] Feinstaub, Umweltzonen und Luftqualität - VDA
Umwelt und Klima

Luftqualität und Luftreinhaltung

Die Gesamtmenge der ausgestoßenen Stickoxide ist allein im Straßenverkehr nach offiziellen Angaben des Umweltbundesamtes seit 1990 um 70 Prozent gesunken. Das gelang, obwohl die Verkehrsleistung und der Fahrzeugbestand seit Ende der 1990er-Jahre erheblich gestiegen sind. Moderne Fahrzeuge stoßen heute also deutlich weniger Schadstoffe aus.

Das hat dazu geführt, dass die Luftqualität in den Städten heute deutlich besser ist als früher. Trotzdem liegt der Jahresmittelwert der Stickoxidimmissionen in einigen deutschen Städten noch über dem gesetzlich erlaubten Grenzwert.

Die Vorgaben für Schadstoffimmissionen in der Luft, also die gemessene Belastung der Luft, stammen aus der europäischen Luftqualitätsrichtlinie (2008/50/EG). Sie werden von der 39. Bundesimmissionsschutzverordnung in deutsches Recht umgesetzt.

Stickoxide

Bei der Stickoxidbelastung ist vor allem Stickstoffdioxid (NO2) relevant. Die Verordnung gibt für diesen Stoff zwei Grenzwerte vor: So darf die Belastung mit NO2 über das gesamte Jahr hinweg einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Außenluft nicht überschreiten. Gerade an verkehrsnahen Messstationen kommt es jedoch vereinzelt noch zu Überschreitungen des Jahresmittelwerts für Stickstoffdioxid. Diese liegen in Ballungszentren, die oftmals von ihrer besonderen Topografie (z. B. Kessellage) geprägt sind, was einen freien Luftaustausch erschwert. Die Zahl der Städte mit Grenzwertüberschreitungen ist jedoch deutlich rückläufig. 2017 meldeten laut Umweltbundesamt 65 deutsche Kommunen zu hohe NO2-Belastungen, im Vorjahr waren es noch 90. Dabei kam es nur in wenigen Fällen zu einer deutlichen Überschreitung des zulässigen Jahresmittelwerts für Stickoxide. In den allermeisten Fällen wurde der Immissionsgrenzwert nahezu erreicht bzw. unterschritten.

Der zweite Grenzwert betrifft die Belastung mit NO2 im Durchschnitt über eine Stunde. Er liegt bei 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser Wert ist vor allem ein Indikator für Spitzenbelastungen. Er darf an einer Messstelle höchstens 18 Mal im Jahr überschritten werden. In Stuttgart wurde dieser Wert am Neckartor noch vor über zehn Jahren (2006) 853 Mal überschritten. 2017 hingegen nur noch drei Mal. Damit wurden die Vorgaben beim Stundenmittel in Stuttgart im Gesamtjahr 2017 erstmals erfüllt.

In den kommenden Jahren ist eine weitere Verbesserung zu erwarten. Allein durch die Bestandserneuerung mit Dieselfahrzeugen, die Euro-6- und RDE-Grenzwerte einhalten (vgl. Kapitel „Verbrauch und Emissionen von Verbrennungsmotoren“), sinken die NOx-Emissionen und können die Luftqualitätsgrenzwerte dauerhaft eingehalten werden. Somit ist davon auszugehen, dass die Luftqualitätsziele auch an verkehrsreichen Messstationen in den kommenden Jahren durch die sukzessive Flottenerneuerung erreicht werden.

Internationaler Vergleich

Der Richtwert von 40 Mikrogramm für Stickstoffdioxid in der EU-Luftqualitätsrichtlinie basiert auf einer Abschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO weist selbst darauf hin, dass die Ableitung eines spezifischen Jahresdurchschnittswerts für Stickstoffdioxid auf Grundlage spezifischer Studien nicht möglich ist. Dennoch hält sie aufgrund der Datenbasis den Schutz der allgemeinen Bevölkerung vor chronischen Stickstoffdioxidemissionen für erforderlich. Seit 2000 schlägt die WHO daher 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft als Richtwert für die Luftqualität vor. Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA erlaubt hingegen bis 100 Mikrogramm – 2,5 Mal so viel.

Unterschied bei Arbeitsplätzen

Von den Immissionsgrenzwerten für die Außenluft sind jene für Arbeitsplätze in Gebäuden zu unterscheiden. Für Industriearbeitsplätze liegt der erlaubte Grenzwert mehr als 20 Mal so hoch wie draußen: Hier gelten 950 Mikrogramm je Kubikmeter. Grundlage sind die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TR GS), die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt gibt. Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte bei in der Regel täglich achtstündiger Exposition an fünf Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit. Für Büroarbeitsplätze gelten 60 Mikrogramm als Richtwert.

Feinstaub

Während die Reduzierung der Stickoxidimmissionen noch eine größere Herausforderung bleibt, sind beim Feinstaub in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden. Die relevanten Grenzwerte werden heute nahezu flächendeckend eingehalten.

Für Feinstaub (PM10) ist vor allem der Grenzwert für das Tagesmittel besonders wichtig. Er liegt bei 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Dieser Wert darf im Kalenderjahr höchstens 35 Mal überschritten werden. Im Jahr 2017 wurde der Grenzwert nur noch an einer Messstelle in Deutschland mehr als 35 Mal gerissen – am Neckartor in Stuttgart. Selbst dort sind Erfolge der Luftqualitätsverbesserung deutlich sichtbar. Von 187 Überschreitungen im Jahr 2005 konnte innerhalb von zehn Jahren die Überschreitungshäufigkeit bis 2017 auf 45 reduziert werden.

Hohe Feinstaubbelastungen sind heute überwiegend durch das Wetter bedingt. Das zeigte sich auch 2017: Die Tagesgrenzwerte für Feinstaub wurden überwiegend in den Wintermonaten überschritten. Verantwortlich dafür sind vor allem großflächige winterliche Hochdrucklagen mit Trockenheit und starker Sonneneinstrahlung. Im Sommer hingegen sind Überschreitungen des Tagesgrenzwerts deutlich seltener zu verzeichnen. Zudem sind Grenzwertüberschreitungen oftmals gleichzeitig in großen Gebieten zu beobachten. Am Beispiel des Feinstaubalarms in Stuttgart Anfang 2016 lässt sich veranschaulichen, dass der Straßenverkehr heute kaum noch für Grenzwertüberschreitungen verantwortlich gemacht werden kann. Obwohl weniger Fahrzeuge auf der Straße fuhren, stiegen die Feinstaubbelastungen an den Tagen, an denen der Feinstaubalarm bestand, deutlich an. Die Automobilindustrie hat ihren Anteil zur Feinstaubminderung geleistet. Bei modernen Pkw spielen Feinstaubemissionen des Motors so gut wie keine Rolle mehr.

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