Umwelt und Klima

Quo Vadis Diesel?

11 Fragen und Antworten zur Dieseltechnologie

Setzt die deutsche Automobilindustrie auf den Diesel, weil sie die Elektromobilität verschlafen hat?

Der häufig formulierte Vorwurf lautet: Die deutsche Automobilindustrie habe bei der Elektromobilität geschlafen und halte deshalb am Diesel fest. Die Realität sieht anders aus. Effiziente Verbrennungsmotoren werden zwar noch auf Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen. Hersteller und Zulieferer optimieren diese Antriebe daher weiter. Gleichzeitig werden alternative Antriebe ebenfalls immer wichtiger. Insgesamt investiert die deutsche Automobilindustrie bis zum Jahr 2020 rund 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe. Die Unternehmen treiben also die Elektromobilität massiv voran.

Das tun sie sehr erfolgreich: Schon heute sind deutsche Hersteller mit einem Marktanteil von 52 Prozent in Europa führend.

Beispiel Norwegen: Das Land gilt bei der Elektromobilität als Vorreiter. Mehr als jedes dritte neu zugelassene Auto wird von einem E-Motor angetrieben. Die deutschen Hersteller haben dort einen Elektro-Marktanteil von 60 Prozent (Jan-Aug. 2017). In Großbritannien sind es 50 Prozent, in Schweden 48 Prozent, und in Belgien stammen sogar drei von vier Elektro-Autos aus Deutschland. In der Bundesrepublik selbst beträgt der Marktanteil der heimischen E-Autobauer 63 Prozent. Deutsche Hersteller bieten vom Kleinstwagen bis zum Transporter bereits 30 verschiedene Pkw-Modelle mit Elektromotor an. Bis 2020 sollen es rund 100 verschiedene Typen sein.

Im Ranking der wichtigsten Hersteller landet Deutschland nach Erhebungen der Unternehmensberatung McKinsey auf Platz drei – knapp hinter China und Japan. Außerdem stammt weltweit fast jedes dritte Patent der Elektromobilität und des Hybridantriebs aus Deutschland stammt.

Klar ist allerdings auch: Trotz vieler Diskussionen ist die Elektromobilität noch immer eine Nische. Von ca. 80 Millionen Pkw-Neuzulassungen weltweit pro Jahr haben derzeit weniger als 1 Prozent einen Elektromotor. Wer den Markt künftig dominieren wird, kann heute also noch niemand seriös sagen.

Damit sich mehr Menschen für Elektroautos entscheiden, reicht ein vielfältiges Angebot der Hersteller allein nicht aus. Hinzukommen muss eine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Bund, Länder und Kommunen sollten den Ausbau von Lademöglichkeiten daher noch wesentlich stärker vorantreiben als bisher. Aber auch BMW, Daimler, Ford und der VW -Konzern mit den Marken Porsche und Audi übernehmen Verantwortung und haben ein gemeinsames Unternehmen für den Bau von Schnelladestationen gegründet.

Zunächst sind rund 400 Standorte entlang der Fernstraßen in Europa geplant. Bis 2020 sollen die Kunden an Tausenden von Hochleistungsladepunkten neue Energie tanken können. Das Ladenetz wird auf dem europäischen CCS-Standard basieren – mit einer Kapazität von bis zu 350 Kilowatt. Das ermöglicht sehr schnelle Ladevorgänge.

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