] Klimaschutzpolitik für schwere Nutzfahrzeuge - VDA
Umwelt und Klima

CO2-Reduzierung bei schweren Nutzfahrzeugen

Schwere Nutzfahrzeuge sind für den Waren- und Güterverkehr in Deutschland und Europa unverzichtbar. Mit mehr als 480 Mrd. Tonnenkilometern übernehmen sie rund 74 Prozent der Verkehrsleistung im Gütertransport in Deutschland.

Klimaschutzpolitik für schwere Nutzfahrzeuge

Zugleich sind schwere Nutzfahrzeuge für lediglich rund 5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Europa verantwortlich, wozu vor allem die Segmente Fernverkehr und regionaler Verteilerverkehr rund zwei Drittel beitragen. Mit zahlreichen technologischen Innovationen ist es den Fahrzeugherstellern gelungen, den Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen von Nutzfahrzeugen in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zu reduzieren. So sind die Verbräuche schwerer Nutzfahrzeuge seit Jahren allein durch die Marktkräfte um rund 1 Prozent pro Jahr zurückgegangen – ohne jegliche gesetzliche Regulierung der CO2-Emissionen.

Eine Regulierung der CO2-Emissionen schwerer Nutzfahrzeuge muss daher unter den spezifischen Rahmenbedingungen des Marktes gesehen werden. Schwere Nutzfahrzeuge werden ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eingesetzt. Mit einem Anteil von ca. 30 Prozent bilden die Kraftstoffkosten häufig den größten Einzelposten in der Kostenstruktur eines Transporteurs. Das bedeutet: Die Betreiber von Lkw haben selbst das größte Interesse an einem niedrigen Kraftstoffverbrauch. Sie üben damit einen erheblichen marktwirtschaftlichen Druck auf die Hersteller aus, die Kraftstoffverbräuche der Fahrzeuge und damit die CO2-Emissionen zu reduzieren. Nutzfahrzeuge werden zudem in außerordentlich großer Variantenvielfalt betrieben, vom Fernverkehr über den regionalen und städtischen Verteilerverkehr bis hin zu Reise- und Stadtbussen oder Baufahrzeugen. Je nach Einsatzzweck bestehen erhebliche Unterschiede beim Kraftstoffverbrauch. So können die gleichen Fahrzeuge, im Fernverkehr eingesetzt, nur rund 1,5 Liter je 100 Tonnenkilometer verbrauchen, aber rund 5 Liter je 100 Tonnenkilometer im städtischen Verteilerverkehr.

Kaum ein Nutzfahrzeug läuft fertig vom Band. Stattdessen komplettieren Anhänger- und Aufbautenhersteller die Fahrzeuge, ohne dass die Fahrzeughersteller davon im Einzelfall Kenntnis haben. Zugleich haben die Aufbauten und Anhänger mit Blick auf Gewicht, Aerodynamik etc. erheblichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge. Schließlich existiert im Gegensatz zu Pkw bisher kein allgemein verbindlicher Testzyklus für schwere Nutzfahrzeuge, sodass es auch keine auf anerkannte Weise ermittelten Angaben zu Kraftstoffverbräuchen bzw. CO2-Emissionen gibt.

Vor diesem Hintergrund hat die EU-Kommission bereits vor mehreren Jahren entschieden, zunächst eine gemeinsame und vergleichbare Ausgangsbasis zu schaffen, mit der Klarheit über Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen geschaffen werden soll. Mithilfe des Simulationsprogramms VECTO (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool) werden Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen und -kombinationen ab 2019 realitätsnah und zertifizierungsfähig bestimmt. Mit VECTO lassen sich gesamte Fahrzeuge bzw. Fahrzeugkombinationen mit Anhängern und Aufbauten betrachten. Außerdem können verschiedene fahrzeugtechnische Parameter und ihr Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch analysiert werden. Damit wird die Transparenz in Bezug auf den Kraftstoffverbrauch für die Betreiber von Nutzfahrzeugen noch einmal deutlich erhöht. Zugleich steigt damit der Wettbewerbsdruck zwischen den Fahrzeugherstellern, den Kraftstoffverbrauch weiter zu reduzieren.

CO2-Emissionen von Nutzfahrzeugen, die mit VECTO ermittelt werden, werden ab 2019 erfasst und überwacht. Auf dieser Basis sollen nach dem Willen der EU-Kommission Ziele zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen festgelegt werden. Dabei sollten die langen Investitions- und Technologiezyklen der Nutzfahrzeugbranche und die hohe Kostensensibilität der Transportunternehmen berücksichtigt werden. Kraftvolle Anreize können beispielsweise über die Differenzierung der Lkw-Maut nach CO2-Emissionen gesetzt werden. Für eine wirksame Minderung der CO2-Emissionen ist eine Fokussierung auf neu zugelassene Fahrzeuge aber nicht ausreichend. Vor allem muss es im Rahmen eines integrierten Ansatzes darum gehen, alle Potenziale zur CO2-Minderung im Straßengüterverkehr zu nutzen. Das reicht von fahrzeugtechnischen Maßnahmen über erneuerbare Kraftstoffe bis hin zum optimierten Betrieb der Fahrzeuge. Alle europäischen Nutzfahrzeughersteller, ihre Zulieferer und Systempartner sowie viele weitere Stakeholder haben sich dazu bekannt.

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