VDA-Kommentierung zum
EU-Indien Handelsabkommen
VDA-Präsidentin Hildegard Müller:
„Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen zu einem Handelsabkommen zwischen der EU und Indien ist ein starkes Signal der Handlungsfähigkeit! Für beide Regionen und insbesondere für das Exportland Deutschland sowie die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie ist das ein wichtiger Schritt. Damit wird ein dringend benötigter verbesserter Marktzugang in einem weltweit zunehmend protektionistischen Umfeld umgesetzt, auch wenn nicht sämtliche Hindernisse abgebaut werden. Begrüßenswert ist die vereinbarte schrittweise Zollsenkung für Fahrzeuge auf 10 Prozent für eine Quote von zunächst 250.000 Fahrzeugen sowie die vollständige Zollsenkung für Autoteile nach 5 bis 10 Jahren. Das Abkommen ist ein wichtiger Schritt zur Vertiefung der Kooperation, schafft Verlässlichkeit und unterstreicht die partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Regionen. Nun muss die EU das Abkommen zügig ratifizieren. Nicht nur die Automobilindustrie in der EU ist heute stärker denn je auf verlässliche Kooperationen mit und Märkte in Drittländern angewiesen.
Indien ist für die deutsche Automobilindustrie ein zentraler Partner, ein wichtiger Produktionsstandort und wichtiger Zukunftsmarkt. Der bereits drittgrößte Pkw-Einzelmarkt der Welt bietet enormes Potenzial. Mit dem Abkommen werden hohe Einfuhrzölle wenigstens teilweise abgebaut. Ein an der wirtschaftlichen Entwicklung Indiens orientierter Zollabbau stärkt nicht nur den bilateralen Handel, sondern macht auch gegenseitige Investitionen deutlich attraktiver.
EU-Handelsabkommen sind von großer Bedeutung für den gesamten europäischen Wirtschaftsstandort. Für unsere Industrie gilt: Rund 70 Prozent aller Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie werden durch starke Exporte gesichert. Das ist die Basis unseres Wohlstands. Fakt ist auch: Nur eine starke und exportfähige Industrie mit einem international wettbewerbsfähigen Produktionsstandort wird die großen Herausforderungen der Transformation meistern und so einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Nur mit wirtschaftlicher Stärke kann die EU eine wichtige Rolle auf der Weltbühne spielen. Handelsabkommen bieten dafür eine entscheidende Grundlage.“
Zahlen zur redaktionellen Verwendung bei Bedarf:
- Im Jahr 2025 wurden auf dem indischen Pkw-Markt rund 4,5 Millionen Pkw verkauft. Dies entspricht einem Wachstum von rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit konnte der indische Markt seine Position als drittgrößter Einzelmarkt für Pkw weltweit festigen. Für das Jahr 2026 erwarten wir ein weiteres solides Wachstum von 4 Prozent auf ein Volumen von 4,7 Millionen Pkw. Die jüngsten Steuersenkungen, insbesondere für kleinere Fahrzeuge, dürften den Markt deutlich beleben.
- Der indische Markt für schwere Nutzfahrzeuge (>6t) ist 2025 um 8 Prozent gewachsen. Mit 357.700 Fahrzeugen wurde das höchste Marktvolumen seit 2018 erzielt.
- Leider ist der Handel zwischen Indien und Deutschland noch nicht so stark, wie er sein könnte. Im Jahr 2024 exportierte die deutsche Automobilindustrie Waren im Wert von 1,115 Milliarden Euro, davon 868 Millionen Euro an Teilen. Umgekehrt lieferte Indien Waren im Wert von 589 Millionen Euro, davon 543 Millionen Euro an Teilen und Zubehör. Die Zahlen für das Jahr 2025 sehen wie folgt aus: In den ersten drei Quartalen 2025 exportierte die deutsche Automobilindustrie Waren im Wert von 722 Millionen Euro nach Indien, 18 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Davon entfielen 614 Millionen Euro auf Teile und Zubehör. Umgekehrt lieferte Indien Waren im Wert von 462 Millionen Euro, das waren 4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 425 Millionen Euro auf Teile und Zubehör.
- Das Potential ist nach wie vor hoch: In Indien gibt es 34,3 Pkw auf 1.000 Einwohner. Das sind in Bezug auf die hohe Bevölkerungszahl schon eine Menge Fahrzeuge im Land aber bzgl. der Dichte ist da im Vergleich zu den Industrienationen noch deutlich Luft nach oben (bspw. Vergleich mit Deutschland (582,4 Pkw/1.000 Einwohner), EU (585,3), USA (877,6) oder China (137,4).
- Es gibt Ziele der indischen Regierung, den Anteil der elektrischen Fahrzeuge bis 2030 für Pkw auf 30 Prozent, für Lkw und Busse auf 70 Prozent und für Zwei- sowie Dreiräder auf 80 Prozent zu steigern. Auch dadurch ergeben sich Chancen für die deutschen Hersteller.
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Sprecher
Benedikt Herzog-Wolbeck
Schwerpunkt Wirtschaftspolitik & Handel