Umwelt und Klima

Fakten gegen ein generelles Tempolimit

In jüngster Zeit wird erneut über die Einführung eines generellen Tempolimits diskutiert. Der VDA möchte mit einen Beitrag zu dieser Diskussion liefern und plädiert für einen pragmatischen, unideologischen Ansatz – statt eines pauschalen Tempolimits, sollten Tempolimits zielgenau und situationsangepasst angewandt werden auf nachweislich besonders unfallauffälligen Streckenabschnitten oder temporär bei entsprechenden Witterungsverhältnissen oder hohem Verkehrsaufkommen.

Aussagekraft des „Brandenburg-Beispiels“
(BAB 24)

Anfang 2003 wurde auf dem bis dahin nicht tempolimitieren Streckenabschnitt Wittstock/Dosse (20) – AD Havelland (26) der BAB 24 in Brandenburg wegen des besonderen Unfallgeschehens ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt, woraufhin die Unfallkostenrate (€/1.000 Kfzkm) um -26,5% sank. In diesem Fall hat sich die Einführung des Tempolimits auf diesem Abschnitt als richtig erwiesen. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass dies automatisch auch für alle anderen Streckenabschnitte in Deutschland zu allen Tageszeiten sinnvoll ist. Der Nachweis ist jeweils zu führen. Denkbar ist auch, dass auf dem besagten Streckenabschnitt ein flexibles/situationsangepasstes Tempolimit in Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen und der Verkehrslage zum gleichen Effekt geführt hätte.

Unabhängig davon geht die Auswirkungsanalyse des Brandenburg-Beispiels nicht der Frage nach, was es für Auswirkungen hat, dass der Verkehr auf der besagten Strecke mit Einführung des Tempolimits um knapp -4% zurückgegangen ist. Ein Teil des Verkehrs dürfte ins nachgelagerte Netz ausgewichen sein, das bekanntlich verkehrsunsicherer ist als Autobahnen. Um wieviel sich dort die Unfallkostenrate erhöht hat, wurde nicht betrachtet.

Auch ist zu berücksichtigen, dass das Verkehrsaufkommen auf Autobahnen seit 2003 um +8% zugenommen hat. Dadurch dürfte sich die Durchschnittsgeschwindigkeit im gesamten Autobahnnetz ohnehin spürbar verringert haben. Insofern würden die Sicherheitsgewinne auch auf dem betrachteten Brandenburger Streckenabschnitt, würde dort erneut eine Vorher-Nachher-Untersuchung ohne und mit Tempolimit durchgeführt, heute deutlich geringer ausfallen als seinerzeit.

Dr. Jakob Seiler Koordninator der Koordinierungsstelle Antriebe der Zukunft und Elektromobilität

Tel: +49 30-897842-303  
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