Umwelt und Klima

CO₂-Regulierung bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen

Seit einigen Jahren gelten offizielle CO₂-Grenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Die EU-Verordnung (EC 443/2009) hat einen offiziellen CO₂-Grenzwert für Pkw in Höhe von 130 g/km CO₂ für das Jahr 2012 mit einer sukzessiven Einphasung bis 2015 festgelegt.

CO₂-Regulierung bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in Europa

Seit einigen Jahren gelten offizielle CO₂-Grenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Die EU-Verordnung (EC 443/2009) hat einen offiziellen CO₂-Grenzwert für Pkw in Höhe von 130 g/km CO₂ für das Jahr 2012 mit einer sukzessiven Einphasung bis 2015 festgelegt. Ab dem Jahr 2020/2021 darf die europäische Pkw-Flotte 95 g/km nicht überschreiten. Analog zum Pkw-Bereich wurden CO2-Grenzwerte für leichte Nutzfahrzeuge (sogenannte Transporter bis 3,5 Tonnen) beschlossen. Hier sieht die EU-Verordnung (EU Nr. 510/2011) einen offiziellen CO₂-Grenzwert in Höhe von 175 g/km CO₂ ab 2014 vor. Ab dem Jahr 2020 darf die europäische Transporterflotte 147 g/km nicht überschreiten.

Die verabschiedeten CO₂-Regulierungen stellen eine erhebliche Herausforderung für die Automobilindustrie dar. So erfordert das Ziel von 95 g/km CO₂ für Pkw in 2020 beispielsweise eine Reduzierung von 35 Gramm in nur fünf Jahren (2015 bis 2020). Das macht pro Jahr eine Einsparung von durchschnittlich 7 Gramm nötig. Diese Zielmarke ist nur zu erreichen, wenn die Hersteller massiv in neue Technologien investieren und verstärkt alternativ angetriebene Modelle verkaufen.

Wirksame Grenzwerte sollten fordern, aber nicht überfordern. Kostenintensive Alleingänge der EU sind zur Sicherstellung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit allerdings kontraproduktiv. Vergleicht man nämlich die Grenzwerte für Pkw im internationalen Kontext, so zeigt sich sehr deutlich, dass die EU die weltweit ambitioniertesten Flottenziele hat: In den USA sind bis 2020 nur 121 g/km CO₂ vorgeschrieben, in China 117 g und in Japan 105 g.

Regulatorisch folgen die CO₂-Regulierungen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge den gleichen Grundprinzipien. Bei Nichteinhaltung der Grenzwerte sind Strafzahlungen je nach Zielverfehlung fällig. Die zentralen Elemente der jeweiligen Regulierungen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sind überblicksartig der Übersicht auf Seite 77 zu entnehmen.

Wichtig ist, dass die europäische Messlatte für Pkw von beispielsweise 130 g/km CO₂ für 2015 nicht für einzelne Fahrzeugmodelle gilt, sondern sich auf den gesamten europäischen Flottendurchschnitt bezieht. Den einzelnen Herstellern werden also nicht allgemeingültige Absolutwerte vorgeschrieben, sondern firmenspezifische CO₂-Ziele, die sich anhand der in der Abbildung auf Seite 75 dargestellten Formel berechnen. Hierzu wird für jedes in Europa neu zugelassene Fahrzeug der erlaubte CO₂-Wert basierend auf dem jeweiligen Fahrzeuggewicht berechnet. Auf Basis dieser Fahrzeugwerte können die Hersteller dann den Durchschnittswert ihrer Flotten bestimmen. Mit anderen Worten: Nicht jeder einzelne Hersteller muss den europäischen Flottenwert in Höhe von 130 g/km CO₂ einhalten. Ein solches Vorgehen käme einem europäischen Einheitswert gleich und würde die unterschiedliche Segmentstruktur des jeweiligen Herstellers außer Acht lassen. Stattdessen bekommt jeder Hersteller entsprechend seinen verkauften Produkten einen herstellerspezifischen Wert zugewiesen. Im Durchschnitt aller Hersteller, die in der EU Neuwagen verkaufen, wird „der“ europäische Flottenwert erreicht.

Durch die von der EU-Kommission gewählte Berechnungsgrundlage ist gewährleistet, dass Hersteller größerer Pkw, deren Fahrzeuge absolut gesehen naturgemäß mehr CO₂-Emissionen verursachen, gegenüber Produzenten kleinerer Fahrzeuge nicht systematisch benachteiligt werden, wie das bei einem „Einheitswert“ der Fall wäre. Dennoch wird von den Herstellern größerer Pkw im Ergebnis mehr verlangt als von ihren Wettbewerbern. Das liegt daran, dass die Regulierung größeren Pkw zwar grundsätzlich mehr Spritverbrauch zugesteht, aber von ihnen gleichzeitig eine höhere Reduktionsleistung abfordert.

Um das Pkw-CO₂-Ziel für 2020 bzw. unter Berücksichtigung des Phasing-in bis 2021 zu erreichen, müssen die Hersteller den Antriebsstrang vieler ihrer Fahrzeuge teilweise oder vollständig elektrifizieren. Anreize für einen schnellen Markthochlauf von Elektrofahrzeugen sind deshalb elementar. Mittels sogenannter „Super-Credits“ werden besonders sparsame Fahrzeuge mehrfach angerechnet und für ihre außergewöhnlich gute Klimabilanz belohnt. So geht beispielsweise ein im Jahr 2020 zugelassener Pkw unter 50 g/km CO₂ nicht einfach in die CO₂-Flottenbilanzrechnung ein, sondern wird zweifach gewertet.

Ein ähnliches Anreizpotenzial soll von den sogenannten Öko-Innovationen ausgehen. Wenn die Effizienzreserven des Motors zunehmend erschöpft sind, muss das Fahrzeug umso mehr als Gesamtsystem betrachtet werden. Es geht dabei um solche Technologien, die sich nicht bei der Verbrauchsmessung im offiziellen Messverfahren (NEFZ) abbilden lassen: etwa Solardächer zur Innenraumkühlung oder die Umwandlung von Abwärme in elektrische Energie. Solche Systeme können den Energieverbrauch im Auto und damit den Verbrauch spürbar senken. Leider hat die EU-Kommission die Anerkennung der Öko-Innovationen auf die CO2-Bilanz bislang sehr restriktiv und bürokratisch gehandhabt. Hier gilt es, gemeinsam daran zu arbeiten, in absehbarer Zeit eine stärkere Entbürokratisierung der Genehmigungsvorschriften für solche Technologien zu erzielen.

Als Ergebnis der vielen Aktivitäten hat die Verbrauchsreduzierung in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Betrachtet man etwa die Pkw-Neuzulassungen in der EU über die letzten Jahre, so ist zu erkennen, dass die 130-Gramm-Marke (gemessen in Gramm pro Kilometer) 2013 erstmals unterschritten wurde.

Allerdings kann diese Entwicklung nicht linear fortgeschrieben werden. Die „low-hanging fruits“, also technische Maßnahmen, die zeitnah und kosteneffizient implementiert werden können, sind nahezu ausgeschöpft.

Dennoch plant die EU-Kommission bereits heute, erste Ideen für die Zeit nach 2020 vorzulegen.

Dr. Martin Koers
Dr. Martin Koers Leiter Abteilung Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik

Tel: +49 30 897842-350  
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