] Cars2020/Reindustrialisierung - VDA
Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Europa

Vor nunmehr zehn Jahren formulierte die EU-Kommission das Ziel, die EU zum
„wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Zunächst war davon die Rede, dies bis zum Jahr 2010 erreichen zu wollen, später wurde kein Zeithorizont mehr genannt.

Der Stellenwert der Industrie in Europa

Die gegenwärtige Situation ist besorgniserregend: Der Anteil der Industrie in der EU ging zwischen 2000 und 2012 um über 4 Prozent auf nur noch 16 Prozent zurück. Lediglich Litauen, Lettland, Polen und Deutschland konnten seit 2000 ihren Industrieanteil halten oder erhöhen. Alle anderen Länder haben zum Teil deutlich verloren.

Die Veränderung des Industrieanteils ist gerade auch in der Automobilindustrie zu spüren. Der Niedergang spiegelt sich beispielsweise in Frankreich und Italien wider, wo die Automobilproduktion rückläufig ist. Dies ist symptomatisch für viele Volkswirtschaften Europas. Positiv hingegen ist die Entwicklung in Deutschland.

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2013 das Ziel von 20 Prozent Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt für 2020 ausgegeben und sich immer wieder für eine Reindustrialisierung Europas ausgesprochen. Vorbild ist unter anderem Deutschland mit einem Anteil industrieller Produktion am Bruttoinlandsprodukt von 22,4 Prozent. Auch osteuropäische Länder mit einem hohen Wirtschaftswachstum verfügen über eine stark wachsende Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe. Einen bedeutenden Anteil an der industriellen Produktion hat die Automobilindustrie.

Nicht nur die Automobilindustrie ist stark exportgetrieben. Deutsche Produkte sind weltweit gefragt und wirken sich stark auf der Exportseite der Leistungsbilanz Deutschlands aus. Zu den europäischen Maßnahmen zur Bekämpfung makroökonomischer Ungleichgewichte in der EU zählen die Untersuchungen der EU-Kommission zum Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands. Auch wenn die Kommission betont, dass die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nicht eingeschränkt und die Exportstärke nicht geschwächt werden soll, so würden entsprechende weiter gehende Vorhaben doch gerade zu diesem Ergebnis führen. Europa sollte nicht die Starken schwächen, sondern alles unternehmen, damit die wirtschaftlich schwächeren Staaten leistungsfähiger werden.

Die Automobilindustrie ist international aufgestellt und muss im weltweiten Wettbewerb erfolgreich sein. Überzogene Regulierungen wirken sich auf den Industriestandort Deutschland und Europa nachteilig aus und sollten daher vermieden werden.

Der Aktionsplan Cars 2020

Die Bedeutung der Automobilindustrie wurde auch in den Institutionen der Europäischen Union erkannt. Deshalb wurde vor zehn Jahren der „Cars21“-Prozess geschaffen – eine Plattform, an der sich Vertreter der Kommission, der Mitgliedsstaaten und der Automobilindustrie beteiligen, um einen konstruktiven Dialog über die Zukunft des Sektors zu führen. Daraus entstand auch der Aktionsplan Cars 2020. Dieser im Dezember 2013 mit großer Mehrheit im Europäischen Parlament bestätigte Plan soll die Grundlage zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sein und die führende Stellung der europäischen Automobilindustrie in der Welt sichern. Darin enthalten sind Empfehlungen zu einem regulatorischen Rahmen, einer Stärkung und Verbesserung der Handelspolitik, Änderungen im Bereich des Sozialdialogs und Maßnahmen zur Bekämpfung des Steuerdumpings.

Die Handlungsfelder des Aktionsplans sind breit gefächert. Darunter fällt – neben der Förderung von Investitionen in Technologien und einer Verbesserung des Marktzugangs – auch die Unterstützung der Industrie beim Zugang zu Weltmärkten. Gerade die aktuellen Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika weisen ein großes Potenzial auf. Es gilt jetzt, die Pläne der Kommission in konkrete Politik umzusetzen. Langfristiges Wirtschaftswachstum kann nur über eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. Bedauerlicherweise stimmen die einzelnen Generaldirektionen ihre Politiken oftmals nicht aufeinander ab, die Zielsetzung ist teilweise konträr. Deshalb ist eine bessere Koordination zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen in der Europapolitik dringend nötig, um die Zukunft des Industriestandorts Europa zu sichern.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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