Abgasnorm Euro 7

    Hildegard Müller: „Technisch und terminlich kaum erfüllbar“

    Die Automobilindustrie steht entschlossen hinter dem Ziel, für den Schutz der Gesundheit die Luftqualität in Städten stetig weiter zu verbessern. Die Euro-Normen sind dabei ein grundsätzlich wirksames Instrument. Durch beständige Weiterentwicklung wurden in den letzten Jahren bereits erhebliche Verbesserungen der Luftqualität erreicht.

    Die Automobilindustrie steht entschlossen hinter dem Ziel, für den Schutz der Gesundheit die Luftqualität in Städten stetig weiter zu verbessern. Die Euro-Normen sind dabei ein grundsätzlich wirksames Instrument. Durch beständige Weiterentwicklung wurden in den letzten Jahren bereits erhebliche Verbesserungen der Luftqualität erreicht.

    Die von der EU-Kommission nun vorgeschlagene neue Euro-7-Abgasnorm setzt allerdings leider überzogene Ziele – die technische und zeitliche Umsetzung des aktuellen Entwurfs ist kaum erfüllbar. Der VDA hat daher alternative Vorschläge entwickelt – Vorschläge, die die Luftqualität signifikant verbessern und dabei ein ausgewogenes Kosten-Nutzen-Verhältnis im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie der Industrie ermöglichen.

    Zum Hintergrund: Nachdem die EU-Kommission im November 2022 ihren Entwurf für neue Emissionsnormen für Pkw, Vans und schwere Nutzfahrzeuge (Euro 7) veröffentlicht hat, endete am Donnerstag (09.02.2023) die Konsultation zu dem vorgeschlagenen Gesetzestext. Nach der Kommission soll die Verordnung ab dem 1. Juli 2025 für neuzugelassene Pkw und kleine Lieferwagen sowie ab dem 1. Juli 2027 für neuzugelassene schwere Nutzfahrzeuge gelten.

    Die gesammelten Ergebnisse während des Konsultationsverfahrens haben zwar bedauerlicherweise keinen Einfluss mehr auf die Kommissionsposition, die Rückmeldungen werden aber dem Europäischen Parlament und dem Rat der EU vorgelegt, um so in die Gesetzgebungsdebatte einfließen zu können.

    In einem nächsten Schritt müssen Rat und Parlament unabhängig voneinander über den Text beraten und Positionierungen dazu ausarbeiten. Daraufhin werden die drei am Gesetzgebungsprozess beteiligten Institutionen zu den sogenannten Trilog-Verhandlungen zusammenkommen, um einen Kompromiss zu erarbeiten. Mit einer finalen Entscheidung ist nicht vor November 2023 zu rechnen.

    Das Ziel der neuen Euro-7-Norm, die Luftqualität in Städten nochmals einen Schritt sauberer zu machen, ist ein Vorhaben, das die deutsche Automobilindustrie entschlossen unterstützt. „Die Autoindustrie setzt sich in diesem Kontext für eine wirksame und zügig umsetzbare Gesetzgebung ein“, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

    Porträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard Müller
    Entscheidend ist, dass eine Weiterentwicklung der Abgasnorm auf Augenmaß und Machbarkeit setzt und dabei gleichzeitig einen hohen Wirkungsgrad erreicht.
    Hildegard MüllerPräsidentin Verband der Automobilindustrie e.V.

    Mit Blick auf das fehlende Augenmaß beim aktuellen Vorschlag warnt Müller:  „Sollte die derzeitige Fassung der Euro-7-Abgasnorm so in Kraft treten, können Produktionsausfälle und Angebotsengpässe die Folge sein, da in der kurzen Zeit nicht genügend Fahrzeuge mit den Voraussetzungen entwickelt und genehmigt werden können."

    Euro 7 bündelt erstmals die Emissionsgrenzwerte für alle Kraftfahrzeuge wie Autos, Busse und Lastwagen in einer Abgasnorm – und ersetzt damit die bisher gültigen getrennten Vorschriften für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (Euro 6) sowie Lkw und Busse (Euro VI).

    Fakt ist allerdings: Der Vorschlag setzt für Pkw-Hersteller unrealistische Zeithorizonte fest. Bis zum geplanten Einsatzdatum im Juli 2025 haben die Unternehmen nicht ausreichend Zeit für die Neuentwicklung der Motor- und Abgassysteme inklusive der Typengenehmigung aller Fahrzeuge.

    Für schwere Nutzfahrzeuge setzt der Euro-7-Entwurf ebenfalls technologisch kaum realisierbare Ziele: Vorgesehen ist eine Absenkung der Grenzwerte teils um über den Faktor 10 – bei gleichzeitiger deutlicher Ausweitung der Testbedingungen und der Dauerhaltbarkeit. Hinzu kommt die Einführung neuer Begrenzungen für Lachgas, Ammoniak und Bremsstaub. Damit geht die Kommission deutlich über vergleichbare internationale Emissionsgesetzgebungen wie den USA oder China hinaus - mit dem Effekt, dass Europa als Entwicklungs- und Produktionsstandort ins Hintertreffen gerät.

    Der VDA hat deshalb entsprechende Positionspapiere – eins für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sowie eins für schwere Nutzfahrzeuge und Busse – mit alternativen Vorschlägen erarbeitet. Die zentralen Punkte sind so gestaltet, dass die Investitionen für Euro 7 eine signifikante Senkung der Schadstoffemissionen zum Ziel haben und dabei ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen – für die Luftqualität, die Industrie sowie die Verbraucherinnen und Verbraucher.

    • Wichtig sind Realisierbarkeit, Transparenz und Augenmaß bezüglich Kosten und Nutzen der Regulierung. Der Fokus muss auf der konkreten Luftverbesserung liegen und dabei Machbarkeit ermöglichen, statt überzogene Forderungen zu stellen.
       
    • Der VDA setzt sich für die Sicherung der Antriebsentwicklung und -produktion in Europa durch eine internationale Harmonisierung der Emissionsgesetzgebung ein. Bei einem europäischen Alleingang droht die Abwanderung von Entwicklung und Produktion in andere Regionen der Welt – und damit der Verlust von Beschäftigung und Wohlstand.
       
    • Die hohen notwendigen Investitionen für den aktuellen Vorschlag der Euro 7 Norm führen zu deutlich höheren Preisen für die Verbraucherinnen und Verbraucher –  und damit letztlich zu einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Das wiederum bringt eine langsamere Erneuerung der Flotten hin mit sich. Im Klartext: Ältere Fahrzeuge mit höheren Schadstoffemissionen bleiben länger auf den Straßen.
       
    • Der VDA fordert repräsentative Testrandbedingungen. Fakt ist: Mit der aktuell vorgesehenen Verschärfung der Randbedingungen und ohne Ausschluss von Missbrauch sind Testmanöver zulässig, die im Alltag extrem selten auftreten, aber starke Rückwirkungen auf die verbaute Technik der Abgasnachbehandlung haben. Der VDA plädiert daher für eine Verbesserung der Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung ohne Fokussierung auf Extremsituationen. So könnten die Schadstoffe im Normalbetrieb gegebenenfalls deutlich stärker reduziert werden als es der aktuelle Euro-7-Entwurf vorsieht.
       
    • Wir setzen uns außerdem für eine Staffelung der Einführungstermine ein, um eine durchgängige Produktion, mit entsprechenden Sicherheiten für Beschäftigung und Verfügbarkeit einer breiten Fahrzeugpalette für die Verbraucherinnen und Verbraucher sicherzustellen. So wird garantiert, dass die Hersteller ihre Ausgaben auf die wichtigen, nachhaltigen Transformationsprojekte hin zur Elektrifizierung der Antriebe und klimaneutralen Mobilität fokussieren und auch die notwendigen staatlichen Genehmigungsverfahren durchgeführt werden können. 

    Eines dürfen wir nicht vergessen: Die Transformation der deutschen Automobilindustrie ist eine Jahrhundertaufgabe und verlangt den Unternehmen und ihren Beschäftigten immense Anstrengungen ab. Wichtig ist also, dass die Unternehmen ihre Investitionen jetzt für ihre zentralen und nachhaltigen Transformationsprojekte einsetzen können.

    „Eine überzogene Regulierung der Abgasnorm würde die Unternehmen jetzt dazu zwingen, Milliarden in die entsprechende Motor- und Abgasnachbehandlungstechnologie zu investieren, ohne dabei einen adäquaten Effekt bei den Emissionen zu erzielen. Im Konsequenz fehlen den Unternehmen die Mittel für die dringend notwendigen Investitionen, um die wichtigen Transformationen für den weiteren Hochlauf der E-Mobilität und die Entwicklung alternativer Antriebe zu realisieren", betont Müller.

    Presse & Digitales

    Simon Schütz

    Abteilungsleiter