Umwelt und Klima

Quo Vadis, Diesel?

11 Fragen und Antworten zur Dieseltechnologie

Sind Lastwagen und Busse von der Dieselaffäre betroffen?

Lastwagen und Busse werden fast ausschließlich von Dieselmotoren angetrieben. Anders als Pkw sind Lkw und Busse jedoch nicht von der Dieselaffäre betroffen, denn sie müssen bereits seit 31. Dezember 2012 (neue Fahrzeugtypen) bzw. 31. Dezember 2013 (alle neu zugelassenen Fahrzeugtypen) die strenge Euro VI-Norm erfüllen, die sich von der für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge unterscheidet. Die Grenzwerte gelten hier nicht pro Kilometer wie bei Pkw, sondern pro Kilowatt Motorleistung.

Mit der Euro VI-Norm sind erhebliche Minderungen der Schadstoffemissionen nicht nur auf den Motorprüfständen, sondern vor allem im realen Fahrbetrieb verbunden. Lastwagen und Busse mit der neuesten Abgasnorm sind damit auch auf der Straße extrem sauber. Im Vergleich zur vorherigen EURO V-Norm liegen die erlaubten Partikelemissionen mit Euro VI um 66 Prozent und der NOx-Ausstoß um 80 Prozent niedriger. Seit der Einführung der Euro-Normen (1988) sind mit Euro VI die Schadstoffemissionen schwerer Nutzfahrzeuge insgesamt um 98 Prozent gesunken.

Um die strengen gesetzlichen Anforderungen zur Reduzierung der NOx-Emissionen zu erfüllen, setzen die Nutzfahrzeughersteller auf eine Kombination verschiedener Technologien: Abgasrückführung (AGR) mit der selektiven katalytischen Reduktion SCR (Harnstofflösung AdBlue) oder ausschließlich auf die SCR-Technologie. Anders als bislang bei Pkw wird die Einhaltung der Grenzwerte im realen Fahrbetrieb kontinuierlich kontrolliert. Dies geschieht über PEMS-Messungen (Portable Emission Measurement System). Über einen Zeitraum von bis zu 7 Jahren nach Inbetriebnahme und einer Laufleistung von bis zu 300.000 km (3,5 t-16 t zul. GG) bzw. 700.000 km (> 16 t zul. GG) müssen die Grenzwerte auf der Straße eingehalten werden. Dazu werden AdBlue-Tankinhalt, -Qualität, -Verbrauch sowie die NOx-Werte im Fahrbetrieb mit verschiedenen Sensoren überwacht. Weichen die kontinuierlichen Messungen der Abgasemissionen von den geforderten Soll-Werten ab, sind drei Warnstufen vorgesehen, die einen Weiterbetrieb von Fahrzeugen mit defekter Abgasreinigung unmöglich machen:

  1. Im ersten Schritt erfolgt eine visuelle Alarmanzeige über die gestörte Abgasreinigung.
  2. Sofern der Fehler nicht behoben wird, wird im nächsten Schritt das maximal verfügbare Motor-Drehmoment auf 75 Prozent – nach Zündung aus/ein – reduziert.
  3. Wird der Fehler auch nach der zweiten Warnstufe nicht behoben, wird das Fahrzeug zusätzlich in einen sogenannten „Kriechmodus“ mit 20 km/h Höchstgeschwindigkeit – nach Zündung aus/ ein – versetzt. Ein Weiterbetrieb ist damit bis zur erfolgreichen Reparatur der Abgasreinigung nicht möglich.

Unabhängige Untersuchungen zeigen, dass schwere Nutzfahrzeuge und Busse mit Euro VI den gesetzlichen Grenzwert auch im Straßentest deutlich unterschreiten.

Software-Updates oder Hardware-Umrüstungen sind bei Lastwagen und Bussen also nicht notwendig. Verbesserungspotenzial besteht dennoch: Manche Nutzfahrzeugarten sind häufig sehr lange im Einsatz. Mehr als ein Drittel der Busse in Deutschland ist älter als zehn Jahre und hat daher einen deutlich höheren Schadstoffausstoß als die neuesten Modelle. Auch die in Städten häufig anzutreffenden Verteiler-Lkw werden vergleichsweise lange genutzt.

Die im Fernverkehr eingesetzten Lkw werden hingegen aufgrund ihrer hohen Jahreslaufleistung schnell ersetzt. Ihr Durchschnittsalter beträgt in Deutschland gerade einmal 4,4 Jahre. Mit der raschen Erneuerung dieser älteren Busse und Nutzfahrzeuge, insbesondere im urbanen Umfeld, könnte ein wichtiger Beitrag zu Minderung der NOx-Emissionen erzielt werden.

Nach oben springen