Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Energiewende in Deutschland

Mit der Energiewende hat sich die Bundesregierung im Energiekonzept vom September 2010 sowie in den energiepolitischen Beschlüssen vom Juni 2011 ehrgeizige Ziele gesetzt: die Entwicklung einer Energieversorgung ohne Atomenergie mit stetig wachsendem Anteil erneuerbarer Energien (EE).

Energiewende in Deutschland - Umsetzung

Auch die große Koalition verfolgt die in den Jahren 2010 und 2011 gefassten Ziele zur Energiewende weiter. Die Kernkraft soll bis zum Jahr 2022 eingestellt werden. Gleichzeitig wird der Anteil erneuerbarer Energien im Energiesystem stark ausgebaut. Der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 soll um mindestens 40 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden.

 

Im letzten Jahr hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)
einen ersten Fortschrittsbericht zur Energiewende in Deutschland herausgegeben. Der Bericht zeigt, dass sich der Ausbau erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung sehr positiv entwickelt und das gesetzte Ziel sogar übererfüllt wird. Bei allen übrigen Zielsetzungen bedarf es noch großer Anstrengungen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Bundesverband der Industrie (BDI), der die Energiewende in Form eines „Energiewendenavigators“ begleitet. Das Ergebnis des Energiewendenavigators ist in der nebenstehenden Abbildung dargestellt und illustriert durch farbige Prozentangaben den Grad der Zielerreichung bei der Energiewende im Jahr 2014. Die grau dargestellten Prozentangaben zeigen Zahlen des Vorjahres 2013 an.

Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG 2014

Wesentliche Weichen für die Energiewende in Deutschland wurden 2014 durch die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gestellt. Mit dem Ziel, den Kostenanstieg durch den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen, wurde das Förderregime für neue EEG Anlagen umgestellt. Der marktwirtschaftliche Absatz hätte aus Sicht des VDA jedoch deutlich stärker sein müssen. Wie bislang erfolgt auch im EEG 2014 die Gegenfinanzierung durch den Stromverbraucher, der die sogenannte EEG Umlage bezahlt. Erstmals wurden durch das EEG 2014 neue Anlagen zur Eigenstromerzeugung zur Zahlung einer anteiligen EEG Umlage verpflichtet. Solche Anlagen sind beispielsweise Blockheizkraftwerke. Diese betreibt ein Unternehmen, um den dort erzeugten Strom für die eigene Produktion zu nutzen. Eine solche dezentrale Stromerzeugung ist im Sinne der Energiewende, da dieser Strom nicht transportiert werden muss und somit die Netze entlastet. Trotzdem wird der Strom aus neuen Eigenstromanlagen, die nach August 2014 in Betrieb genommen wurden, nun anteilig durch die EEG Umlage belastet. Dies beeinträchtigt ihre Wirtschaftlichkeit, bremst ihren Ausbau und belastet die Industrie, die mit der Eigenerzeugung zur Stromversorgung beiträgt.

Zumindest der Strom aus bestehenden Eigenerzeugungsanlagen bleibt zunächst von der Zahlung der EEG Umlage befreit. Allerdings sind diese Befreiung und die EEG Belastung für Neuanlagen nur bis zum Jahr 2017 befristet. Danach kann im Rahmen einer erneuten Novellierung des EEG die Regelung für alte und neue Eigenerzeugungsanlagen gänzlich neu gefasst werden.

Die nächsten Schritte bei der Energiewende in Deutschland

Das Bundeswirtschaftsministerium beschäftigt sich mit dem zukünftigen Ordnungsrahmen für den Strommarkt. Der Anteil der Stromerzeugung durch Wind- und Sonnenstrom wächst, trotzdem muss das Stromnetz stabil bleiben. Außerdem muss sichergestellt sein, dass auch in Zeiten, in denen nur wenig Wind- und Sonnenstrom eingespeist werden kann, ausreichend Stromerzeugungskapazitäten vorhanden sind. Eine entsprechende Gesetzgebung ist geplant. Die Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG) ist vorgesehen. KWK-Anlagen kommen in der Automobilindustrie sehr häufig vor. Der im Rahmen der Energiewende für das Jahr 2020 angestrebte Anteil von 25 Prozent an KWK-Strom wird bei den bestehenden Rahmenbedingungen durch die EEG Novelle nicht erreicht. Derzeit liegt der Anteil an KWK-Strom bei ca. 16 Prozent und wird für die nächsten Jahre als stagnierend beziehungsweise eher rückläufig eingeschätzt.

Dr. Stefan  Wöhrl
Dr. Stefan Wöhrl Leiter Abteilung Umweltpolitik und technischer Umweltschutz

Tel: +49 30 897842-300 Fax: +49 30 897842-600
Nach oben springen