Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Rohstoffe

2014 sanken die Preise von nahezu allen Rohstoffen. Sowohl energetische Rohstoffe wie Gas, Kohle und vor allem Rohöl als auch die Industriemetalle und andere mineralische Rohstoffe wurden auf breiter Front billiger.

Internationale Rohstoffversorgung

2014 sanken die Preise von nahezu allen Rohstoffen. Sowohl energetische Rohstoffe wie Gas, Kohle und vor allem Rohöl als auch die Industriemetalle und andere mineralische Rohstoffe wurden auf breiter Front billiger. Der HWWI-Rohstoffpreisindex gibt diese Entwicklung eindrucksvoll wieder: Nach einem Rückgang im Jahr 2013 gaben die Preise im Jahr 2014 noch einmal um mehr als 7 Prozent nach. Dabei ist es vor allem das Rohöl, das den Preisrückgang zu verantworten hatte. Hier weist der Index ein Minus von beinahe 7,5 Prozent aus. Auch Industrierohstoffe zeigten im gleichen Zeitraum einen deutlichen Verlust von 5 Prozent.

Zwar werden die Preissenkungen durch die Abwertung des Euros wieder etwas abgefedert, dennoch ist eine Entlastung der automobilen Lieferkette spürbar. Allerdings ist das aktuelle Preisniveau eine Momentaufnahme. Es gab in der Vergangenheit ähnliche Tiefpreisphasen und sich anschließende Hochläufe in allen industrierelevanten Segmenten. Neben einer rein nachfragegetriebenen Preissteigerungsrate kam 2014 verschärfend hinzu, dass Investitionen in Minen, Hütten und Halbzeuganlagen ausblieben. Weltweit war eine Kapazität zu beobachten, die gegenüber dem letzten Preisrekord 2007 und 2008 kaum zulegen konnte. Am Beispiel Aluminiumwalzprodukte könnte hier schon bald ein Produkt deutlich an Preisdynamik gewinnen. Gerade wenn global bedeutsame Volumenmodelle den Aluminiumcontent erhöhen, werden sich Engpässe nicht vermeiden lassen.

Vor diesem Hintergrund ist es von Bedeutung, auch in den europäischen Rohstoff und Werkstoffunternehmen genau hinzuschauen. Niedrige Preise auf der einen Seite und steigende Energiekosten auf der anderen stellen das Geschäftsmodell zunehmend infrage. Damit wird die Lieferkette gerade am Anfang gefährdet. Die Anforderungen der Automobilindustrie sind im Hinblick auf den Leichtbau erheblich. Dabei sind räumliche Nähe und historisch gewachsene Kooperationen zwischen Stahl-, Aluminium- und anderen Industrien zur automobilen Lieferkette von Vorteil.

Konfliktmineralien: Europäische Regulierung braucht Fingerspitzengefühl

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2014 einen Regulierungsentwurf zum Umgang mit Konfliktmineralien vorgelegt. Damit hat sich nach den USA der zweite große Wirtschaftsraum des Themas Transparenz und Nachhaltigkeit in der Rohstofflieferkette angenommen.

Nach Definition der USA und der EU zählen Tantal, Wolfram, Zinn und Gold zu den Konfliktmineralien. Diese Rohstoffe werden in fast allen Industrien eingesetzt. Die Idee der Regulierungen ist es, die Finanzierung von bewaffneten Konflikten durch Bergbauaktivitäten in den Konfliktregionen zu unterbinden. Während die US-Regulierung einen verpflichtenden Ansatz wählte, der die gesamte Prozesskette von der Mine bis zum Endprodukt enthält, schlug die Europäische Kommission einen anderen Weg vor: Sie hat in ihrem Regulierungsentwurf empfohlen, bei den europäischen Importeuren von Metallen und Erzen sowie bei europäischen Hütten anzusetzen. Diese Unternehmen könnten sich freiwillig zertifizieren lassen, um so die Konfliktfreiheit ihres Rohstoffeinsatzes zu dokumentieren.

Aus Sicht der Automobilindustrie ist dies der richtige Weg. Die Kommission hat erkannt, dass eine umfassende Berichtspflicht entlang der Lieferkette gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen überfordern kann. Darüber hinaus haben die Erfahrungen gezeigt, dass die US-Regulierung nicht zu einer Verbesserung der Situation in der Demokratischen Republik Kongo führen würde. Vielmehr hätte der US-Ansatz zu einer Vermeidungsstrategie geführt – mit dramatischen Folgen für die Minenarbeiter in den östlichen Provinzen. Die deutsche Industrie hat sich seit Beginn der Debatte für einen Ansatz ausgesprochen, der vor Ort wirksam ist. Die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie wollen zu einer sinnvollen Lösung für die Menschen im Kongo beitragen. Eine Berichtspflicht entlang der sehr komplexen Lieferkette der Automobilindustrie ist allerdings nicht sinnvoll und schwer umzusetzen.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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