] Der „European Green Deal“ – Gemeinsam zu einem europäischen Klimaschutz - VDA
Umwelt und Klima

Der „European Green Deal“ – Gemeinsam zu einem europäischen Klimaschutz

Mit dem „European Green Deal“ will die EU-Kommission ambitionierte Klimaschutzziele setzen und Europa zum ersten CO₂-neutralen Kontinent machen. Teil des Vorhabens ist eine mögliche Verschärfung der Flottengrenzwerte für PKW und Nutzfahrzeuge.

Der „European Green Deal“ gehört 2020 zu den wichtigsten Vorhaben der EU-Kommission. Im Januar hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erneut vorgestellt. Ziel ist es, als Europäische Union in Sachen Klimaschutz mit einem guten Beispiel voranzugehen und Standards für ein nachhaltiges Wachstum bei den weltweiten Wertschöpfungsketten festzulegen. Bis 2050 soll es dadurch gelingen, Europa klimaneutral zu machen.

Das Maßnahmenpaket sieht unter anderem eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandels auf andere Sektoren vor. Eine „Zero-Pollution Ambition“ soll zudem die Auswirkungen von Verkehr auf Luft, Wasser und Geräusche untersuchen. Im Rahmen des „Green Deal“ hat die EU-Kommission angekündigt, die Regelungen zu CO₂-Flottengrenzwerten für PKW und Nutzfahrzeuge ab Juni 2021 zu überprüfen. Allerdings stellen bereits die geltenden Grenzwerte – die schärfsten im internationalen Wettbewerb – für die Automobilbranche eine große Herausforderung dar. Ende 2017 verabschiedet sehen diese eine Verminderung des CO₂-Ausstoßes bei Pkw um 37,5 Prozent bis 2030 vor und 31 Prozent für leichte Nutzfahrzeuge. Für schwere Nutzfahrzeuge wurde eine Reduzierung um 30 Prozent festgelegt. Aufgrund der gängigen Entwicklungs- und Produktzyklen von fünf bis sieben Jahren bei PKW und bis zu zehn Jahren bei Nutzfahrzeugen sind die ambitionierten Vorgaben bereits heute schwer umzusetzen. Eine kurzfristige Reaktion auf die zusätzliche Verschärfung der CO₂-Emissionswerte durch den „European Green Deal“ wäre in Bezug auf die Optimierung konventioneller Technologien und alternativer Antriebe technisch und wirtschaftlich nicht leistbar.

Ganzheitliche Betrachtung für gemeinsame Zielerreichung

Klimaschutz hat allerhöchste Priorität und die Automobilindustrie steht hinter den ambitionierten Pariser Klimazielen. Daher begrüßt der VDA eine ambitionierte EU-Klimaschutzpolitik. Um das Ziel einer CO₂-Reduktion im Mobilitätssektor gemeinsam erreichen zu können, ist ein ganzheitlicher Blick notwendig. Dieser sollte neben der Technik von Neuwagen auch Fahrweise und Laufleistung, den Fahrzeugbestand sowie den CO₂-Gehalt der Energieträger, d. h. Kraftstoffe und Strom, berücksichtigen. Gerade die Förderung alternativer Kraftstoffe wie Wasserstoff und E-Fuels stellt einen großen Hebel zur Senkung des CO₂-Ausstoßes der Bestandsfahrzeuge dar. Zum Vergleich: Die Verbesserung der Bestandsflotte um 1 Gramm – etwa durch einen CO₂-ärmeren Kraftstoff – ist so effektiv wie eine Verbesserung um 20 Gramm in der Neuwagenflotte.

Darüber hinaus spielt die Infrastruktur eine zentrale Rolle. Insbesondere für die Förderung und den Ausbau der Elektromobilität sind Investitionen in die Ladeinfrastruktur notwendig. Damit Elektromobilität sich nicht allein auf den urbanen Raum beschränkt, sondern für die breite Bevölkerung zugänglich wird. Um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen im internationalen Vergleich zu erhalten, muss der Weg dahin jedoch ökonomisch, ökologisch und sozial vertretbar sein. Die Mobilitätswende hin zu einer klimaneutralen Mobilität wird nur dann erfolgreich sein, wenn sich die besten Lösungen im Wettbewerb durchsetzen.

Dr. Kurt-Christian Scheel
Dr. Kurt-Christian Scheel Geschäftsführer

Tel: +49 30 897842-108  
Nach oben springen