Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

BREXIT: VDA-Vorschlag zu einer vereinfachten Zollabwicklung zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich im Rahmen einer Selbstveranlagung

Das Vereinigte Königreich ist zum 1. Februar 2020 formal aus der Europäischen Union (EU) ausgeschieden. Bis Jahresende bleiben die bisher bestehenden Regelungen jedoch in Kraft. In dieser Übergangsphase wollen die 27-EU-Mitgliedsstaaten und das Vereinigte Königreich einen neuen Rahmen für ihr zukünftiges Verhältnis verhandeln. Verhandlungen über ein entsprechendes Abkommen werden derzeit geführt und sollen bis zum 31. Dezember 2020 abgeschlossen sein. Gelingt dies nicht, wird das Vereinigte Königreich den Status eines Drittstaates erhalten. Aus Sicht des VDA ist das ein sehr ambitionierter Zeitplan. 

Unabhängig davon wie das zukünftige Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU geregelt sein wird, werden Unternehmen im grenzüberschreitenden Warenverkehr eine Zollabwicklung durchführen sowie zollrechtlichen Erklärungspflichten nachkommen müssen. Für die Unternehmen der Automobilindustrie drohen hohe Kosten und Zeitverluste aufgrund der geänderten Zollabwicklung, insbesondere im Fall eines ungeregelten Austritts des Vereinigten Königreichs. Hier müssen sämtliche Möglichkeiten der administrativen Erleichterung geprüft und umgesetzt werden.

Der VDA hat bereits im Februar 2018 einen Vorschlag für eine vereinfachte Zollabwicklung im Falle des Brexit entwickelt und zur Diskussion gestellt. Der Vorschlag setzt am Prinzip der Selbstveranlagung an, das einen reibungslosen Warenverkehr ohne zusätzlichen administrativen Aufwand sowohl für Unternehmen als auch die Zoll- und Steuerbehörden in der EU und dem Vereinigten Königreich garantiert. Damit kann erreicht werden, dass Waren den Wirtschaftsteilnehmern wie bisher jederzeit - ohne Unterbrechung des Warenflusses – zur Verfügung stehen und insbesondere Lieferungen von Produktionsmaterialien für Produktionsstandorte in der EU und dem Vereinigten Königreich ungehindert durchgeführt werden können. Darüber hinaus kann die vereinfachte Zollabwicklung auch dazu beitragen, notwendige Überwachungsmaßnahmen der Zollbehörden bereits im Vorfeld des grenzüberschreitenden Warenverkehrs zu implementieren.

Kernbotschaften des Vorschlags:

• Der VDA-Vorschlag zielt auf eine zwingend notwendige praktikable Abwicklung an der Grenze durch ein Verfahren der Selbstveranlagung.

• Der VDA-Vorschlag erhält weitgehend den Status Quo, ist einfach, industrieübergreifend und im Einklang mit bestehenden Regelungen des Unionszollrechts.

Dr. Manuel Kallweit
Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Economic Intelligence & Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
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