Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Steuern und Zölle

Wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen sind eine wesentliche Voraussetzung, um die Attraktivität des Standortes Deutschlands für die Automobilindustrie zu erhalten.

Steuerliche Förderung Elektrofahrzeuge

Die Bundesregierung unterstützt weiterhin den Hochlauf der Elektromobilität. So wurde auf der 4. Sitzung der "Konzertierten Aktion Mobilität" (Autogipfel) am 17.11.2020 beschlossen, die Innovationsprämie bis Ende 2025 zu verlängern. Zudem wird die Elektromobilität auch steuerlich gefördert. Der VDA setzt sich für eine weitere Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen für Elektrofahrzeuge und einen Abbau steuerlicher Hemmnisse ein.

1. Steuerliche Anreize für als Dienstwagen genutzte Elektrofahrzeuge und Plug-In Hybride: Reduzierung des Bruttolistenpreises

Um Anreize für die Nutzung von Elektrofahrzeugen, die als Dienstwagen zur Verfügung gestellt werden, zu schaffen, hat die Bundesregierung eine Steuererleichterung für die Bewertung der Privatnutzung von (auch) elektrisch betriebenen Dienstwagen eingeführt, die sowohl für die 1%-Regelung als auch für die Fahrtenbuchmethode gilt. 

Für reine Elektrofahrzeuge, die nach dem 31.12.2018 erstmals einem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassen werden, dient nur noch die Hälfte des Bruttolistenpreises als monatliche Besteuerungsgrundlage. Die Halbierung der Bemessungsgrundlage gilt auch für die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte des Arbeitnehmers. Unter bestimmten Voraussetzungen gilt dies auch für Fahrten zur Wohnung des Arbeitnehmers. 

Die Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2030. 

Für reine Elektrofahrzeuge mit einem Bruttolistenpreis von bis zu 60.000 € dient nur noch ein Viertel des Bruttolistenpreises als Bemessungsgrundlage. In diesem Fall beträgt die Bemessungsgrundlage folglich de facto 0,25 % des Bruttolistenpreises pro Monat.

Darüber hinaus können auch extern aufladbare Hybridfahrzeuge, also Plug-in-Hybride (PHEV), von der Steuerermäßigung profitieren, wenn der PHEV maximal 50g CO2/km emittiert oder eine elektrische Reichweite von mindestens 40km hat. Diese Reichweitenanforderung gilt bis zum 31. Dezember 2021, danach wird sie auf 60 km erhöht. Ab dem 1. Januar 2025 wird sie auf 80 km erhöht. Für alle anderen PHEVs gilt weiterhin der bestehende Abschlag (Nachteilsausgleich). 

Die Regelung gilt nicht nur für Neuwagen. Auch Gebrauchtwagen können erfasst werden, wenn sie dem Arbeitnehmer ab Januar 2019 erstmalig als Dienstwagen überlassen werden.

2. Steuerbefreiung des Ladestroms im Betrieb

Der geldwerte Vorteil für den Bezug von kostenlosem oder verbilligtem Ladestrom im Betrieb und von überlassenen betrieblichen Ladevorrichtungen ist ab dem Lohnzahlungszeitraum 2017, befristet bis Ende 2030 steuerfrei (§ 3 Nr. 46 EStG). Damit kann auf eine aufwändige Erfassung und den Nachweis der abgenommenen Strommenge (Erfassung durch Zähler und Abrechnung in der Lohnbuchhaltung) verzichtet werden.

3. Pauschalen für den Auslagenersatz

Für Ladevorgänge, bei denen der Arbeitnehmer die Stromkosten selbst trägt, können ihm diese Kosten im Rahmen des § 3 Nr. 50 EStG als Auslagenersatz vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet werden (BMF-Schreiben vom 14.12.2016, Rz. 19). Wird das Fahrzeug an einer öffentlichen Ladestelle geladen und dafür ein Betrag in Rechnung gestellt, so lässt sich dieser leicht und einfach nachweisen und entsprechend als Auslagenersatz abrechnen. 

Lädt der Arbeitnehmer seinen Dienstwagen hingegen im Privathaushalt, so ist eine Abrechnung mit den tatsächlichen Werten deutlich komplizierter: Um die Erstattung in korrekter Höhe vornehmen zu können, muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber sowohl die tatsächlich abgegebene Menge Strom sowie den individuellen Strompreis bzw. die Kosten je kWh anhand des persönlichen Vertrags mit dem Versorger nachweisen. 

Aus diesem Grund hat der Verordnungsgeber die Möglichkeit geschaffen, auf die Nachweisführung zu verzichten, wenn monatlich allein bestimmte Pauschalen erstattet werden. Seit dem 1.1.2021 können befristet bis zum 31.12.2030 folgende monatliche Pauschalen als Auslagenersatz steuer- und beitragsfrei vom Arbeitgeber erstattet werden:

a) Mit zusätzlicher Lademöglichkeit beim Arbeitgeber

  • Für Elektrofahrzeuge 30€ monatlich
  • Für Hybridelektrofahrzeuge 15€ monatlich

b) Ohne zusätzliche Lademöglichkeit beim Arbeitgeber

  • Für Elektrofahrzeuge 70€ monatlich
  • Für Hybridelektrofahrzeuge 35€ monatlich 

Zu weiteren Anwendungsfragen siehe BMF-Schreiben vom 29.9.2020.

4. Pauschale Besteuerung für die Übereignung von Ladevorrichtungen

Ebenfalls befristet bis zum 31. Dezember 2030 können Arbeitgeber geldwerte Vorteile für die verbilligte Übereignung bzw. Schenkung von Ladevorrichtungen mit einem pauschalen Steuersatz von 25 % (zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggfs. Kirchensteuer) besteuern (§ 40 Abs. 2 S. 1 Nr. 6 EStG). Dies gilt auch für Zuschüsse des Arbeitgebers zum Erwerb einer solchen Ladevorrichtung, wenn sie der Arbeitnehmer selbst anschafft (Voraussetzung: Zusätzlichkeitserfordernis). 

Zu weiteren Anwendungsfragen siehe BMF-Schreiben vom 29.9.2020.

5. Sonderabschreibung für Elektronutzfahrzeuge

Mit dem „Jahressteuergesetz 2019“ wurde die Möglichkeit geschaffen, für erstmalig zugelassene und neu angeschaffte Elektronutzfahrzeuge im Betriebsvermögen eine Sonderabschreibung in Anspruch zu nehmen (§ 7c EStG). Danach sollen im Jahr der Anschaffung neben der normalen Abschreibung 50 % der Anschaffungskosten zusätzlich abgezogen werden. Elektronutzfahrzeuge sind elektrisch betriebene Fahrzeuge der Fahrzeugklassen N1, N2 und N3 (BEV, FCEV). Eine Kumulierung mit anderen Sonderabschreibungen oder erhöhten Abschreibungen ist nicht möglich. 

Zu beachten ist, dass diese Regelung aktuell keine Anwendung findet, da sie mit Blick auf die beihilferechtliche Genehmigung durch die KOM noch unter Inkrafttretensvorbehalt steht. Die Bundesregierung führt hierzu Gespräche mit der KOM. Der VDA setzt sich für einen zügigen Abschluss und damit ein zeitnahes Inkrafttreten dieser Regelung ein. 

Siehe insgesamt zuletzt auch das Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 12.12.2019 sowie die VDA-Stellungnahme

6. Kfz-Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge

Auch bei der Kfz-Steuer gibt es eine wichtige Verbesserung für Elektrofahrzeuge: Für Erstzulassungen ab dem 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2025 gibt es eine Steuerbefreiung von bis zu zehn Jahren für Elektrofahrzeuge (reine Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge, keine Hybridfahrzeuge). Sie wird längstens bis zum 31. Dezember 2030 gewährt. Nach Ablauf der Steuerbefreiung ermäßigt sich die zu zahlende Kfz-Steuer von 11,25 € (bis 2.000 kg), 12,02 € (bis 3.000 kg) und 12,78 € (bis 3.500 kg) je angefangene 100 ccm um 50 %.

Die Steuer für das Halten von besonders emissionsarmen Personenkraftwagen mit Fremd- oder Selbstzündungsmotor und einem Kohlendioxidausstoß von bis zu 95 g/km entfällt für fünf Jahre ab dem Zeitpunkt der ersten Zulassung in Höhe von 30 € pro Jahr, wenn das Fahrzeug im Zeitraum vom 12. Juni 2020 bis zum 31. Dezember 2024 erstmals zugelassen wird.

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