Sicherheit und Standards

Sicherheit

Der Straßenverkehr in Deutschland ist so sicher wie nie zuvor

Kleintransporter – viel sicherer als ihr Ruf

Die Einsatzmöglichkeiten für Transporter sind beinahe unendlich, ihre Anzahl auf Deutschlands Straßen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Angestiegen ist auch die Zahl der Unfälle, an denen Transporter beteiligt waren. In der öffentlichen Meinung gelten sie deshalb als Unsicherheitsfaktor - ein Tempolimit sollte helfen, ihre starken Motoren im Zaum zu halten. Doch eine Unfallanalyse der Bundesanstalt für Straßenwesen brachte Fakten auf den Tisch: überzeugende Argumente gegen ein Tempolimit für Kleintransporter.

Transporter sind in puncto Flexibilität, Variabilität und Anpassungsfähigkeit anderen Fahrzeugen weit voraus. Wir kennen sie als Kombis, Pritschenwagen, Kastenwagen, Kühlfahrzeuge oder Kipper. Insbesondere Kleintransporter mit 2,8 bis 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht sind immer wieder Thema in der öffentlichen Diskussion über Fahrzeug- und Verkehrssicherheit. Schnell ist die Rede von steigenden Unfallzahlen, unzureichender Sicherheitsausstattung der Fahrzeuge, schlecht ausgebildeten Fahrern und zu hohen Geschwindigkeiten. Undifferenzierte, schlagzeilenträchtige Medienberichte, garniert mit Bildern von einzelnen schweren Unfällen, heizen die Stimmung gegen Kleintransporter derart auf, dass immer wieder ein Autobahn-Tempolimit bei 120 oder 130 km/h für diese Fahrzeugkategorie gefordert wird.

Tatsächlich ist der Kleintransporterbestand, nach Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung für Lkw über 2,8 t im Jahr 1997, sprunghaft angestiegen. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf die zunehmende Nutzung der Kleintransporter bei Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP). Kurze Lieferzeiten, Versandhandel und Bestellungen via Internet haben zu diesem Trend beigetragen - vor allem in Deutschland, dem größten KEP-Markt Europas.

Parallel zu diesem Bestandszuwachs sind Kleintransporter unfall-auffällig geworden, hat sich die Unfallbeteiligung in absoluten Zahlen von 1996 bis 2001 für sämtliche Straßenkategorien erhöht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zur Bewertung des Unfallrisikos müssen letztlich auch die Fahrleistungen, also die absolvierten Kilometer berücksichtigt werden.

Zur Aufklärung des Sachverhalts hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für das Jahr 2002 eine detaillierte Analyse zur Unfallbeteiligungsrate durchgeführt - einschließlich separat ermittelter Fahrleistungsdaten auf Basis von Sonderauswertungen der "Fahrleistungserhebung 2002". Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigen:

  • Das fahrleistungsbezogene Risiko, an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt zu werden, ist für Kleintransporter im Segment zwischen 2,8 und 3,5 t auf Innerortsstraßen etwa doppelt so hoch wie auf Landstraßen. Auf Autobahnen liegt das Unfallrisiko für Kleintransporter bei nur einem Achtel des Wertes von Innerortsstraßen, d.h. auf Autobahnen sind für Kleintransporter die insgesamt niedrigsten Werte des Unfallrisikos zu verzeichnen.
  • Die detaillierten Analysen ergeben, dass das fahrleistungsbezogene Risiko, an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt zu werden, auf Autobahnen für Kleintransporter im Bereich 2,8 bis 3,5 t auf etwa dem gleichen Niveau wie das der Pkw liegt.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen weist explizit drauf hin, dass das Unfallbeteiligungsrisiko von Kleintransportern (2,8-3,5 t) leicht unterhalb der Risiken von Pkw liegt und Kleintransporter damit in Relation zu den gefahrenen Kilometern - auch auf Autobahnen - nicht mehr als andere Fahrzeuggruppen verunglücken.

Detaillierte Analysen der BASt ergeben keinerlei belastbare Anhaltspunkte dafür, dass ein gesetzliches Tempolimit für Kleintransporter (2,8 bis 3,5 t) die Unfallhäufigkeit und Unfallschwere auf Autobahnen deutlich verringern würde.

Die deutschen Kleintransporterhersteller wissen seit jeher um ihre Verantwortung und nutzen die neueste verfügbare Sicherheitstechnik. Seit Jahren werden die Fahrzeuge im Segment 2,8 bis 3,5 t serienmäßig mit Servolenkung, ABS, ASR, Bremsassistent, Fahrer-Airbag, 3-Punkt-Automatik-Sicherheitsgurten und Gurtstraffern ausgestattet.

Zusätzlich wurden die Vorrichtungen zur Ladungssicherung deutlich verbessert, durch Laderaumtrennwände, Verzurr-Ösen im Laderaumboden, Verzurrschienen in den Seitenwänden oder rutschfeste Laderaumbodenbeläge. Die Sicherheitsausstattung moderner Kleintransporter ist damit auf einem sehr hohen Niveau. Auch Reifen und Bremsen, die schon heute Pkw-Standards aufweisen, werden kontinuierlich verbessert.

In den populären Diskussionen finden diese Maßnahmen der Fahrzeugindustrie und -betreiber allerdings wenig bis keine Resonanz. Dabei haben insbesondere diese Maßnahmen dazu geführt, dass sich der bis zum Jahr 2001 verzeichnete Anstieg der Unfallzahlen nicht weiter fortgesetzt hat.

Folgeuntersuchungen der BASt für die Jahre bis 2006 bestätigen denn auch, dass seit 2002 fortdauernd bis heute eine Trendumkehr beim Unfallgeschehen von Kleintransportern im Segment zwischen 2,8 und 3,5 t auf Autobahnen zu verzeichnen ist:

  • Das Unfallgeschehen von Kleintransportern ist gemessen am gesamten Unfallgeschehen mit einem Anteil von 1,9 Prozent weiterhin von geringer Bedeutung; auf Autobahnen liegt dieser Anteil bei 4,4 Prozent.
  • Der bis 2001 zu verzeichnende steile Anstieg der absoluten Unfallzahlen hat sich seitdem nicht weiter fortgesetzt, obwohl der Bestand an Kleintransportern weiterhin deutlich wächst (2006/2001: + 66 %). Diese tendenziell rückläufige Entwicklung gilt vor allem für die Unfallbeteiligung dieser Fahrzeuge auf Autobahnen (2006/2001: + 11 %) insgesamt und den dabei Getöteten (2006/2001: - 17 %).
  • 2006 wurden die meisten Unfälle unter Beteiligung von Kleintransportern innerorts (58 %) registriert, gefolgt von Landstraßen (28 %) und Autobahnen (14 %). Während auf Innerortsstraßen (+ 30 %) von 2001 bis 2006 noch ein starker Anstieg der Unfallbeteiligung von Kleintransportern erfolgte, ist dieser auf Autobahnen (+ 11 %) und Landstraßen (+ 7 %) deutlich geringer ausgefallen.
  • Insbesondere die aussagekräftigere Betrachtung der Unfallbelastung (Unfallbeteiligte je 1.000 Fahrzeuge des Bestands) zeigt, dass diese für Kleintransporter seit 2001 sowohl insgesamt (- 28 %) als auch auf Autobahnen (- 33 %) rückläufig ist und demzufolge seit 2002 eine Trendwende einsetzte.

Fazit: Die Trendwende der Unfallbeteiligungen seit 2002 zum einen, und die mehrfach verbesserte Sicherheitsausstattung von Kleintransportern zum zweiten, sprechen gegen ein Autobahntempolimit von 120 bzw. 130 km/h für Kleintransporter zwischen 2,8-3,5 t.

Sämtliche detaillierten Unfallstudien bestätigen, dass die von Fahrzeugherstellern und -betreibern eingeleiteten Maßnahmen zu einer deutlichen Entspannung bei der Unfallbeteiligung von Kleintransportern insgesamt und allem voran auf Autobahnen beigetragen haben.

Damit sind die Hersteller der Aufforderung gefolgt, Kleintransporter sicherer zu machen und die Fahrzeuge im Segment zwischen 2,8 und 3,5 t konsequent mit den neuesten Sicherheitssystemen auszustatten. An zusätzlichen Fahrerassistenzsystemen (Spurhaltesystem, Abstandsregeltempomat) wird mit Hochdruck gearbeitet und deren technische Umsetzung forciert.

Ergänzend dazu greift eine Zertifizierung der Transporterfahrer, die eine verbesserte Schulung mit Sicherheitstraining, Ladungssicherung und Ausbildung dokumentiert. Durch die kombinierte Zertifizierung von Fahrzeug und Fahrzeugführer wird die Sicherheit beim Betrieb von Transportern nachhaltig erhöht. Die im VDA vertretenen Kleintransporterhersteller werden diese Initiative kurzfristig weiter vorantreiben. Ziel ist es, die verfügbaren Sicherheitsmerkmale und die Fahrerassistenzsysteme für den Kunden attraktiver zu machen und auf diesem Weg die Verbaurate zu erhöhen.

Thomas Fabian
Thomas Fabian Leiter Abteilung Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten, Busse

Tel: +49 30 897842-370 Fax: +49 30 897842-600
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