Umwelt und Klima

Umweltschutz in der Produktion

Die deutsche Automobilindustrie ist sich ihrer Verantwortung entlang des gesamten Produktions- und Nutzungszyklus eines Automobils bewusst.

Chemikalienverordnung REACH

REACH ist eine Verordnung der Europäischen Union, die die Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) Stoffe regelt. Die Verordnung gilt seit fast zehn Jahren. Durch REACH wurde ein Autorisierungs- oder Zulassungsverfahren für besonders besorgniserregende Stoffe verankert. Dieses Verfahren sieht vor, dass Stoffe, die in die Verordnung aufgenommen werden, nach einer Übergangsfrist eine Zulassung benötigen. Falls ein betroffener Stoff diese Zulassung nicht erhält, ist seine Verwendung nach Ende der Frist innerhalb der EU verboten. Die Erfahrung mit REACH hat gezeigt, dass die Verordnung auch großen Einfluss auf die Fahrzeugproduktion hat, weil bisher verwendete Stoffe substituiert werden müssen.

Ein Verwendungsverbot gilt allerdings nur innerhalb der EU und nur für die Stoffe selbst. Produkte, die außerhalb der EU mit hier nicht mehr zugelassenen Stoffen hergestellt werden, dürfen weiterhin in die EU eingeführt werden. Diese Fehlentwicklung wird am Zulassungsverfahren von Chrom(VI)-Verbindungen besonders offenbar. Chrom(VI)-Verbindungen, die für die Herstellung von verchromten Bauteilen – im Auto, aber etwa auch im Sanitärbereich – verwendet werden, wurden in den Anhang der REACH-Verordnung aufgenommen und benötigen ab September 2017 eine Zulassung. In fertigen, verchromten Autoteilen ist nur ungefährliches elementares Chrom enthalten. Ein mögliches Risiko besteht ausschließlich beim Prozess des Verchromens in der Fabrik. Hier ist der Schutz der Arbeitnehmer jedoch durch EU-Richtlinien und nationale Vorschriften durchgängig und auf hohem Niveau geregelt. Für die Verwendung von Chrom(VI)-Verbindungen sollten daher lange Fristen gewährt werden, damit Alternativen in Europa entwickelt werden können. Andernfalls würden Betriebe und Arbeitsplätze in der EU gefährdet. Gleichzeitig wäre zu erwarten, dass die Produktion in Regionen mit schlechteren Arbeits- und Umweltschutzstandards abwandert, denn die betroffenen Bauteile könnten ohne Einschränkungen außerhalb Europas produziert und dann importiert werden.

Zudem gefährdet REACH auch immer mehr die Herstellung und Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Die EU-Altfahrzeugrichtlinie gestattet es zwar, dass Ersatzteile mit denselben Materialien wie die Originalteile produziert werden dürfen (Repair-as-produced-Prinzip), damit auch ältere Fahrzeuge weiterhin repariert werden können. Die REACH-Verordnung sieht jedoch keine vergleichbare Regelung vor. Die Ersatzteilversorgung sollte daher von Stoffverboten ausgenommen werden und über den gesamten Nutzungszeitraum eines Fahrzeugs gewährleistet sein. Eine solche Ausnahmeregelung sollte Teil der REACH-Verordnung werden. Ansonsten könnten schon in wenigen Jahren ältere Fahrzeuge nicht mehr repariert werden. Die bislang diskutierten Ansätze sind aus Sicht der Automobilindustrie nicht ausreichend.

Dr. Stefan  Wöhrl
Dr. Stefan Wöhrl Leiter Abteilung Umweltpolitik und technischer Umweltschutz

Tel: +49 30 897842-300 Fax: +49 30 897842-600
Nach oben springen