Umwelt und Klima

Biokraftstoffe und Nachhaltigkeit

Biokraftstoffe sind für eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität unverzichtbar. Sie machen ein Land unabhängiger von fossilen Kraftstoffen und helfen, CO₂ einzusparen.

Seit 1. Januar 2015 gelten für die Biokraftstoff- und Mineralölindustrie grundlegend neue Regeln. Das bisher in Deutschland geltende Fördersystem für Biokraftstoffe wird vollständig neu ausgerichtet. Durch die neue Klimaschutz- oder Treibhausgasquote ist die Mineralölindustrie nun gesetzlich dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen um 3,5 Prozent zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Mineralölunternehmen Biokraftstoffe ein. Durch Biodiesel und Bioethanol werden deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen als durch fossile Kraftstoffe. Die Beimischung von Biokraftstoffen zum herkömmlichen Kraftstoff führt also zur sofortigen Minderung des CO2-Ausstoßes im gesamten Fahrzeugbestand.

Seit Langem wird eine Diskussion um die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen geführt. Die Biokraftstoffe unterliegen in der europäischen und deutschen Gesetzgebung strengen Vorgaben. Übrigens: Weder für Nahrungsmittel noch für Vorstoffe für Kosmetika gibt es vergleichbare Vorschriften. Aus Sicht des VDA müssten diese Standards aber auf alle Bereiche übertragen werden. Die deutsche „Initiative Nachhaltige Rohstoffbereitstellung für die stoffliche Biomassenutzung“ (INRO) ist ein gutes Beispiel, wie Branchen, die biogene Vorstoffe nutzen, Nachhaltigkeitskriterien beachten.

Die EU plant, die Richtlinien zu Biokraftstoffen zu ändern. Dies würde zu einer Benachteiligung der im Markt etablierten Biokraftstoffe führen. Die Europäische Kommission beabsichtigt noch immer, die „indirekten Landnutzungsänderungen“ (iLUC) bei der CO2-Anrechnung zu berücksichtigen. Hinter iLUC steht die Annahme, dass eine bisher für den Anbau von Nahrungsmitteln oder anderen biogenen Vorstoffen benutzte Fläche nun mit Pflanzen für die Biokraftstoffgewinnung bebaut wird. Die dort vorher kultivierte Ackerfrucht wird, so eine weitere Annahme, auf einem anderen Stück Land gezogen, das vorher Brachland oder Waldfläche war. Die durch die Nutzung dieser neuen Fläche entstehenden CO2-Emissionen werden nicht den dort wachsenden Pflanzen angerechnet, sondern den Biokraftstoffen auf dem ursprünglichen Feld. Dabei wird deutlich, dass Annahmen getroffen werden, die einer wissenschaftlichen Belastbarkeit und Übereinstimmung mit internationalen Standards nicht genügen. Sie sollten daher nicht als Basis für politische Entscheidungen dienen.

Die deutsche Automobilindustrie befürwortet den Einsatz von Biokraftstoffen der nächsten Generation. Biokraftstoffe werden aus biologischen Reststoffen wie Altholz, Stroh oder anderen Abfällen hergestellt. In Deutschland werden keine Nahrungsmittel für die Produktion von Biokraftstoffen eingesetzt. Der Anteil an der weltweiten Ackerfläche, auf dem Energiepflanzen angebaut werden, liegt im einstelligen Prozentbereich und nur etwa 6 Prozent der Weltgetreideernte gehen in die Produktion von Biokraftstoffen. Damit wird deutlich, dass Preissteigerungen und Verknappung nicht durch Biokraftstoffe verursacht werden können.

Dr. Stefan  Wöhrl
Dr. Stefan Wöhrl Leiter Abteilung Umweltpolitik und technischer Umweltschutz

Tel: +49 30 897842-300 Fax: +49 30 897842-600
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