Sicherheit und Standards

EU-Typgenehmigung

Die EU-Typgenehmigung für die Zertifizierung von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen soll auf Vorschlag der Europäischen Kommission grundlegend überarbeitet werden.

EU-Typgenehmigung

Klare gesetzliche Regeln gibt es nicht nur für Emissionen, Verbrauch und die anzuwendenden Messmethoden, sondern auch für die sogenannte Typprüfung von neuen Fahrzeugmodellen. Diesen Prozess muss jedes neue Fahrzeugmodell durchlaufen, bevor es auf den Markt kommt. In Europa ermittelt der Automobilhersteller dabei im aktuellen Prüfzyklus – derzeit noch im NEFZ, ab September 2017 im WLTP – an einem Prüffahrzeug Messwerte für Abgase und Verbrauch. Diese Daten werden von technischen Diensten unter der Kontrolle der nationalen Genehmigungsbehörde – in Deutschland das Kraftfahrt-Bundesamt – überprüft.

Bei der Typprüfung geht es indes nicht nur um die Abgas- und Verbrauchsmessung, sondern vor allem auch um Vorschriften zur Fahrzeugsicherheit. In dem gesamten Prozess wird daher überprüft, ob ein Fahrzeug alle geltenden EU-Bestimmungen für neue Modelle einhält. Erst auf der Grundlage dieser Prüfung erteilt die nationale Behörde die Zulassung, also die Typgenehmigung, die für die gesamte EU Gültigkeit hat. In der Produktion werden dann zusätzlich einzelne Fahrzeuge vom Band genommen und auf Einhaltung der Bestimmungen getestet. Die EU-Gesetzgebung sieht zudem eine Prüfung der in Betrieb befindlichen Fahrzeuge vor. Fahrzeuge im Feld müssen die ermittelten Grenzwerte für eine Laufleistung von 160.000 Kilometern bzw. eine Dauer von fünf Jahren einhalten. Stellt die Typgenehmigungsbehörde fest, dass ein Fahrzeugtyp die Anforderungen nicht erfüllt, muss der Fahrzeughersteller Maßnahmen zur Beseitigung der Mängel ausarbeiten. Gegebenenfalls muss eine Rückrufaktion erfolgen.

Eine kontinuierliche Überprüfung des Abgassystems passiert auch im Fahrzeug selbst. Die Motorelektronik überwacht durch eine On-Board-Diagnose (OBD) fortlaufend die Funktionstüchtigkeit – und dies ohne Kilometer- oder Altersbegrenzung. Tritt ein Defekt im Abgassystem auf, so wird dies durch Sensoranalytik und komplexe Fehlererkennungsalgorithmen erkannt und gespeichert, und der Fahrer wird vom Fahrzeug zum Werkstattbesuch aufgefordert. Die OBD ist damit deutlich leistungsfähiger als die regelmäßige Abgasuntersuchung, die nur alle zwei Jahre stattfindet und dabei nur lastfreie Messungen ermöglicht.

Die Europäische Union hat eine umfassende Reform des EU-Typgenehmigungssystems veröffentlicht. Nach der Einführung der RDE-Emissionstests sollen dabei künftig auch die Ergebnisse der mobilen PEMS-Messungen in die Typprüfung eingehen. Darüber hinaus will die EU die Handhabung der Typprüfung europaweit noch mehr harmonisieren und die Marktüberwachung stärken.

Die Europäische Union will damit die Handhabung der Typprüfung noch mehr harmonisieren und die Marktüberwachung stärken. Typgenehmigungsbehörden und die technischen Dienste sollen dazu strengere Anforderungen erfüllen und sich Kontrollen oder Audits unterziehen müssen. Auf europäischer Ebene will die EU-Kommission selbst eine Marktüberwachung etablieren. Gleichzeitig sollen nationale Genehmigungsbehörden die Möglichkeit bekommen, Nachprüfungen einzuleiten, wenn Verdacht auf falsche Angaben eines Herstellers besteht. Die Typgenehmigung für das Gesamtfahrzeug wird darüber hinaus auf fünf Jahre begrenzt werden, wenn kein Nachtrag zur Genehmigung erfolgt. Für Nutzfahrzeuge und Anhänger ist die Frist bei 7 Jahren begrenzt, wenn kein Nachtrag erfolgt. Vorgesehen ist schließlich, dass die Software in elektronischen Systemen den Genehmigungsbehörden und technischen Diensten offengelegt wird. So sollen insbesondere Manipulationen unterbunden werden. Aus Sicht des VDA muss dabei zwingend sichergestellt sein, dass solche Software streng vertraulich geprüft und behandelt wird.

Deutlich verbessert wird der Umgang mit Einzelgenehmigungen, stufenweiser Fertigung von Nutzfahrzeugen und auslaufenden Serien: Hier waren bisher jeweils nationale Genehmigungen notwendig – sie sollen künftig EU-weit gelten.

Internationales Typgenehmigungssystem

Neben der Reform europäischen Typgenehmigung gibt es auch Bestrebungen, ein internationales Typgenehmigungssystem zu etablieren. An einem solches Regelwerk wird im Rahmen der UNECE von Experten aus Europa, Japan und Russland entwickelt. Es handelt sich dabei um die sogenannte internationale Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung (International Whole Vehicle Type Approval, IWVTA). Diese notwendige  UNECE wurde mittlerweile im Mai 2018 im Amtsblatt der EU veröffentlicht.

Uwe Toppel Referent - Abteilung Technik
Behrenstraße 35
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