Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Handel

Der Zugang zu Auslandsmärkten ist für die Unternehmen der Automobilindustrie unerlässlich. Das Wachstum findet – abgesehen vom US-Markt – vor allem auf den Märkten außerhalb der Triade statt: in Osteuropa, Asien, Lateinamerika und anderen Schwellenländern mit steigender Motorisierung.

Handel und Investitionen

Die deutsche Automobilindustrie und ihre Beschäftigten sind auf internationalen Handel angewiesen. In Deutschland gefertigte Pkw werden zu über 77 Prozent ins Ausland verkauft. Um Deutschland und Europa als Produktionsstandort zu sichern und zu stärken, sollte sich die EU weltweit um freien Handel und den Abbau von Handelsschranken bemühen.

Wenn Globalisierung und Freihandel fair gestaltet werden, können alle Beteiligten Wohlstandsgewinne erwarten. Unerlaubtes Preisdumping, aber auch protektionistische Maßnahmen sollten von supranationalen Organisationen wie der Welthandelsorganisation (WTO) daher verfolgt und abgebaut werden. Die WTO hat als Wächter des freien Handels eine wichtige Funktion, indem sie die Einhaltung von Regeln überwacht und mit Streitschlichtungsverfahren Handelskonflikte löst.

Auch wenn die Doha-Runde bisher nicht zu den gewünschten Ergebnissen gekommen ist, hat sie doch wichtige Impulse gegeben und wird weiterentwickelt. Denn ein multilateraler Abbau von Handelshemmnissen wäre nach wie vor der Königsweg. Solange es dazu nicht kommen kann, stehen bilaterale Abkommen im Vordergrund. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Verträge unterzeichnet, weitere sind in Verhandlung. Auch sie müssen den Regeln der WTO entsprechen und Mindestanforderungen an den Umfang der Liberalisierung erfüllen.

Protektionismus

Viele Länder tun sich mit dem Abbau von Handelsschranken schwer und versuchen, durch die Benachteiligung ausländischer Anbieter die heimische Wirtschaft zu schützen. Vor allem die Automobilindustrie ist davon weltweit stark betroffen. So versuchen Staaten zum Beispiel, durch hohe Zölle Investitionen in lokale Produktion zu erzwingen. Häufig liegen auch nichttarifäre Handelshemmnisse vor. Diese nehmen oft die Gestalt technischer Regelungen an, die Importeure nicht oder nur schwer erfüllen können. Ein weiteres protektionistisches Instrument sind Mindestanforderungen an die lokale Wertschöpfung (Local Content).

Die WTO zählte zur Jahresmitte 2016 genau 2.127 handelsbeschränkende Maßnahmen, die in G20-Ländern in Kraft waren. Gegenüber dem Vorjahr kamen 154 neue Beschränkungen hinzu. Obwohl auch einzelne Regelungen aufgehoben wurden, ist der Bestand von protektionistischen Maßnahmen in den G20-Ländern damit um 11 Prozent gestiegen. Doch Protektionismus kann langfristig kaum funktionieren, weil damit meist ineffiziente Wirtschaftsstrukturen aufgebaut oder verteidigt werden.

Länder wie Mexiko zeigen, dass Marktöffnung und Freihandel im Gegensatz zum Protektionismus die bessere Basis für den Aufbau einer starken Automobilindustrie sind. Auch Osteuropa hat mit der Aufnahme in die EU und der Öffnung der Märkte gezeigt, dass so Arbeitsplätze geschaffen werden. Andere Länder setzen dagegen auf Zwangsmaßnahmen. Insbesondere Südamerika oder auch Russland sind in der Vergangenheit damit aufgefallen. Aber auch Indien erhebt Einfuhrzölle von teilweise über 100 Prozent.

Angela Mans Leiterin Außenwirtschaft, Abteilung Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik

Tel: +49 30 897842-352  
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