Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Handel

Der Zugang zu Auslandsmärkten ist für die Unternehmen der Automobilindustrie unerlässlich. Das Wachstum findet – abgesehen vom US-Markt – vor allem auf den Märkten außerhalb der Triade statt: in Osteuropa, Asien, Lateinamerika und anderen Schwellenländern mit steigender Motorisierung.

Globale Handelsabkommen

Die deutsche Automobilindustrie unterstützt den weltweiten Abbau von Hemmnissen für Handel und Investitionen. Ziel ist ein sogenanntes „Level-Playing- Field“ – also gleichwertige Bedingungen für alle Handelspartner in einem Markt. Freihandelsabkommen sind dabei ein wichtiges Instrument für die gegenseitige Öffnung von Märkten. Die EU hat bereits mit zahlreichen Ländern Abkommen abgeschlossen; weitere stehen aus. Priorität haben für die deutsche Automobilindustrie – neben TTIP – die Abkommen mit Indien, den ASEAN-Ländern, dem Mercosur und Kanada.

Das Abkommen mit Südkorea hat den Marktzugang für beide Seiten zwar verbessert, es liegen jedoch immer noch Handelshemmnisse in Südkorea vor, die den Zugang für europäische Hersteller und Zulieferer erschweren. Die Europäische Kommission verhandelt seit 2013 mit Japan über ein Freihandelsabkommen. Das Besondere für die Automobilindustrie ist, dass Japan keine Einfuhrzölle für Fahrzeuge und Teile erhebt – diese brauchen also nicht abgebaut zu werden. Allerdings ist der Importanteil auf dem japanischen Markt seit vielen Jahren im internationalen Vergleich gering, zuletzt lag er bei 6 Prozent. Ein Grund hierfür sind die nichttarifären Handelshemmnisse. Studien zufolge addieren diese sich bis auf ein Zolläquivalent in Höhe von 50 Prozent. Daher ist es wichtig, diese Hemmnisse abzubauen. Japan hat bereits reagiert und seinen Markt weiter geöffnet. Weitere Schritte stehen noch aus. Die Europäische Kommission wird weiter mit Japan verhandeln, damit das Abkommen abgeschlossen werden kann.

Freihandelsabkommen mit Südkorea, Indien und Kanada

Nach dem vorläufigen Scheitern einer multilateralen Freihandelspolitik hat die EU in den vergangenen Jahren bilaterale Abkommen abgeschlossen und neue Verhandlungen aufgenommen.

So ist das Freihandelsabkommen mit Südkorea seit 2011 in Kraft. In den Verhandlungen wurde der Abbau von Zollbarrieren und eines Teils der zahlreichen nichttarifären Handelshemmnisse für Importeure vereinbart. Seither ist der Pkw-Marktanteil von Importeuren in Südkorea zwar auf 16 Prozent gestiegen, damit im internationalen Vergleich aber noch vergleichsweise niedrig. Darüber hinaus sind weiterhin zahlreiche Marktzugangsbarrieren für europäische Zulieferer und Hersteller in Kraft. Dazu zählt unter anderem eine sehr aufwendige Zertifizierung von Kfz-Teilen für den koreanischen Markt („Korean Marking“). Der VDA unterstützt die Bundesregierung und die Europäische Kommission daher  bei ihren Bemühungen, die in Südkorea weiterhin bestehenden Hindernisse  abzubauen.

Mit Indien hat die EU im Jahr 2007 Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen begonnen. Allerdings sind die Gespräche ins Stocken geraten, die Verhandlungen wurden auf Eis gelegt. Der Abschluss eines  Abkommens ist aber gerade aus Sicht der Automobilindustrie wünschenswert, weil Indien als künftiger Produktionsstandort und Absatzmarkt enormes Potenzial hat. Allerdings war Indien bisher nicht bereit, den Automobilmarkt zu öffnen und die hohen Barrieren in einem Abkommen signifikant zu senken. Dabei muss Indien gerade im Automobilsektor eine Liberalisierung nicht fürchten. Die Marktöffnung könnte neue Investitionen anziehen und Exporte erhöhen. Immerhin erwirtschaftet Indien schon heute im Automobilhandel mit Deutschland einen Überschuss.

Ungeachtet der stockenden Verhandlungen pflegen der VDA und die Verbände der indischen Automobilindustrie ACMA und SIAM eine enge Partnerschaft. Im Rahmen der seit 2008 bestehenden „Deutsch-indischen Arbeitsgruppe Automobilindustrie“ werden unter der Ägide des indischen Industrieministeriums und der Bundesregierung aktuelle Fragen der deutsch-indischen Zusammenarbeit behandelt.

Mit Kanada wurde ein umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) ausgehandelt, das jedoch nicht vor 2017 in Kraft treten wird. Mit dem Abkommen sollen Zölle auf Industriewaren wegfallen. Für die europäischen Exporteure ergeben sich dadurch Einsparungen in Höhe von rund 470 Mio. Euro jährlich. Außerdem ist es gelungen, in dem Abkommen einen reformierten Investitionsschutz zu verankern. Dazu sollen ein ständiger Gerichtshof und transparente Verfahren mit Berufungsinstanz geschaffen werden.

Weitere wichtige Abkommen aus Sicht der Automobilindustrie sind die Freihandelsabkommen mit den ASEAN-Ländern, dem Mercosur und Mexiko. Derzeit verhandelt die EU darüber hinaus über ein Abkommen mit Japan. Hier sind weitere Zugeständnisse Japans beim Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse unverzichtbar. Mit China wird seit 2013 über ein Investitionsabkommen verhandelt. Dabei stehen vor allem der Marktzugang und der Schutz geistigen Eigentums im Mittelpunkt des Interesses.

TTIP – die große Chance

Für die deutsche Automobilindustrie ist das geplante Abkommen über eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) eine einmalige Chance: Noch nie wurde durch ein Freihandelsabkommens ein größerer  Wirtschaftsraum zusammengeführt, als die Vereinigten Staaten und die Europäischen Union bilden. Der transatlantische Wirtschaftsraum steht für 40 Prozent des Weltautomobilmarktes und repräsentiert rund 50 Prozent der gesamten Weltwirtschaftsleistung. Dabei stellen die USA und die EU nur etwa 12 Prozent der Weltbevölkerung. Allein durch den Wegfall von Zöllen im transatlantischen Handel würde TTIP der deutschen Automobilindustrie mehr als 1 Mrd. Euro ersparen, die sinnvoll investiert werden könnte. Das hat die Kraft eines Konjunkturprogramms. Durch die Abschaffung von Zöllen und verstärkte regulatorische Kooperation würden Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher gleichermaßen profitieren.

Chancen und Risiken von TTIP werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Dass Fahrzeuge in der EU und in den USA unterschiedliche Richtungsblinker haben müssen, kann jedoch kaum jemand nachvollziehen. In Bereichen, wo das Niveau der Regulierungen nachweislich vergleichbar ist, kann eine gegenseitige Anerkennung nur Vorteile bringen. Die regulatorische Kooperation in der Automobilindustrie bedeutet nicht, dass Sicherheitsstandards gesenkt werden. Auch die Rechte der Gesetzgeber werden nicht eingeschränkt. TTIP wird zudem den Weg für weitere Kooperation im Rahmen der Vereinten Nationen ebnen, um Standards weltweit im Sinne der USA und der EU zu setzen.

Weitere Informationen zum Thema TTIP finden Sie auf unserer Seite Ja zu TTIP.

Angela Mans Leiterin Außenwirtschaft, Abteilung Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik

Tel: +49 30 897842-352  
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