Sicherheit und Standards

Vorwettbewerbliche Standardisierung

Im Rahmen der Arbeiten im VDA-Werkstoffausschuss, seinen aktuell zehn zugeordneten Arbeitskreisen und mehr als 30 Projektgruppen, entsteht jährlich eine Vielzahl von VDA-Empfehlungen für die vorwettbewerbliche Standardisierung.

Vorwettbewerbliche Standardisierung als Erfolgsbaustein

Im Rahmen der Arbeiten im VDA-Werkstoffausschuss, seinen aktuell zehn zugeordneten Arbeitskreisen und mehr als 30 Projektgruppen, entsteht jährlich eine Vielzahl von VDA-Empfehlungen für die vorwettbewerbliche Standardisierung. Ziel dieser VDA-Empfehlungen ist es, durch freiwillige Vereinheitlichungen Lastenhefte, Prüfprozeduren, Datenformate, Material- und Bauteileigenschaften oder Materialverträglichkeiten zu standardisieren. In der VDA-Projektgruppe Farbmessung werden seit mehr als zehn Jahren Empfehlungen zur Farbmessung an verschiedensten Oberflächen im Fahrzeug erstellt. Inzwischen wurde der achte Teil der VDA-Empfehlung 280 fertiggestellt, der beim VDA erhältlich ist.

Die VDA 280 Teil 8 befasst sich mit der visuellen Farbabmusterung und Farbbeurteilung, Abmusterungseinrichtungen für den Fahrzeuginnenraum sowie der Beleuchtung zur Abmusterung von effektlackierten Karosserien oder Karosserieteilen. Der Einsatz von Farbmessgeräten zur messtechnischen Erfassung von Farbunterschieden bei Fahrzeuglackierungen sowohl im Außenbereich als auch im Fahrzeuginnenraum ist in der Automobilindustrie seit etwa 15 Jahren etabliert. Die VDA-Projektgruppe Farbmessung hat den Fortschritt der instrumentellen Farbqualitätskontrolle mit zahlreichen VDA-Empfehlungen begleitet und damit zu vergleichbaren Messergebnissen in Korrelation zum visuellen Eindruck beigetragen. Die VDA-Projektgruppe konnte dabei auf die Expertise hochkarätiger Fachleute auf dem Gebiet der Farbmetrik zurückgreifen.

Die Beschreibung der immer vielfältiger werdenden Farbeffekte bei den Außenlackierungen führte zu immer komplexeren Messgeometrien, die vorrangig bei der ASTM (American Society for Testing Materials) entwickelt wurden. Es zeigte sich, dass die bisher etablierten visuellen Abmusterungspraktiken nur dann mit den Ergebnissen der Farbmessung korrelierten, wenn bei der visuellen Farbabmusterung analoge Messgeometrien unter konstanten Umgebungsbedingungen eingehalten wurden. Es erwies sich auch als dringend notwendig, neben der Festlegung der Abmusterungsbedingungen einen einheitlichen Sprachgebrauch für die Beschreibung von Farbunterschieden zu definieren. In Lichtstudios können Farbunterschiede unter definierten Bedingungen mit künstlichem Tageslicht zu jeder Tageszeit reproduzierbar beurteilt werden. Die notwendige Reproduzierbarkeit der Abmusterungsergebnisse stellt bestimmte Anforderungen an die Ausführung dieser Lichtstudios und an die Vorgehensweise bei der visuellen Abmusterung selbst. Das schließt auch Kontrollmechanismen insbesondere für die eingesetzten Leuchten ein.

Die visuelle Beurteilung erfolgt vorzugsweise unter künstlichem Tageslicht der Normlichtart D65 in farbneutraler Umgebung in einer Beobachtungsgeometrie, die der Messgeometrie (Beleuchtungswinkel von 45 Grad, verschiedene Beobachtungswinkel) entspricht. Andere Lichtarten wie A oder F11 sind möglich und ermöglichen die Beurteilung weiterer Effekte. Diese Entwicklungen machten es notwendig, dass sich die VDA-Projektgruppe Farbmessung seit 2009 mit den Anforderungen an visuelle Farbbewertungen und Farbabmusterungen beschäftigt hat. 2014 erfolgte die Freigabe der VDA-Empfehlung 280 Teil 8, die aus drei Teilen besteht (jeweils in einer deutschen und englischen Version). Diese VDA-Empfehlung bezieht ausdrücklich die visuelle Beurteilung aller dekorativen sichtbaren Flächen im Innen- und Außenbereich des Fahrzeugs ein.

In VDA 280 Teil 8 A werden Ziel und Zweck sowie der Anwendungsbereich dieser Empfehlung aufgezeigt. Es erfolgt eine Definition aller bei der visuellen Beurteilung verwendeten Begriffe. Es werden die Durchführung der visuellen Beurteilung selbst und die Anforderungen daran, die Grenzen der Genauigkeit der Beurteilungsergebnisse und die Dokumentation notwendiger Daten beschrieben.

VDA 280 Teil 8 B konkretisiert die Abmusterungsbedingungen für dekorative sichtbare Flächen im Innenraum des Fahrzeugs. Es werden Angaben zur Beleuchtung bezüglich Lichtart und Ausleuchtung insbesondere unter Berücksichtigung der Verwendung unterschiedlicher Materialien im Innenraum des Fahrzeuges gemacht. Aufgrund der besonderen Reflexionsverhältnisse ist sowohl eine diffuse als auch eine teildiffuse Beleuchtung notwendig. Bei der Beurteilung ist die Sicht des Kunden nachzustellen. Er werden Angaben gemacht, wie und unter welchen Bedingungen im Fahrzeug verbaute Oberflächen wie auch separate Einzelteile und Prüfmuster zu beurteilen sind. Es wird darauf hingewiesen, dass die übliche Praxis der „Probenkippung“ eine Veränderung sämtlicher Winkelgeometrien (Beleuchtungs- und Beobachtungswinkel) zur Folge hat und nicht mehr mit den Messgeometrien bei der Farbmessung übereinstimmt. Die Anforderungen an die Leuchten werden aufgezeigt.

VDA 280 Teil 8 C präzisiert die Anforderungen an und Bedingungen für die visuelle Abmusterung von effektlackierten Oberflächen an Fahrzeugen. Eindeutig werden die verschiedenen Beobachtungswinkel und der Zusammenhang zu den Messwinkeln beschrieben, um Missverständnisse im Sprachgebrauch zu vermeiden. Die Anforderungen an die Leuchte bezüglich Lichtart und Art und Weise der Abstrahlung und die Überprüfung der Leuchte sowie die Anforderungen an Proben und Prüfumfeld werden aufgezeigt. Vorzugsweise erfolgt die visuelle Farbabmusterung bei einem festen Beleuchtungswinkel von 45 Grad und unterschiedlichen Beobachtungswinkeln. Es ist aber auch die Methode konstanter Beobachtungswinkel bei Variation der Beleuchtungswinkel möglich. Es sollen dabei jedoch immer die Relationen der Winkel zueinander eingehalten werden. Es ist unbedingt eine gleichzeitige Variation von sowohl Beleuchtungs- als auch Beobachtungswinkel zu vermeiden.

Aus Gründen der Reproduzierbarkeit, Vergleichbarkeit und Unabhängigkeit vom natürlichen Tageslicht sollten visuelle Farbabmusterungen in Lichtkabinen mit künstlichem Tageslicht D65 unter standardisierten Bedingungen erfolgen. Es werden verschiedene Lichtkabinen vorgestellt, die auf die Größe der Probe wie zum Beispiel Musterblech, Anbauteil oder Gesamtfahrzeug abgestimmt sind. Es wird die Methode zur Bewertung des Glitzereffekts beschrieben. Die Kriterien zur Bewertung, die Bewertungsskala und zu dokumentierende Angaben werden aufgeführt. Im Anhang sind verschiedene Ausführungen von Lichtkabinen und Geräten zur visuellen Bewertung dargestellt.

Unabhängig von der gewählten Ausführungsvariante zur visuellen Bewertung der Farbe und Effekte von effektlackierten Oberflächen am Fahrzeug sollten zur Vergleichbarkeit der Ergebnisse der visuellen Farbabmusterung mit der Farbmessung analoge Abmusterungsgeometrien verwendet werden. Eine Abmusterung in Lichtkabinen unter standardisierten Bedingungen mit künstlichem Tageslicht ist der Abmusterung unter natürlichem Sonnenlicht vorzuziehen.

Sowohl die visuelle Farbabmusterung als auch die instrumentelle Farbmessung ist für die komplexe Beurteilung der dekorativen sichtbaren Oberflächen eines Fahrzeugs notwendig. Die Wahl der Beurteilungsmethode wird durch die Anforderungen an die zu beurteilende Oberfläche bestimmt und sollte die Vorzüge der jeweiligen Methode berücksichtigen. Um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse beider Methoden erreichen zu können, müssen möglichst exakt die Abmusterungsbedingungen, insbesondere die Abmusterungsgeometrien (Beleuchtungs- und Beobachtungswinkel/Messwinkel), vereinheitlicht, standardisiert und vereinbart werden. Die VDA 280 Teil 8 ist ein Leitfaden, in dem erstmalig Anforderungen, Bedingungen und Durchführung der visuellen Abmusterung von dekorativen sichtbaren Oberflächen am und im Fahrzeug vereinheitlicht werden. Unterschiedliche oder auch widersprüchliche Bewertungen, die unterschiedlichen Bewertungsmethoden geschuldet sind, können somit vermieden werden.

Die Praxis hat gezeigt, dass bei Einsatz von komplexen Messgeometrien nur dann eine Übereinstimmung der Messwerte mit dem visuellen Eindruck erzielt werden kann, wenn die in dieser VDA-Empfehlung definierten Abmusterungsbedingungen eingehalten werden.

VDA 280 8 Teil A Visuelle Abmusterung und Farbbeurteilung-Allgemeiner Teil

Die Beurteilung von Farbunterschieden und Farbeffekten bei allen dekorativen sichtbaren Oberflächen im und am Fahrzeug

  • Uni-/Effektlackierungen
  • Strukturierte/Texturierte Oberflächen
  • Textilien

VDA 280 8 Teil B Abmusterungsbedingungen für den Innenraum

Die Beurteilung von Farbunterschieden an:

  • Formteilen, bei denen die Oberfläche von hochglänzend über seidenglänzend bis matt erscheint
  • Formteilen mit einer strukturierten und/oder textilen Oberfläche
  • Unifarben (Effektfarben siehe Abschnitt C)

Beobachtungsgeometrie für farbfloppende winkelabhängige Farben. VDA 280 8 Teil C Abmusterung von effektlackierten Karosserien oder Karosserieteilen

Beispiele für den standardisierten einheitlichen Sprachgebrauch zur Beschreibung von Farbabweichungen. Die Kriterien zur Farbbeurteilung sind der Farbmetrik entnommen. Für jeden Winkel sind folgende Kriterien anzuwenden:

  • Helligkeit

Heller: Die Probe ist heller gegenüber der Referenz.
Dunkler: Die Probe ist dunkler gegenüber der Referenz.

  • Buntheit

Bunter: Die Probe ist bunter gegenüber der Referenz.
Unbunter: Die Probe ist unbunter gegenüber der Referenz.

  • Farbrichtung

Rot: Die Probe ist roter gegenüber der Referenz.
Grün: Die Probe ist grüner gegenüber der Referenz.
Blau: Die Probe ist blauer gegenüber der Referenz.
Gelb: Die Probe ist gelber gegenüber der Referenz.

  • Glanz

Glänzender: Die Probe ist glänzender als der Bezug.
Matter: Die Probe ist matter als der Bezug.

  • Narbung/Struktur der Oberfläche

Gröber: Die Narbung/Struktur der Probe ist gröber als der Bezug.
Feiner: Die Narbung/Struktur der Probe ist feiner als der Bezug.

Ortsabhängige Effektausprägungen sind wie folgt zu beschreiben:

  • Glitzer (Sparkle)

Die Beurteilung ist sowohl flächen- als auch intensitätsbezogen durchzuführen.

  • Glitzerintensität

Mehr: Die Probe glitzert intensiver als der Bezug.
Weniger: Die Probe glitzert weniger intensiv als der Bezug.

  • Glitzerfläche

Mehr: Die Probe glitzert mehr als der Bezug.
Weniger: Die Probe glitzert weniger als der Bezug.

  • Körnigkeit (Graininess)

Gröber: Die Körnigkeit der Probe ist gröber und dichter als der Bezug.
Feiner: Die Körnigkeit der Probe ist feiner als der Bezug.

Hans-Thomas Ebner
Hans-Thomas Ebner Leiter Abteilung Technik

Tel: +49 30 897842-280 Fax: +49 30 897842-600
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