VDA-Kommentierung zum
BMV-Förderprogramm
VDA-Präsidentin Hildegard Müller:
„Der bedarfsgerechte Ausbau der Ladeinfrastruktur ist entscheidend für den Erfolg des Hochlaufs der E-Mobilität. Die Menschen brauchen die Gewissheit, überall und jederzeit unkompliziert laden zu können. Neben der öffentlichen Ladeinfrastruktur sind private Lademöglichkeiten eine zentrale Säule für den Hochlauf der E-Mobilität. Der VDA begrüßt daher das vom Bundesministerium für Verkehr veröffentlichte Förderprogramm ‚Ladeinfrastruktur in und an Mehrparteienhäusern‘. Das Förderprogramm schafft die Voraussetzungen für einen breiten und wirtschaftlichen Ausbau von Lademöglichkeiten an Wohnorten, an denen die Lademöglichkeiten aktuell zumeist noch unzureichend sind.
Etwa drei Viertel der E-Auto-Besitzer wohnen derzeit in eigenen Häusern, während nur rund ein Viertel zur Miete oder in einer selbst genutzten, eigenen Wohnung lebt. Diese Zahl verdeutlicht den Handlungsbedarf, die Lademöglichkeiten auch in Mehrparteienhäusern zu verbessern. Nur wenn auch dort verlässlich geladen werden kann, kann sich die Elektromobilität in der breiten Gesellschaft erfolgreich etablieren. Doch die Ladesituation in Mehrparteienhäusern ist aktuell kritisch: Rund 40 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben keinen eigenen Stellplatz und sind auf öffentliches Laden oder Ladeangebote am Zielort bzw. beim Arbeitgeber angewiesen. Weitere 30 Prozent der Haushalte leben zwar in Mehrparteienhäusern mit einem eigenen Stellplatz, sind aber durch strukturelle Hemmnisse eingeschränkt. Hier ist der Ausbau der Lademöglichkeiten oft aufgrund von unzureichender Netzkapazität, hohen Installationskosten und notwendiger Zustimmung der Eigentümergemeinschaft gehemmt oder verzögert.
Entscheidend ist nun, bestehende Hürden bei den genannten Herausforderungen konsequent abzubauen. Das Förderprogramm setzt genau an dieser Lücke an. Es unterstützt insbesondere die Vorverkabelung und die Ertüchtigung von Hausanschlüssen und schafft damit die Voraussetzungen für den breiten und wirtschaftlichen Ausbau.
Positiv hervorzuheben ist, dass im Förderprogramm nun der Investitionszuschuss für das bidirektionale Laden ausgestaltet ist, der bereits im Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 angelegt war. Er soll die Mehrkosten bidirektionaler Ladevorrichtungen abdecken – ein sinnvoller Baustein, um die zentrale Zukunftstechnologie des bidirektionalen Ladens noch attraktiver zu machen.
Gleichzeitig gilt jedoch, dass mit dem vorgesehenen Volumen des Förderprogramms nur ein Bruchteil der bestehenden Stellplätze elektrifiziert werden kann. Auch deshalb braucht es für den Ausbau in Mehrparteienhäusern weitere verlässliche regulatorische Impulse: Eine zügige und ambitionierte Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) ist hierfür ein zentraler Hebel.
Darüber hinaus gilt: Auch beim öffentlichen Laden bestehen weiterhin erhebliche Defizite. In etwa einem Drittel der Gemeinden (31 Prozent) gibt es bislang keinen öffentlichen Ladepunkt und fast zwei Drittel (63 Prozent) verfügen über keinen öffentlichen Schnellladepunkt. Deshalb ist es wichtig, den Ausbau der Ladeinfrastruktur mit bezahlbaren Ladestrompreisen zügig und entschlossen voranzutreiben. Gleiches gilt für die Erweiterung und Modernisierung der dazugehörigen Stromnetze. Besonders Politik und Energiewirtschaft stehen hier vor entscheidenden Aufgaben."
Kontakt





Sprecherin
Katharina Sophie Bellstedt
Schwerpunkt Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Produktion, Logistik, Aftermarket