Umwelt und Klima

WLTP – weltweit am Start für realitätsnähere Ergebnisse beim Kraftstoffverbrauch

Fragen und Antworten rund um das neue internationale Testverfahren: Um zu messen, wie viel Kraftstoff ein Auto verbraucht und ob es die Abgasgrenzwerte einhält, schreibt der Gesetzgeber genormte Prüfverfahren vor. Für die Typzulassung neuer Pkw gilt EU-weit ab dem 1. September 2017 das neue Testverfahren „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP) in Nachfolge des seit 1992 gültigen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Es umfasst sowohl ein neues Fahrprofil auf Prüfständen als auch präzisere und aktuellere Rahmenbedingungen des gesamten Tests und soll somit zu realitätsnäheren Verbrauchsangaben führen, als dies beim bisherigen Messverfahren der Fall war. Welche Konsequenzen hat die Umstellung? Sieben Fragen, sieben Antworten.

Wieso ein neues Testverfahren?

Angaben zu Verbrauch, bzw. Reichweite sollen auf Basis eines objektiven und reproduzierbaren Testverfahrens ermittelt werden, das unter genau definierten Laborbedingungen eine Vergleichbarkeit verschiedener Modelle schafft und möglichst repräsentativ für das aktuell übliche Fahrverhalten von Menschen im Straßenverkehr ist. Diesem Anspruch wird das bislang in Europa verwendete Verfahren NEFZ nicht mehr gerecht – es war in den 90er Jahren vorrangig für die Messung von Schadstoffemissionen als theoretische Messfahrt entwickelt worden. Der neue WLTP demgegenüber basiert auf empirisch erhobenen realen Fahrdaten von Routen in Asien, Europa und den USA und ist dadurch deutlich repräsentativer.

Die Einhaltung von Abgasgrenzwerten ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Typgenehmigungen für neue Fahrzeuge erteilt werden, in Deutschland ausschließlich vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Der Kraftstoffverbrauch stellt mit dem parallel dazu ermittelten CO2-Wert für den Kunden ein wesentliches Kriterium für die Kaufentscheidung dar, ist in vielen Ländern die Grundlage für die Kfz-Besteuerung und wird seit einigen Jahren auch für das staatliche Monitoring der klimaschädlichen CO2-Emissionen genutzt.

Gleiche Bedingungen für alle Anbieter herzustellen, ist Aufgabe des Gesetzgebers – er bestimmt die Spielregeln, die von allen Marktteilnehmern einzuhalten sind, damit Kunden Verbrauch und Emissionen unterschiedlicher Fahrzeuge vergleichen können. Um unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einen freien Warenverkehr zu ermöglichen, werden die Regeln für Abgas- und Verbrauchsmessungen seit 1970 auf europäischer Ebene erstellt. EU-weit festgelegt sind sowohl der Testzyklus – also das zur Prüfung verwendete Fahrprofil – als auch die Rahmenbedingungen, unter denen die Tests durchgeführt werden.

Das bislang in der Europäischen Union verwendete Testverfahren basierte auf dem sogenannten „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ (NEFZ). Neu war er bei seinem Inkrafttreten im Jahr 1992, als der Zyklus über den bisherigen Testfokus Stadtverkehr hinaus erweitert wurde. Als Zweck stand seinerzeit die Messung von Schadstoffemissionen im Vordergrund. Für die Ermittlung der CO2-Emissionen und damit des Kraftstoffverbrauches war der NEFZ ursprünglich nicht entwickelt worden. Ein paar Jahre später wurde er für diese Messziele gemäß den damaligen Testmöglichkeiten erweitert, verblieb jedoch seit den 90er Jahren verglichen mit den parallelen Entwicklungen bei Automobiltechnik, Fahrmöglichkeiten und Laborbedingungen insgesamt auf einem eher niedrigen Level an Dynamik und individuell repräsentativer Aussagekraft.

Um für Verbraucher modernere, sprich realitätsnähere Verbrauchsangaben als bisher zu liefern, wurde im Auftrag des UN-Gremiums „World Forum for Harmonization of Vehicle Regulations“ das neue Testverfahren entwickelt, zentral darin ist der neue Fahrzyklus, WLTC abgekürzt (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Cycle). Er basiert erstmals auf realen Fahrdaten aus insgesamt drei Kontinenten (Asien, Europa, USA) und 12 Ländern. Die dafür notwendigen Messfahrten umfassten insgesamt 750.000 Kilometer, die in Metropolen von Schwellenländern wie Indien ebenso durchgeführt wurden wie auf Autobahnfahrten in Europa und den USA. In einem mehrjährigen Analyse- und Diskussionsprozess erstellte das UN-Forum aus dem Datenpool den neuen Fahrzyklus und entwickelte hierzu eine komplett neue Testprozedur, die „Worldwide Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP), welche international Gültigkeit haben wird – mit geringen regionalen Anpassungen auf Grund verschiedener Klimazonen der UN-Mitgliedsstaaten. So hat zum Beispiel der europäische Gesetzgeber die vom UN-Gremium festgelegte Testtemperatur von 23 Grad Celsius ergänzt um einen Zusatztest bei 14 Grad Celsius, um die durchschnittliche Temperatur in Europa mit abzubilden.

Nun steht der WLTP unmittelbar vor der Einführung: In Europa ist er ab dem 1. September 2017 die verpflichtende Grundlage für die Typgenehmigung neuer Pkw und leichter Nutzfahrzeuge. Ab dem 1. September 2018 müssen in Europa für alle neu zugelassenen Pkw und leichte Nutzfahrzeug-Modelle im WLTP gemessene Abgas- und Verbrauchswerte vorliegen. Für größere leichte Nutzfahrzeuge gilt die Regelung ein Jahr später.

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