Umwelt und Klima

Luftqualität und Luftreinhaltung

Der EU-Kommissar Jan Potočnik hatte das Jahr 2013 zum „Jahr der Luft“ erklärt. Am 18. Dezember 2013 wurde ein „Programm für eine saubere Luft in Europa“ veröffentlicht.

Entwicklungen Luftqualität und Luftreinhaltung

Der von der EU eingeführte Luftqualitätsgrenzwert für Feinstaub ist sehr ambitioniert. Während der Jahresmittelwert von maximal 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft meist eingehalten wird, werden die Tagesmittelwerte von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft öfter als die erlaubten 35 Mal überschritten. Auch das Jahr 2014 zeigte, dass die Grenzwert-überschreitung meist auf meteorologischen Parametern beruht. Im Winter finden großräumig Überschreitungen des Grenzwertes statt, im Sommer so gut wie nie. Der Straßenverkehr kann somit nicht der Verursacher der winterlichen Überschreitungen sein.

 

Der in Städten gemessene Feinstaub kommt ganz überwiegend aus dem Umland, teilweise aus dem Ausland. Er wird als „großräumiger Hintergrund“ bezeichnet. Etwa 20 Prozent Feinstaub steuert die urbane Belastung bei, unter anderem der Hausbrand. Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass allein durch die Holzfeuerung die mittleren PM10-Werte um 4 bis 5 Mikrogramm pro Kubikmeter ansteigen. Damit gehen sie über den Beitrag des Straßenverkehrs hinaus. Etwa ein Viertel des Feinstaubaufkommens wird an den „Hotspots“ erzeugt, in der Regel sind dies hauptstraßennahe Messstationen. Obwohl der Straßenverkehr an diesen Stellen gebündelt wird, sind die motorischen Verkehrsemissionen gering. An einem Hotspot in Stuttgart sind sie zum Beispiel nur für 4 Prozent des Gesamtaufkommens verantwortlich, in der Frankfurter Allee in Berlin zu 7,2 Prozent. Dieser Anteil wird durch die Verbreitung von Euro 6 noch weiter sinken.

Die Feinstaubbelastung in Deutschland ging seit 1995 um 40 Prozent zurück. Das ist im Wesentlichen den Minderungserfolgen des Straßenverkehrs zu verdanken. In den nächsten Jahren werden die motorischen Partikelemissionen des deutschen Straßenverkehrs noch weiter reduziert. Dabei wird nicht nur die Partikelmasse, sondern auch die Anzahl der Partikel verringert. Es werden somit alle Teilchen herausgefiltert, nicht nur die großen. Damit erreicht ein Dieselfahrzeug mit Euro 6 im realen Betrieb eine faktische Nullemission. Die Partikelemissionen des Ottomotors sind bereits auf diesem Niveau. Das führt in einer für das Umweltbundesamt erstellten Studie zu der Feststellung, dass im Jahr 2020 die gesamten deutschen Motoremissionen des Straßenverkehrs nicht einmal mehr die Emissionsmenge des Zigarettenrauchs in Deutschland erreichen werden. Die Emissionen des sommerlichen Grillens sind dann deutlich höher als alle Pkw-Motoremissionen zusammen.

 

Die in Deutschland eingeführten Umweltzonen weisen nur geringe Erfolge auf, wenn lediglich der Straßenfahrzeugverkehr reglementiert wird. Eine im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellte Analyse ermittelt eine immer weiter abnehmende Wirksamkeit der Umweltzone, wenn diese sich allein auf Automobile, Lkw und Busse bezieht. Aufgrund der großen Erfolge der Automobilindustrie stellt die Bundesregierung zwischenzeitlich fest, dass die Emissionen der Baumaschinen sogar „die Hälfte der Emissionen des Straßenverkehrs aus motorischer Verbrennung im städtischen Bereich erreichen“.

Damit wird deutlich: Wer die Feinstaubemissionen insgesamt reduzieren will, muss alle Emittenten im Blick behalten und darf sich nicht auf den Verkehr allein fokussieren.

Dr. Stefan  Wöhrl
Dr. Stefan Wöhrl Leiter Abteilung Umweltpolitik und technischer Umweltschutz

Tel: +49 30 897842-300 Fax: +49 30 897842-600
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