Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Außenwirtschaft

Der Zugang zu Auslandsmärkten ist für die Unternehmen der Automobilindustrie unerlässlich. Das Wachstum findet – abgesehen vom US-Markt – vor allem auf den Märkten außerhalb der Triade statt: in Osteuropa, Asien, Lateinamerika und anderen Schwellenländern mit steigender Motorisierung.

Handelsabkommen der EU mit dem Vereinigten Königreich

Am 24. Dezember 2020 haben sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich (VK) auf drei Abkommen über die zukünftigen Beziehungen geeinigt. Dazu gehört das Handels- und Kooperationsabkommen, das seit dem 1. Januar 2021 vorläufig angewendet wird. Das Abkommen muss noch ratifiziert werden. Der VDA begleitet den Prozess der vorläufigen Anwendung und steht seinen Mitgliedern als Ansprechpartner zur Verfügung.

Das Abkommen soll dazu beitragen, den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr, die Kapitalfreiheit und die Freizügigkeit der Arbeitnehmer zwischen dem Vereinigten Königreich und den EU-Mitgliedstaaten auch in Zukunft zu erhalten.

Der VDA hat sich während der Verhandlungen zwischen der EU und dem VK intensiv für eine Umsetzung der für die Mitglieder wichtigen Punkte eingesetzt. So wurde entgegen erster Vertragsentwürfe der „Automotive Annex“ umgesetzt. Dieser wichtige Anhang zum Vertrag dient als Rahmen für die regulatorische Kooperation.

Zudem hat sich der VDA für Erleichterungen bei den Regeln für den zollfreien Handel, in erster Linie bei den Ursprungsregeln für Elektrofahrzeuge, Hochvoltspeicher, Zellen und Komponenten eingesetzt.

Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass derzeit in der EU noch nicht ausreichend Batterien gebaut werden. Für die Automobilindustrie sind die besonderen Regeln für Batterien und Zellen von hoher Relevanz, um Planbarkeit zu ermöglichen und in diesem wichtigen Segment zollfrei exportieren zu können.

Das Freihandelsabkommen ist für beide Handelspartner besser als kein Abkommen, aber es kann nicht die Vorzüge des Binnenmarktes ersetzen. Die längerfristigen praktischen Auswirkungen des Abkommens und Konsequenzen für den Handel zwischen der EU und UK werden sich erst noch zeigen. Die ersten Erfahrungen belegen jedoch, dass es in der praktischen Abwicklung noch an vielen Stellen Schwierigkeiten gibt, die sich lösen lassen, aber mit erheblichem administrativem Zusatzaufwand verbunden sind. Der VDA unterstützt so weit wie möglich bei offenen Fragen und Problemen.

VDA setzt sich für Vereinfachung der Zollabwicklung auf Basis einer Selbstveranlagung ein

Zwar konnten neue Zölle im neuesten Abkommen vermieden werden, jedoch wirft die praktische Zollabwicklung durchaus Schwierigkeiten auf. Der VDA hat sich bereits seit längerem für ein vereinfachtes Verfahren zur Zollabwicklung im Rahmen einer Selbstveranlagung eingesetzt, das einen reibungslosen Warenverkehr ohne zusätzlichen administrativen Aufwand sowohl den Unternehmen als auch den Zoll- und Steuerbehörden in der EU und dem Vereinigten Königreich garantiert. Ein solches vereinfachtes Verfahren kann aus Sicht des VDA grundsätzlich – auch unabhängig vom EU-UK-Fall – dazu dienen, den administrativen Aufwand sowohl für die Unternehmen als auch die Zollbehörden in Grenzen zu halten, die Zollabwicklung zu beschleunigen und die Rechtssicherheit zu erhöhen. Die Zollabwicklung im Rahmen einer Selbstveranlagung sollte daher auch bei künftigen Überlegungen zur Modernisierung der Zollverfahren der EU eine Rolle spielen.

Auch zukünftige Handelshürden vermeiden

Die deutsche Automobilindustrie setzt darauf, dass sich mit dem Abkommen die negativen Auswirkungen des Brexits minimieren lassen. Für die Automobilindustrie sind neben der Zollabwicklung etwa die gemeinsame Kooperation in Fragen der Typgenehmigungen wichtig.  Die EU und das VK sind nun zwei getrennte Märkte, und bilden damit zwei verschiedene Regulierungs- und Rechtsräume. Es können sich somit Hindernisse für den Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie für die grenzüberschreitende Mobilität z.B. von Arbeitnehmern ergeben. Offene Fragen bezüglich zukünftiger Regulierungen sollen in gemeinsamen Arbeitsgruppen diskutiert werden, die der VDA aktiv begleitet.

Zahlen, Daten und Fakten

Das Vereinigte Königreich war auch 2020 der weltweit größte Exportmarkt für die deutschen Automobilhersteller. Deutsche Hersteller und Zulieferer unterhalten im Vereinigten Königreich über 100 Produktionsstätten. Die Zulieferer im Vereinigten Königreich sind stark vom EU-Markt abhängig. Manchmal überqueren Kfz-Teile mehrmals den Kanal, bevor das Fahrzeug fertig gestellt ist. Dies zeigt, wie eng die britischen Fabriken mit denen in der EU 27 verbunden sind.

Handel mit Großbritannien

Zwischen den Ländern der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich haben sich über Jahrzehnte tiefe wirtschaftliche Verflechtungen gebildet. Der größte Anteil der Warenexporte aus Deutschland nach Großbritannien kommt aus der Automobilindustrie: Sie exportierte 2020 Fahrzeuge und Teile für 13 Mrd. Euro über den Ärmelkanal. Aus Großbritannien wurden Fahrzeuge und Teile im Wert von 3,4 Mrd. Euro nach Deutschland geschickt. Der Großteil des automobilen Handelsvolumens – knapp 66 Prozent – entfällt auf fertige Pkw oder Lkw.

In Deutschland wurden 2020 rund 3,52 Mio. Pkw gefertigt. 2,65 Mio. davon gingen in den Export. Mit 391.800 Pkw (2020) war dabei das VK der größte Markt für Pkw-Exporte aus Deutschland. Etwa 15 Prozent (2020) der deutschen Pkw-Ausfuhren gehen also nach Großbritannien.

Die hohen Export- aber auch Importquoten sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland zeigen, dass auch die Wertschöpfungsketten längst nicht mehr an nationalen Grenzen haltmachen. So sind auch die Zulieferstrukturen britischer Automobilbauer international ausgerichtet. Heute stammen rund 50 Prozent der Teile für ein in Großbritannien hergestelltes Auto aus einem anderen Land. Diese starke Internationalisierung der Produktionsketten bedeutet, dass Zölle oder Grenzkontrollen die Zusammenarbeit von Zulieferern und Herstellern stark beeinflussen können. Der Brexit wird den automobilen Handel zwischen Großbritannien und der Europäischen Union daher auf vielfältige Weise beeinträchtigen.

Britische Automobilindustrie

Deutschland erzielt im automobilen Handel mit Großbritannien einen deutlichen Überschuss. Allerdings ist auch die britische Automobilindustrie enorm von Exporten, vor allem nach Europa, abhängig. Die Exportquote der 921 Tausend im Jahr 2020 im VK produzierten Pkw lag bei 81 Prozent. Rund 750 Tausend Pkw wurden ausgeführt. Mehr als die Hälfte davon, knapp 54 Prozent (2020), wurden in der Europäischen Union verkauft. Die EU ist damit der bei Weitem wichtigste Absatzmarkt für die britische Automobilindustrie. Auch der Pkw-Markt in Großbritannien selbst ist von Fahrzeugen geprägt, die über nationale Grenzen hinweg gehandelt werden. Die Pkw-Neuzulassungen in Großbritannien werden mit 89 Prozent (2020) durch importierte Fahrzeuge gedeckt. Die Pkw-Produktion im Vereinigten Königreich ging innerhalb von nur vier Jahren von gut 1,7 Millionen (2016) auf 921 Tausend Fahrzeuge (2020) zurück.

Die deutsche Automobilindustrie hat großes Interesse daran, dass die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU so eng wie möglich bleiben. Der VDA nimmt gerne Rückmeldungen zu Erfahrungen mit dem Abkommenentgegen, auch um bei Problemen und Fragen zu unterstützen.

Download & Links

Der VDA hat zudem mehrere Positionspapiere und Pressemeldungen zum zukünftigen Verhältnis mit dem Vereinigten Königreich erstellt:

 

Ansprechpartner im VDA ist Frau Angela Mans

Angela Mans Leiterin Fachbereich Außenwirtschaft, Handel und Zölle

Tel: +49 30 897842-352  
Angela Mans
Angela Mans Leiterin Fachbereich Außenwirtschaft, Handel und Zölle

Tel: +49 30 897842-352  
Nach oben springen