VDA-Kommentierung zum
EU-Australien-Freihandelsabkommen
VDA-Präsidentin Hildegard Müller:
„Die politische Grundsatzeinigung zum Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Australien ist ein weiteres wichtiges positives Signal für den europäischen Wirtschaftsstandort und insbesondere für die deutsche Automobilindustrie. Das Abkommen hat das Potenzial, wechselseitig Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung zu fördern und legt das Fundament für eine weitere Diversifizierung der Handelsbeziehungen. In Zeiten von zunehmendem Isolationismus und Protektionismus sendet das Abkommen ein kraftvolles Signal für fairen und regelbasierten Handel.
Für die europäische Automobilindustrie eröffnet das EU-Australien-Abkommen erhebliche Chancen. Im Jahr 2025 hat Deutschland automobile Waren im Wert von 2,3 Milliarden Euro nach Australien exportiert. Der in Aussicht gestellte Wegfall der australischen Einfuhrzölle in Höhe von aktuell 5 Prozent auf die Mehrheit von automobilen Warengruppen sendet einen wichtigen Wachstumsimpuls für den bilateralen Handel. Denn klar ist: Deutschland ist eine Exportnation. Etwa 70 Prozent aller Arbeitsplätze in unserer Branche sind vom Export getragen. Die Exportstärke belegt auch diese Zahl: 77 Prozent aller in Deutschland produzierten elektrischen Pkw (BEV und PHEV) werden exportiert – auch nach Australien. Dort lag der Anteil von Elektrofahrzeugen auf dem Pkw-Markt im Jahr 2025 bei rund 15 Prozent und ist steigend. Bereits heute tragen deutsche Automobilhersteller überproportional zum Hochlauf der Elektromobilität in Australien bei. Es ist davon auszugehen, dass ein erfolgreicher Abschluss des EU-Australien-Abkommens diese Dynamik weiter unterstützen wird.
Aus Sicht der deutschen Automobilindustrie ist die Anpassung der australischen Luxussteuer auf Pkw von besonderer Relevanz. Denn die derzeitige Luxussteuer in Höhe von 33 Prozent auf alle privaten Pkw ab ca. 45.500 Euro Kaufpreis betrifft die deutsche Automobilindustrie überproportional. Die geplante Anhebung des Schwellenwertes für E-Pkw auf umgerechnet rund 72.300 Euro ist positiv, aber noch nicht weitreichend genug. Eine rasche Abschaffung der Luxussteuer könnte dazu beitragen, die Verbraucherpreise zu senken, Australiens Übergang zur klimaneutralen Mobilität zu unterstützen und gleiche Wettbewerbsbedingungen unter allen Marktteilnehmern zu schaffen.
Positiv zu bewerten ist die vorgesehene vertiefte Zusammenarbeit im Bereich Rohstoffe, insbesondere der verbesserte Zugang zu australischen Rohstoffen. Australien zählt bei Lithium, Bauxit, Mangan, Seltenen Erden, Kobalt und Nickel – allesamt wichtige Komponenten zur Produktion von batterieelektrischen Fahrzeugen – zu den weltweit führenden Produzenten.
Darüber begrüßen wir, dass mit dem Freihandelsabkommen weitere nichttarifäre Handelshemmnisse im Bereich der Typgenehmigung abgebaut werden sollen. So hat die australische Seite zugesagt, EU-Typgenehmigungen für verschiedene Fahrzeuggruppen anzuerkennen. Das vermeidet langwierige Genehmigungsverfahren und doppelte Testungen, die die Markteinführung neuer Fahrzeugmodelle zuvor verlangsamt haben.
Zu unterstreichen ist: Die positiven Effekte des Abkommens reichen weit über Deutschland hinaus. Es bringt Vorteile für die gesamte Europäische Union. Die deutsche Automobilindustrie ist eng in europäische Produktions- und Lieferketten eingebunden. Eine steigende Nachfrage aus Australien, stärkt daher nicht nur den Standort Deutschland, sondern fördert Produktion, Handel und Beschäftigung entlang der gesamten europäischen Wertschöpfungskette.
Generell gilt: Deutschland und die EU müssen entschlossene Verfechter eines freien, fairen und regelbasierten Welthandels bleiben. Gerade in Zeiten zunehmenden Protektionismus und geopolitischer Spannungen gilt es, das Momentum zu nutzen und bestehende und neue Allianzen für offene Märkte zu stärken. Dabei ist die EU gefordert, Handelsabkommen künftig wesentlich schneller und pragmatischer voranzubringen als in der Vergangenheit. Denn wirtschaftliche Stärke, Kooperationen und neue Allianzen sind die Voraussetzung dafür, dass die EU ihre Rolle auf der globalen Bühne behaupten und eigene Interessen verteidigen und durchsetzen kann."
Daten zur redaktionellen Verwendung (2025)
- Produktion dt. Hersteller in Australien: keine
- Pkw-Exporte aus D: 44.200 Stück (davon 21% Elektro). Zur Einordnung: Australien liegt damit im Vergleich der Exportmärkte vor Portugal und hinter Norwegen.
- Ausfuhrwert automobiler Waren: 2,3 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Pkw
0,4 Mrd. Nfz
0,2 Mrd. Teile - Pkw-Neuzulassungen:
Gesamt: 0,9 Mio., dt. Marktanteil 12%
Davon Elektro: 0,16 Mio., dt. Marktanteil 16%
Quellen: VDA (Exporte); S&P Global Mobility (australischer Markt)
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Leiterin der Pressestelle
Eva Siegfried
Schwerpunkt Volkswirtschaft, Statistik und VDA-Ladenetz-Rankings