Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Verkehr

Auch im Jahr 2014 wurde der Pkw in Deutschland für über 80 Prozent der Leistung im Personenverkehr genutzt. Sein Transportvolumen wuchs auf 928,8 Mrd. Personenkilometer und damit um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die jüngste Verkehrsprognose der Bundesregierung – ihr Betrachtungshorizont reicht bis 2030 – rechnet damit, dass der Pkw auch in Zukunft mit einem Marktanteil von knapp 79 Prozent das mit Abstand dominierende Verkehrsmittel bleiben wird.

Die Straße ist der Verkehrsträger Nr. 1

Auch im Jahr 2014 wurde der Pkw in Deutschland für über 80 Prozent der Leistung im Personenverkehr genutzt. Sein Transportvolumen wuchs auf 928,8 Mrd. Personenkilometer und damit um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die jüngste Verkehrsprognose der Bundesregierung – ihr Betrachtungshorizont reicht bis 2030 – rechnet damit, dass der Pkw auch in Zukunft mit einem Marktanteil von knapp 79 Prozent das mit Abstand dominierende Verkehrsmittel bleiben wird. Eine kulturelle Abwendung vom Auto ist somit nicht erkennbar. Dies zeigt sich auch für jüngere Altersgruppen. Laut entsprechender Marktuntersuchungen von PSB Research und TNS Infratest ist für 70 Prozent der 18- bis 34-Jährigen das Auto ein Must-have. Nur 21 Prozent der 18- bis 29-Jährigen geben an, auf ein eigenes Auto verzichten zu können. Dessen ungeachtet hat sich bei den Angehörigen dieser Altersgruppe aber ein neues Mobilitätsverhalten entwickelt. Seit dem Jahr 2000 ist ihr Motorisierungsgrad zurückgegangen. Grund ist, dass sie im Gegensatz zu dieser Alterskohorte früherer Jahrzehnte – aus Kostengründen dazu neigen, den Kauf eines eigenen Autos auf eine spätere Lebensphase zu verschieben. Erst wenn sie beruflich etabliert sind, einen eigenen Haushalt und eine Familie gegründet haben, kaufen sie ein Auto. Allerdings zeigt sich seit 2013, dass der Rückgang ihres Motorisierungsgrades an sein Ende gekommen ist.

Der Fernbusmarkt wächst rasant

Auch eine weitere Entwicklung spricht dafür, dass der Verkehrsträger Straße noch lange so bedeutend bleiben wird wie heute: das Wachstum des Buslinienfernverkehrs. Dank der hohen Auslastung der Busse punktet der Bus im Fernverkehr als umweltfreundlichstes und kostengünstigstes Verkehrsmittel und erfreut sich seit der Deregulierung zum 1. Januar 2013 rasant zunehmender Beliebtheit. Das Bundesverkehrsministerium schätzt in seiner jüngsten Prognose, dass der Fernbus sein Aufkommen zwischen 2010 und 2030 mehr als versechsfachen wird.

Der Lkw schultert im Güterverkehr die Hauptlast

Im Jahr 2014 ist der Straßengüterverkehr in Deutschland um 2,7 Prozent auf 465,7 Mrd. Tonnenkilometer gewachsen. Damit schultert der Lkw heute 73 Prozent der Verkehrsleistung im Güterverkehr. Dies entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt. Das Bundesverkehrsministerium geht in seiner jüngsten Prognose davon aus, dass der Straßengüterverkehr bis 2030 noch um rund 30 Prozent auf 607,4 Mrd. Tonnenkilometer wachsen wird. Seinen heutigen Marktanteil wird er beibehalten. Dies zeigt auch den Bedarf an einem adäquaten Infrastrukturausbau.

Der Lkw kann bis vor jedes Haus und an jede Laderampe heranfahren. Das gilt für Eisenbahn und Binnenschiff nur in den seltenen Fällen, in denen sowohl Versender als auch Empfänger der Ware über einen Gleisanschluss verfügen oder an einem Fluss liegen. Ist das nicht der Fall, wird der Lkw ohnehin für den Zulauf zur Bahn und/oder den Nachlauf benötigt. Wegen der dabei entstehenden Umwegfahrten und Umladevorgänge lohnt sich der kombinierte Straße-Schiene-Verkehr gegenüber dem reinen Straßentransport aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen in der Regel erst ab einer bestimmten Entfernung. Damit scheiden für eine Zwischenschaltung der Bahn die 78 Prozent des Güteraufkommens im Straßenverkehr aus, die auf Distanzen unter 150 Kilometern transportiert werden. Selbst bei größeren Entfernungen kommt es auf den Einzelfall an. Denn ein effizienter Straße-Schiene-Transport setzt große Transportmengen voraus. Der Lkw hingegen kann auch kleine Mengen wirtschaftlich befördern.

Lkw und Bahn stehen deshalb nicht in einem Konkurrenzverhältnis zueinander. Vielmehr bedienen die Verkehrsträger unterschiedliche Märkte oder kooperieren sogar direkt miteinander. Im kombinierten Verkehr leistet der Lkw für andere Verkehrsträger den Vor- und Nachlauf für ein Güteraufkommen in Höhe von über 230 Mio. Tonnen jährlich. Die Marktsegmente und Marktanteile der verschiedenen Verkehrsträger ergeben sich daher aus ihren jeweiligen Leistungsprofilen und können nicht im Rahmen eines „planwirtschaftlichen“ Ansatzes zentral festgelegt werden. Verkehrsverlagerungsversuche würden nur die Kosten und die Umweltbelastung von Transporten erhöhen.

Dr. Michael Niedenthal
Dr. Michael Niedenthal Leiter Abteilung Verkehrspolitik

Tel: +49 30 897842-360 Fax: +49 30 897842-600
Nach oben springen