Wirtschaftspolitik und Infrastruktur

Verkehr

Das Auto steht in Deutschland für über 80 Prozent des Personenverkehrs und ist damit Verkehrsmittel Nummer 1.

Personenverkehr

Das Auto steht in Deutschland für über 80 Prozent des Personenverkehrs und ist damit Verkehrsmittel Nummer 1. Auch in den kommenden Jahren wird das Auto  diese dominierende Stellung im Personenverkehr behalten. Allerdings wächst der Personenverkehr in Deutschland nur noch leicht. So erwartet die Bundesregierung einen Anstieg des Pkw-Verkehrs bis 2030 gegenüber dem Jahr 2010 von rund 10 Prozent. Eine solche moderate Entwicklung ist typisch für Industriegesellschaften mit zahlenmäßig stagnierender und alternder Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund war die Zunahme der Pkw-Verkehrsleistung im Jahr 2015 um 2,1 Prozent auf 958 Mrd. Personenkilometer recht hoch.

Eine der wesentlichen Herausforderungen für den Personenverkehr in den kommenden Jahren wird die Urbanisierung sein. Das Anwachsen der Städte und Ballungsräume ist ein weltweiter Trend, der vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer betrifft. Aber auch in Deutschland ist diese Entwicklung spürbar, wenn auch mit geringerer Dynamik. Experten gehen davon aus, dass die Einwohnerzahl der fünf größten deutschen Städte bis zum Jahr 2030 um 10 bis 30 Prozent anwachsen wird. Damit nimmt auch der Verkehr in den Städten schneller zu. Dieser Trend wird durch E-Commerce weiter verstärkt, denn der stark wachsende Onlinehandel führt dazu, dass auch der Lieferverkehr in den Städten überdurchschnittlich zunimmt.

Zugleich ist darüber hinaus in den Städten ein Wandel der Mobilität zu beobachten: Stadtbewohner sind bei der Wahl ihrer Verkehrsmittel flexibler geworden und kombinieren häufiger. Sie bewegen sich – selbst wenn sie ein eigenes Auto besitzen – multimodal. Dieser Mobilitätsstil wird durch das Smartphone erst möglich. Verkehrsinformationen sind dadurch umfassend und leicht zugänglich. Das Smartphone gibt jederzeit darüber Auskunft, welches Verkehrsmittel für eine gerade anstehende Fahrt von A nach B am schnellsten, am günstigsten oder am bequemsten ist. Das kann das eigene Auto oder Fahrrad sein, aber auch die U- oder S-Bahn, der Bus, ein Leihrad, ein Carsharing-Auto oder eine Kombination.

Die Vielzahl der Möglichkeiten zeigt aber auch, dass Mobilitätsanbieter viel stärker als bisher sektorübergreifend kooperieren müssen. Das betrifft viele verschiedene einzelne Aufgaben, die für eine neue urbane Mobilität bewältigt werden müssen. Für die emissionsfreie Elektromobilität ist zum Beispiel eine dichte Ladeinfrastruktur notwendig: Der Aufbau ist eine Gemeinschaftsaufgabe, an der Automobilindustrie, Energieversorger, Kommunen, private Parkhausbetreiber, Einzelhandel und Wohnungswirtschaft mitwirken müssen. Damit Carsharing-Angebote und der öffentliche Personennahverkehr besser ineinandergreifen, braucht es noch mehr Datenaustausch. So sind multimodale Routenempfehlungen denkbar, bei denen der Nutzer etwa erst U-Bahn fährt und dann auf ein Carsharing-Fahrzeug oder ein Leihrad umsteigt. Dafür ist jedoch ein möglichst lückenloser Austausch von Verkehrsdaten in Echtzeit zwischen dem Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr notwendig. Die Automobilindustrie wird daher den Austausch mit Städten und Verkehrsgesellschaften weiter intensivieren. Dabei sollen gemeinsame nachhaltige Lösungen für die urbane Mobilität der Zukunft entwickelt und diskutiert werden. Darüber hinaus hat die Automobilindustrie einen engen Dialog mit der Start-up-Branche aufgenommen. Viele Unternehmen in diesem Bereich entwickeln innovative Mobilitätsdienstleistungen. Sie können für die Automobilindustrie einen wertvollen Beitrag zur Digitalisierung der Mobilität leisten.

Fernbusse

Fernbusse haben sich seit der Liberalisierung des Marktes im Jahr 2013 rasch als neue Säule im Personenfernverkehr neben dem Auto, der Bahn und dem Flugzeug etabliert. Das Fahrgastaufkommen ist rasant gestiegen. 2015 wurden rund 20 Mio. Fahrgäste befördert. Die Fernbusbetreiber haben mit ihrem Angebot offensichtlich einen Nerv getroffen. Nach Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) wurden im August 2015 im nationalen Linienfernverkehr rund 300 Linien mit einem wöchentlichen Aufkommen von rund 9.500 Fahrten angeboten. Dieses Angebot hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um rund 35 Prozent erhöht. Durch das starke Wachstum konnten Fernbusse ihren Marktanteil am gesamten Linienverkehr mit Bussen und Bahnen in Deutschland deutlich ausbauen. Nach Zahlen des BAG stieg der Marktanteil der Fernbusse von 5,9 Prozent (2013) auf 11 Prozent (2014). Die Dominanz der Schiene im Linienverkehr wird dadurch wahrscheinlich auch langfristig nicht infrage gestellt. Fernbusse sorgen jedoch spürbar für Wettbewerb, der auch Bahnkunden zugute kommt. So hat die Bahn deutlich mehr günstige Tickets angeboten.

Im dritten Jahr nach der Liberalisierung hat sich das Fernbusangebot überwiegend auf wenige große Betreibergesellschaften konzentriert. Der hohe Wettbewerbsdruck hat bereits zu einer starken Konsolidierung des Marktes geführt. Gleichzeitig ist mit einem weiteren Wachstum innerhalb Deutschlands wie auch im grenzüberschreitenden Verkehr zu rechnen. Bei den Busunternehmen scheint das Interesse am Fernbusmarkt ungebrochen. Gerade auch die mittelständischen Unternehmen nutzen die Geschäftspotenziale in einem neuen, wachsenden Markt. Damit ist es gelungen, dass neben großen Dachmarken und Mobilitätskonzernen auch das mittelständische Busgewerbe von der neuen Nachfrage profitiert.

Durch die Verdichtung des Netzes entstehen vor allem in den Städten und Kommunen aber auch Herausforderungen für die Infrastruktur. Dabei geht es vor allem um Fernbushaltestellen, die an vielen Orten den Anforderungen an Modernität und Kapazität noch nicht entsprechen. Damit sich der Markt weiter so dynamisch entwickeln kann, sind weitere Investitionen in die Infrastruktur nötig. Die Fernbusanbieter können dazu mit Nutzungsentgelten beitragen. Für die Kommunen sollten vor allem die Chancen im Vordergrund stehen, die Fernbusse bringen.

Dr. Michael Niedenthal
Dr. Michael Niedenthal Leiter Abteilung Verkehrspolitik

Tel: +49 30 897842-360 Fax: +49 30 897842-600
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