Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Verkehr

Das Auto steht in Deutschland für über 80 Prozent des Personenverkehrs und ist damit Verkehrsmittel Nummer 1.

Personenverkehr

Für rund 80 Prozent des Personenverkehrs wird in Deutschland das Auto genutzt. Das Auto ist damit bei Weitem das wichtigste Verkehrsmittel im Personenverkehr. Daran wird sich nach Einschätzung der Bundesregierung auch bis mindestens 2030 nichts ändern: Der Anteil des Pkw an der Verkehrsleistung wird in dieser Größenordnung bleiben. Dafür spricht auch, dass der Pkw-Bestand in Deutschland nach wie vor von Jahr zu Jahr wächst. Allerdings sind die Wachstumsraten des Personenverkehrs nur noch moderat. Das ist für ein Land, dessen Bevölkerung weitgehend stagniert und deren Durchschnittsalter steigt, eine typische Entwicklung. So wuchs die Verkehrsleistung des motorisierten Individualverkehrs 2017 gegenüber dem Vorjahr von 961,9 auf 973,2 Mrd. Personenkilometer, also nur um 1,2 Prozent.

Fernbusse

Fernbusse haben sich seit der Liberalisierung des Marktes im Jahr 2013 rasch als neue Säule im Personenfernverkehr neben dem Auto, der Bahn und dem Flugzeug etabliert. Das Fahrgastaufkommen ist rasant gestiegen. 2015 wurden rund 20 Mio. Fahrgäste befördert. Die Fernbusbetreiber haben mit ihrem Angebot offensichtlich einen Nerv getroffen. Nach Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) wurden im August 2015 im nationalen Linienfernverkehr rund 300 Linien mit einem wöchentlichen Aufkommen von rund 9.500 Fahrten angeboten. Dieses Angebot hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um rund 35 Prozent erhöht. Durch das starke Wachstum konnten Fernbusse ihren Marktanteil am gesamten Linienverkehr mit Bussen und Bahnen in Deutschland deutlich ausbauen. Nach Zahlen des BAG stieg der Marktanteil der Fernbusse von 5,9 Prozent (2013) auf 11 Prozent (2014). Die Dominanz der Schiene im Linienverkehr wird dadurch wahrscheinlich auch langfristig nicht infrage gestellt. Fernbusse sorgen jedoch spürbar für Wettbewerb, der auch Bahnkunden zugute kommt. So hat die Bahn deutlich mehr günstige Tickets angeboten.

Im dritten Jahr nach der Liberalisierung hat sich das Fernbusangebot überwiegend auf wenige große Betreibergesellschaften konzentriert. Der hohe Wettbewerbsdruck hat bereits zu einer starken Konsolidierung des Marktes geführt. Gleichzeitig ist mit einem weiteren Wachstum innerhalb Deutschlands wie auch im grenzüberschreitenden Verkehr zu rechnen. Bei den Busunternehmen scheint das Interesse am Fernbusmarkt ungebrochen. Gerade auch die mittelständischen Unternehmen nutzen die Geschäftspotenziale in einem neuen, wachsenden Markt. Damit ist es gelungen, dass neben großen Dachmarken und Mobilitätskonzernen auch das mittelständische Busgewerbe von der neuen Nachfrage profitiert.

Durch die Verdichtung des Netzes entstehen vor allem in den Städten und Kommunen aber auch Herausforderungen für die Infrastruktur. Dabei geht es vor allem um Fernbushaltestellen, die an vielen Orten den Anforderungen an Modernität und Kapazität noch nicht entsprechen. Damit sich der Markt weiter so dynamisch entwickeln kann, sind weitere Investitionen in die Infrastruktur nötig. Die Fernbusanbieter können dazu mit Nutzungsentgelten beitragen. Für die Kommunen sollten vor allem die Chancen im Vordergrund stehen, die Fernbusse bringen.

Dr. Michael Niedenthal
Dr. Michael Niedenthal Leiter Abteilung Nutzfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten und Busse, Verkehrspolitik

Tel: +49 30 897842-360 Fax: +49 30 897842-600
Nach oben springen