Umwelt und Klima

Klimaschutzpolitik für schwere Nutzfahrzeuge

Neben einer CO₂-Regulierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge plant die Europäische Kommission auch einen Regulierungsvorschlag für schwere Nutzfahrzeuge.

Simulationsplattform für Anhänger und Aufbauten

Die auf europäischer Ebene geplante CO₂-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge wird nicht nur die großen Zugfahrzeughersteller, sondern auch ihre Systempartner, die Anhänger- und Aufbautenhersteller, betreffen. In einer ersten Gesetzgebungsstufe müssen voraussichtlich ab 2018 zunächst die Hersteller von Zugmaschinen die CO₂-Emissionswerte ihrer Fahrzeuge, die im Fern- und Verteilerverkehr eingesetzt werden, ausweisen. Der Einfluss von Anhängern und Aufbauten auf die Aerodynamik des Gesamtfahrzeugs wird dabei im Simulationstool VECTO zunächst mit festgelegten Standardwerten („Default Values“) beschrieben. In einem zweiten Schritt – voraussichtlich im Zeitraum 2020/2021 – muss mit einer Ausdehnung auf weitere Fahrzeugkategorien gerechnet werden. Dann wird auch für die Hersteller von Anhängern und Aufbauten die große Herausforderung bestehen, den Luftwiderstand ihrer jeweiligen Produkte in einem von den zuständigen Behörden anerkannten und zertifizierten Verfahren zu ermitteln. Messungen mithilfe von Fahrversuchen sind mit hohem Aufwand verbunden und von der großen Mehrheit der betroffenen mittelständischen Unternehmen nicht zu leisten. Sollen zudem Potenziale zur weiteren aerodynamischen Optimierung von Anhängern und Aufbauten erschlossen werden, ist ein anderer Ansatz erforderlich.

Vor diesem Hintergrund hat der VDA in einer Machbarkeitsstudie zentrale technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragen zur Entwicklung einer CFD-Simulationsplattform (Computational Fluid Dynamics) untersuchen lassen, die speziell auf die Anforderungen der mittelständischen Hersteller von Anhängern und Aufbauten zugeschnitten ist. Die Studie wurde von den Firmen Fluidyna und TMG Consultants durchgeführt und kommt zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung und Validierung einer zentralen, webgestützten Simulationsplattform in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren möglich ist. Derzeit laufen die notwendigen Abstimmungen mit den entscheidenden Stakeholdern, um das Projekt noch 2015 starten zu können.

Anders als bei dezentralen Softwarelösungen, die in den Unternehmen den Aufbau von entsprechend ausgebildetem Personal und den Betrieb teurer Hardware erforderlich machen würde, ließe sich der Aufwand für den Betrieb einer zentralen und webbasierten Lösung in einem ökonomisch akzeptablen Rahmen darstellen. Sollte der Aufbau einer solchen zentral betriebenen Plattform gelingen, könnten die Unternehmen damit den Nachweis über die Wirkung ihrer jeweiligen Aufbauten bzw. Anhänger auf die aerodynamischen Eigenschaften eines Gesamtfahrzeugs erbringen und müssten nicht die im Rahmen der geplanten CO₂-Gesetzgebung von der EU gesetzten „Default Values“ akzeptieren, die vermutlich schlechter ausfallen werden.

Thomas Fabian
Thomas Fabian Leiter Abteilung Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten, Busse

Tel: +49 30 897842-370 Fax: +49 30 897842-600
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