkung als Treibhausgas über einen Zeitraum von 100 Jahren angegeben wird. Dieser Grenzwert gilt ab 2017 auch für alle Neufahrzeuge. Eine Alternative zum bisher in Pkw-Klimaanlagen verwendeten Kältemittel R134a, die die Anforderungen der genannten Richtlinie erfüllt, ist das Kältemittel R1234yf. Aufgrund der weitgehenden Kompatibilität von R1234yf mit der vorhandenen Technik etablierter Klimaanlagen können Pkw-Hersteller und Zulieferunternehmen die seit vielen Jahren erprobten Komponenten der bisher genutzten Klimaanlagen weiterverwenden. Dies spricht für den Einsatz von R1234yf. In zahlreichen Versuchen wurde bestätigt, dass R1234yf im automobilen Einsatz sicher zu handhaben ist. Allerdings gab es bei Prüfungen, deren Umfang über die Anforderungen der Produktsicherheitsgesetzgebung hinausging, Hinweise, dass nicht bei jedem Fahrzeugmodell im Falle eines Unfalls ein Brand ausgeschlossen werden kann.

Eine Alternative zu R1234yf als sicheres Kältemittel ist R744 (CO2). Die Nutzung von R744 erfordert aber deutlich höhere Betriebsdrücke. Ein Einsatz der in den bisher genutzten Klimaanlagen bewährten Komponenten ohne Anpassung ist deshalb nicht möglich. Mit Blick auf die teilweise kritischen Testergebnisse mit R1234yf haben deutsche Fahrzeughersteller beschlossen, die Entwicklung von Klimaanlagen, die für den Betrieb mit R744 geeignet sind, aufzunehmen und zum Abschluss zu bringen.

Parallel zu den Entwicklungs- und Erprobungsarbeiten wurde eine Spezifikationsreihe mit dem Titel „Straßenfahrzeuge – R744-Klimaanlagen“ erarbeitet. Deren Ziel ist die Standardisierung von Komponenten des R744-Kältekreislaufs für Pkw. Neben den Anforderungen an Komponenten der R744-Klimaanlagen beschreiben diese Spezifikationen auch die prozessualen Anforderungen für die Entwicklung und Qualifikation. Die Spezifikationsreihe wurde 2014 erarbeitet und erscheint in der ersten Hälfte des Jahres 2015 in deutscher und englischer Sprache. Sie besteht derzeit aus 18 einzelnen Spezifikationen mit der Kennung „DIN SPEC 74102 und folgende Nummern“ für Einzelkomponenten wie beispielsweise Wärmetauscher, Verdichter, Ventile und Verbindungstechnik. Weitere Spezifikationen zu anderen Komponenten befinden sich noch in der Entwicklung. Entwicklern und Herstellern von Komponenten werden damit wertvolle Hinweise zur Qualifikation der Bauteile gegeben. Der Einsatz der Komponenten in gleicher oder ähnlicher Ausführung in allen R744-Fahrzeugklimaanlagen, unabhängig vom Fahrzeugtyp, wird damit ermöglicht. Auf diese Weise leistet die Spezifikationsreihe einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit, Qualität und Kostenoptimierung für den Bau und den Betrieb von Klimaanlagen mit dem Kältemittel R744.

Egbert Fritzsche
Egbert Fritzsche Leiter Abteilung Normung

Tel: +49 30 897842-320 Fax: +49 30 897842-600
Nach oben springen