Kommentierung
VDA-Präsidentin Hildegard Müller zur Zustimmung der EU zum EU-Mercosur-Abkommen
VDA-Präsidentin Hildegard Müller:
„Die Zustimmung der EU zum EU-Mercosur-Handelsabkommen ist eine längst überfällige und sehr gute Nachricht für den europäischen Wirtschaftsstandort und insbesondere für das Exportland Deutschland. Das Abkommen wird wechselseitig Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung fördern, zur Diversifizierung der Handelsbeziehungen beitragen und die Zusammenarbeit beim Klimaschutz stärken. Zugleich setzt die EU damit ein wichtiges Signal nach außen: Mit der Ratifizierung des Abkommens unterstreicht sie ihre Glaubwürdigkeit als verlässlicher Verhandlungspartner für internationale Handelsabkommen.
Für die Automobilindustrie eröffnet das EU-Mercosur-Abkommen erhebliche Chancen. Besonders bedeutsam ist der Abbau bislang hoher Zölle im Mercosur. Diese liegen derzeit bei 14 bis 18 Prozent auf Kfz-Teile und bei bis zu 35 Prozent auf Pkw. Gleichzeitig schaffen die Zollsenkungen der EU neue Exportmöglichkeiten für Mercosur-Länder und stärken deren wirtschaftliche Entwicklung.
Deutschland ist eine Exportnation. Etwa 70 Prozent aller Arbeitsplätze in unserer Branche sind vom Export getragen. Deutsche Hersteller produzierten im Jahr 2024 in Brasilien und Argentinien rund 524.000 Pkw. Demgegenüber belief sich der Export aus Deutschland in alle Mercosur-Staaten im gleichen Zeitraum auf lediglich 25.700 Pkw. Und im ersten Halbjahr 2025 haben deutsche Hersteller in Brasilien und Argentinien 289.200 Pkw produziert. Demgegenüber belief sich der Export aus der EU in alle Mercosur-Staaten im gleichen Zeitraum auf 18.400 neue Pkw, allein aus Deutschland gingen 14.600 neue Pkw in diese Region. Hier besteht also erhebliches Wachstumspotenzial, das nun durch das EU-Mercosur-Abkommen gehoben werden kann. Der Anteil von Elektrofahrzeugen lag im ersten Halbjahr 2025 bei rund 5 Prozent. Auch dieser wird durch das Abkommen weiter steigen und damit die Elektromobilität in Südamerika voranbringen.
Die positiven Effekte des Abkommens reichen weit über Deutschland hinaus: Das EU-Mercosur-Abkommen bringt Vorteile für die gesamte Europäische Union. Die deutsche Automobilindustrie ist eng in europäische Produktions- und Lieferketten eingebunden. Eine steigende Nachfrage aus der Mercosur-Region stärkt daher nicht nur den Standort Deutschland, sondern fördert Produktion, Handel und Beschäftigung entlang der gesamten europäischen Wertschöpfungskette.
Generell gilt: Deutschland und die EU müssen entschlossene Verfechter eines freien, fairen und regelbasierten Welthandels bleiben. Gerade in Zeiten zunehmenden Protektionismus und geopolitischer Spannungen gilt es, das Momentum zu nutzen und bestehende und neue Allianzen für offene Märkte zu stärken. Dabei ist die EU gefordert, Handelsabkommen künftig wesentlich schneller und pragmatischer voranzubringen als in der Vergangenheit. Denn: Wirtschaftliche Stärke und Kooperationen sind die Voraussetzung dafür, dass die EU ihre Rolle auf der globalen Bühne behaupten kann."
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Sprecherin
Felicia Fullbrecht
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