Umwelt und Klima

Luftqualität und Luftreinhaltung

Um die Luftqualität in ganz Europa zu verbessern, hat die EU Luftqualitätsgrenzwerte festgelegt, die in deutsches Recht überführt wurden.

Luftqualität und Luftreinhaltung im internationalen Vergleich

Um die Luftqualität in ganz Europa zu verbessern, hat die EU Luftqualitätsgrenzwerte festgelegt, die in deutsches Recht überführt wurden. Diese Werte sind sehr anspruchsvoll. Vor allem beim Feinstaub werden Grenzwerte heute deutlich besser erreicht als noch vor zehn Jahren. Bei den Stickoxidemissionen bestehen dagegen noch größere Herausforderungen.

Feinstaub

Für Feinstaub (PM10) gibt es zwei verschiedene Grenzwerte – einen für das Jahresmittel und einen für das Tagesmittel. Das Jahresmittel darf nicht über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m³) liegen. Das Tagesmittel darf höchstens 50 μg/m³ erreichen, wobei dieser Wert 35-mal im Kalenderjahr überschritten werden kann. Diese Grenzwerte für Feinstaub (PM10) werden in Deutschland heute selbst an Messstationen neben stark befahrenen Straßen weitgehend eingehalten. Im Jahr 2015 haben nur noch zwei Messstellen die Grenzwerte überschritten. Eine davon befindet sich am Neckartor in Stuttgart. Selbst dort sind Erfolge der Luftqualitätsverbesserung deutlich sichtbar. Von 187 Überschreitungen im Jahr 2005 konnte innerhalb von zehn Jahren die Überschreitungshäufigkeit auf rund 70 reduziert werden. Der Jahresmittelgrenzwert für Feinstaub wird heute an allen Stationen in Deutschland eingehalten. Auch im Jahr 2015 hat sich wieder gezeigt, dass die Tagesgrenzwerte fast nur im Winter überschritten werden. Hintergrund sind vor allem die meteorologischen Bedingungen in den Wintermonaten. Insbesondere bei großflächigen winterlichen Hochdrucklagen mit Trockenheit und starker Sonneneinstrahlung können die Tagesgrenzwerte überschritten werden. Im Sommer hingegen sind Überschreitungen des Tagesgrenzwerts selten zu verzeichnen. Zudem sind Grenzwertüberschreitungen oftmals gleichzeitig in großen Gebieten zu beobachten. So lagen zum Beispiel die 48 Stationen, die in der ersten Jahreshälfte 2014 20 und mehr Überschreitungstage aufwiesen, zu drei Vierteln in den neuen Bundesländern, die eher dünn besiedelt sind. Das zeigt, dass hohe Feinstaubbelastungen meist überwiegend meteorologisch begründet sind.

Am Beispiel des Feinstaubalarms in Stuttgart Anfang 2016 lässt sich veranschaulichen, dass der Straßenverkehr heute kaum noch für Grenzwertüberschreitungen verantwortlich gemacht werden kann. Obwohl weniger Fahrzeuge auf der Straße fuhren, stiegen die Feinstaubbelastungen an den Tagen, an denen der Feinstaubalarm bestand, deutlich an.

Die Automobilindustrie hat ihren Anteil zur Feinstaubminderung geleistet. Bei modernen Pkw spielen die Feinstaubemissionen des Motors so gut wie keine Rolle mehr. Nach offiziellen Angaben tragen selbst in Berlin die Autoabgase nur noch zu etwa 7 Prozent zum Feinstaubaufkommen bei. Hingegen sind Baumaschinen mit über 12 Prozent beteiligt. Das Umweltbundesministerium stellt fest, dass die Abgase der Heizungen und offenen Kamine mittlerweile für einen größeren Anteil an den gesamten Feinstaubemissionen verantwortlich sind als die Kraftfahrzeugmotoren.

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Städte in einer ausgesprochen guten Situation. So liegen die Feinstaubemissionen in der chinesischen Hauptstadt Peking deutlich über den Werten, die in Deutschland zu beobachten sind, und erreichen Höhen, die hierzulande noch nie gemessen wurden. Aber auch dort sind Versuche, die Belastung mit Fahrverboten in den Griff zu bekommen, vergeblich. Trotz eines halbierten Verkehrsaufkommens durch Fahrverbote wurde keine wesentliche Veränderung des Feinstaubspiegels erreicht. Dagegen ist auch in Peking der Einfluss des Wetters eindeutig. Vor allem das Ausbleiben von Wind ist ein wesentlicher Faktor für hohe Belastungen. Die Feinstaubwerte fallen dagegen merklich ab, wenn stärkere Windbewegungen zu verzeichnen sind.

In Mailand wird ein anderer Faktor deutlich, nämlich die Inversionswetterlage. Dort verläuft die Temperaturkurve sehr ähnlich wie die Feinstaubkurve, auch eingeschränkte Fahrverbote konnten in Mailand nicht zu einer Änderung führen.

Stickoxide

Mit der voranschreitenden Marktdurchdringung durch Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6 wird die Luftqualität auch hinsichtlich der Stickoxidemissionen in den kommenden Jahren deutlich besser werden.

Um die Stickoxidemissionen an den betroffenen Messstellen kurzfristig zu reduzieren, gibt es eine Vielzahl geeigneter Ansätze: In den Innenstädten bietet die Stauvermeidung durch eine intelligente Ampelschaltung – Stichwort grüne Welle – großes Potenzial. Ein besserer Verkehrsfluss reduziert die Stickoxidemissionen um bis zu ein Drittel, wie Messungen der TU München und des ADAC zeigen.

Im innerstädtischen Verkehr haben darüber hinaus Busse und Taxis eine wesentliche Bedeutung für die NOx-Emissionen, weil sie in den Innenstädten besonders hohe Fahrleistungen erreichen. Eine Erneuerung der Flotten mit modernen schadstoffarmen Bussen und Pkw würde die NOx-Emissionen kurzfristig spürbar senken.

 

Dr. Stefan  Wöhrl
Dr. Stefan Wöhrl Leiter Abteilung Umweltpolitik und technischer Umweltschutz

Tel: +49 30 897842-300 Fax: +49 30 897842-600
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