VDA-Kommentierung zum
Tech Sovereignty Package
VDA-Präsidentin Hildegard Müller:
„Mit dem heute vorgestellten Tech Sovereignty Package setzt die Europäische Kommission ein wichtiges Signal zur Stärkung der technologischen Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Europas. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen ist es richtig, zentrale Zukunftstechnologien stärker in den Fokus der europäischen Industriepolitik zu rücken. Entscheidend wird nun sein, die verschiedenen Initiativen des Pakets konsequent an den Bedarfen der europäischen Industrie auszurichten und so Innovation, Investitionen und Wertschöpfung in Europa nachhaltig zu stärken.
Für die Automobilindustrie steht dabei insbesondere der Chips Act II im Fokus. Leistungsfähige Halbleiter sind unverzichtbar für die Transformation hin zu klimaneutraler, vernetzter und softwaredefinierter Mobilität. Sie bilden die technologische Grundlage für zahlreiche Zukunftsanwendungen und sind damit ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Automobilstandorts Europa.
Positiv ist, dass der Chips Act II die tatsächlichen europäischen Halbleiterbedarfe deutlich stärker berücksichtigt als bisher. Ebenso zu begrüßen ist die strategische Weiterentwicklung des Ansatzes: weg von der ausschließlichen Förderung zusätzlicher Produktionskapazitäten, hin zur Stärkung der Resilienz und Souveränität des gesamten europäischen Halbleiter-Ökosystems. Fördermaßnahmen sollten sich konsequent an den Bedarfen der europäischen Schlüsselindustrien orientieren und dort ansetzen, wo sie die größte Wirkung für Wertschöpfung und Versorgungssicherheit entfalten.
Gleichzeitig geht der neue Chips Act mit einem Paradigmenwechsel einher. Neben der Förderung von Investitionen und Innovationen sieht der Entwurf weitreichende Eingriffsmöglichkeiten in Marktprozesse und unternehmerische Entscheidungen vor - diese müssen kritisch hinterfragt werden. Dazu zählen unter anderem die Priorisierung von Aufträgen im Krisenfall, umfangreiche Informationspflichten entlang der Lieferkette sowie weitere Instrumente zur Marktsteuerung. Fakt ist: Die Halbleiterindustrie ist geprägt von hochkomplexen und global vernetzten Lieferketten. Externe Eingriffe in diese Systeme und politische Steuerungsversuche bergen das Risiko von Fehlsteuerungen und können bestehende Lieferbeziehungen sowie etablierte Marktmechanismen beeinträchtigen. Gerade in einem global integrierten Ökosystem sollte die Stärkung von Resilienz daher in erster Linie über Investitionen, Innovationen und verlässliche Rahmenbedingungen erfolgen.
Insgesamt gilt: Die europäische Halbleiterindustrie ist Teil eines hochintegrierten internationalen Ökosystems. Deshalb sollte die Europäische Union neben der Stärkung eigener Kapazitäten auch auf offene Märkte, internationale Partnerschaften und faire Handelsbeziehungen setzen. Europas Wettbewerbsfähigkeit wird langfristig nicht durch Abschottung gesichert, sondern durch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, die die Realitäten der Unternehmen widerspiegeln. Rat, Parlament und Kommission sind im weiteren Verlauf der Verhandlungen aufgefordert, diese konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.“
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Sprecher
Benedikt Herzog-Wolbeck
Schwerpunkt Wirtschaftspolitik & Handel