Umwelt und Klima

Klimaschutzpolitik für schwere Nutzfahrzeuge

Neben einer CO₂-Regulierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge plant die Europäische Kommission auch einen Regulierungsvorschlag für schwere Nutzfahrzeuge.

Klimaschutzpolitik für schwere Nutzfahrzeuge

Neben einer CO₂-Regulierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge plant die Europäische Kommission auch einen Regulierungsvorschlag für schwere Nutzfahrzeuge. Eine CO₂-Regulierung nach dem Vorbild für Pkw ist für schwere Nutzfahrzeuge allerdings nicht sinnvoll, da hier eine völlig andere Ausgangssituation besteht:

  • Nutzfahrzeuge werden in außerordentlich großer Variantenvielfalt betrieben (Fernverkehr, Stadtverkehr, Reise- und Stadtbusse, Baufahrzeuge etc.). Je nach Einsatzzweck bestehen erhebliche funktional bedingte Unterschiede beim Kraftstoffverbrauch (Bsp.: 1,7 l / 100 tkm im Fernverkehr, 5,2 l / 100 tkm im städtischen Verteilerverkehr etc.). Ein „durchschnittliches“ Nutzfahrzeug gibt es nicht, sodass es auch keinen durchschnittlichen/einheitlichen Grenzwert geben kann.

  • Kaum ein Nutzfahrzeug läuft „fertig vom Band“. Stattdessen komplettieren Anhänger- und Aufbautenhersteller die Fahrzeuge im Auftrag ihrer Kunden, während der Fahrzeughersteller davon im Einzelfall nicht immer Kenntnis haben muss. Zugleich haben die Aufbauten und Anhänger mit Blick auf Gewicht und Aerodynamik erheblichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge. Einen einzigen Verantwortlichen für den Kraftstoffverbrauch gibt es mithin nicht. Wer sollte in der Konsequenz somit die Verantwortung für einen Grenzwert übernehmen?

  • Darüber hinaus ist der Markt für schwere Nutzfahrzeuge – im Gegensatz zu Pkw – ausschließlich rational getrieben. Es besteht ein erheblicher marktwirtschaftlicher Druck auf die Unternehmen, den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Die Kraftstoffkosten bilden mit einem Anteil von ca. 30 Prozent den mit Abstand größten Einzelposten in der Kostenstruktur des Straßengüterferntransports. Die Transportunternehmen und damit auch die Hersteller haben insofern ein massives Eigeninteresse an möglichst verbrauchsarmen Lkw.

Schließlich existiert im Gegensatz zu Pkw kein allgemeingültiger Testzyklus für schwere Nutzfahrzeuge, sodass es derzeit auch keine auf anerkannte Weise ermittelten Kraftstoffverbräuche bzw. CO₂-Emissionen gibt. Vor diesem Hintergrund unterstützt die Industrie die EU-Kommission aktiv darin, eine Simulationsumgebung zu entwickeln, mit der realitätsnah und zertifizierungsfähig die Kraftstoffverbräuche und damit die CO₂-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen bestimmt werden können.

Im Mai 2014 hat die EU-Kommission ein Strategiepapier zur Minderung der CO₂-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst Maßnahmen zu Zertifizierung, Monitoring und Reporting der Emissionen schwerer Nutzfahrzeuge. Ziel ist es, eine noch größere Transparenz über den Kraftstoffverbrauch und damit die CO₂-Emissionen von Nutzfahrzeugen zu schaffen und damit den Effizienzdruck im Markt weiter zu erhöhen. Dazu soll das entwickelte Simulationstool VECTO (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool) Anwendung finden. Mittelfristig sollen weitere gesetzliche Maßnahmen geprüft werden.

Aus Klimaschutzgesichtspunkten bedarf es für eine weitere signifikante Minderung der CO₂-Emissionen des Straßengüterverkehrs eines integrierten Ansatzes („Integrated Approach“), der alle Stakeholder einbezieht. Zentral ist eine Mobilisierung aller Akteure – weg von einem rein fahrzeugtechnischen Ansatz hin zu einem umfassend wirksamen Ansatz.

 

How to double the annual CO2 reduction rate

Bereits 2010 formulierten die europäischen Nutzfahrzeughersteller ihre „Vision 20-20“ mit dem Ziel, den Kraftstoffverbrauch von 2005 bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu verringern (jährliche Reduktion um 1,3 Prozent). Auf der IAA 2014 hat die Branche einen noch ambitionierteren Ansatz vorgestellt, in dem nicht nur die Zugmaschinen, sondern das Gesamtfahrzeug sowie die Kraftstoffe und betriebliche Maßnahmen in einem umfassenden Ansatz berücksichtigt werden. Laut einer Studie der Universität Leuven lassen sich bei einem solch integrierten Ansatz die durch den Straßengüterverkehr verursachten CO₂-Emissionen von 2014 bis 2020 um mehr als 20 Prozent (jährliche Reduktion um 3,5 Prozent) senken.

Thomas Fabian
Thomas Fabian Leiter Abteilung Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten, Busse

Tel: +49 30 897842-370 Fax: +49 30 897842-600
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