Der Lang-Lkw

Der Feldversuch Lang-Lkw

Im Feldversuch mit Lang-Lkw wird detailliert untersucht, welche Auswirkungen mit dem Einsatz innovativer Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen auf Umwelt, Infrastruktur und Transportsysteme zu erwarten sind. Damit sollen die Argumente für und wider den Lang-Lkw auf der Basis praktischer Erfahrungen sorgfältig abgewogen werden.

Im Feldversuch Lang-Lkw kommen Fahrzeuge bzw. Fahrzeugkombinationen mit einer Länge von bis zu 25,25m und einem Gesamtgewicht von maximal 40 Tonnen (44t im Kombinierten Verkehr) zum Einsatz. Insgesamt fünf Fahrzeugvarianten, vom verlängerten Sattelauflieger (17,80m Länge) bis zum Motorwagen mit Sattelauflieger (25,25m Länge), werden erprobt.

Der Lang-Lkw Feldversuch ist zunächst auf eine Dauer von fünf Jahren befristet (01.01.2012 - 31.12.2016) und wird durch ein umfangreiches Untersuchungsprogramm der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wissenschaftlich begleitet.

Der im September 2014 veröffentlichte Zwischenbericht der BASt zum Lang-Lkw im Feldversuch bestätigt die positiven Erwartungen und belegt, dass Lang-Lkw sicher, umweltfreundlich und wirtschaftlich im Straßenverkehr unterwegs sind.

  • Der Feldversuch mit Lang-Lkw weist nach, dass durch den Einsatz von Lang-Lkw pro transportierter Tonne beziehungsweise pro Transporteinheit Kraftstoffeinsparungen von rund 25 Prozent erzielt werden können. Proportional zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs nehmen die CO2-Emissionen ab. Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen sinken – das ist einer der wesentlichen Beweggründe, längere Lkw auf den Straßen einzusetzen.
  • Beim Lang-Lkw Feldversuch wurde festgestellt, dass der Bremsweg eines Lang-Lkw kürzer ist als der eines herkömmlichen Lkw. Da das zulässige Gesamtgewicht nicht steigt, muss auch nicht mehr Gewicht abgebremst werden. Im Gegenteil: Ein Lang-Lkw hat mehr Achsen, an denen Bremskraft mobilisiert wird. Die BASt-Untersuchung hat für einen Lang-Lkw einen Bremsweg aus 80 km/h bis zum Stillstand von 36 Metern ermittelt. Bei einem Standard-Lkw ergab die Untersuchung 44 Meter.

Weitere Ergebnisse des Zwischenberichtes zum Feldversuch mit Lang-Lkw sind:

  • Für die Straßeninfrastruktur wird aufgrund der höheren Achszahl von Lang-Lkw kein erhöhter Erhaltungsaufwand erwartet.
  • Fahrzeugtechnische Probleme konnten unter den Rahmenbedingungen des Feldversuches nicht beobachtet werden.
  • Es konnten keine Hinweise auf größeren Stress oder eine erhöhte psychologische Beanspruchung der Fahrer von Lang-Lkw beobachtet werden.

Lang-Lkw im Regelbetrieb

Um die bereits gewonnenen Erkenntnisse weiter abzusichern und ggfs. zu ergänzen, sollten sich nunmehr auch jene Bundesländer dem Feldversuch öffnen, die bislang noch nicht teilnehmen. Durch eine aktive Mitwirkung am Feldversuch erhalten mehr Unternehmen die Möglichkeit, die Fahrzeuge unter den definierten Rahmenbedingungen des Feldversuchs im praktischen Einsatz zu testen.

Für den weiteren Einsatz innovativer Fahrzeuge/ Fahrzeugkombinationen in Deutschland über den Feldversuch hinaus lassen sich bereits heute die folgenden Rahmenbedingungen formulieren.

 

Es sollten auch künftig die im Feldversuch erfolgreich erprobten Maße und Gewichte gelten. Das bedeutet:

  • eine Kombination von Fahrzeugmodulen, die eine maximale Länge von bis zu 25,25m nicht überschreitet
  • das Gesamtgewicht soll im Regelbetrieb 40 Tonnen bzw. Vor- und Nachlauf zum Kombinierten Verkehr 44Tonnen nicht überschreiten.

Höchste Sicherheitsausstattung und Fahrerqualifikation

Für die technische Ausstattung von Lang-Lkw und die Qualifikation der Fahrer sollten die bereits im Feldversuch mit Lang-Lkw erfolgreich erprobten Rahmenbedingungen gelten. Das bedeutet:

  • Fahrer müssen mindestens fünf Jahre ununterbrochen im Besitz der Fahrerlaubnis CE sein und über fünf Jahre Berufserfahrung im gewerblichen Straßengüter- oder Werkverkehr verfügen.
  • Lang-Lkw müssen technische Mindestanforderungen erfüllen, die u.a. automatische Abstandsregelsysteme, Spurhaltewarnsysteme, automatische Achslastüberwachung, elektronisch gesteuerte Bremssysteme, Kamera-Systeme am Heck, Konturmarkierungen Spurhalteleuchten beim Anhänger etc. umfassen.

Lang-Lkw im Regelbetrieb: Fernverkehr ja - Innenstädte nein

Lang-Lkw müssen auf den bestehenden Infrastrukturen sicher und schonend betrieben werden können. Sie sollten daher auch künftig überwiegend auf Autobahnen und Bundesstraßen eingesetzt werden, um den Straßengüterverkehr dort noch effizienter zu machen. Lang-Lkw dienen nicht dem innerstädtischen Lieferverkehr. Daher sollte ein Netz definiert werden, das grundsätzlich

  • die Bundesautobahnen und alle geeigneten Bundesstraßen umfasst.
  • Weitere Streckenabschnitte und Straßen sollten in einem Positivnetz auf Antrag und nach sorgfältiger Prüfung der Befahrbarkeit anhand bundesweit einheitlicher Kriterien freigegeben werden.
  • Die Erfahrungen anderer europäischer Länder sollten bei der Definition des freigegebenen Streckennetzes berücksichtigt werden.
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