VDA-Kommentierung zur

    anhaltenden Standortkrise

    Berlin, 07. Juli 2026

    VDA-Präsidentin Hildegard Müller:

    „Der Verband der deutschen Automobilindustrie und seine Mitgliedsunternehmen weisen seit Jahren anhand konkreter Zahlen, Daten und Fakten auf die im internationalen Vergleich schlechten Standortbedingungen in Deutschland und Europa hin. Unsere Warnungen wurden zwar wahrgenommen, die Konsequenzen – also der notwendige Kurswechsel – blieben bisher bedauerlicherweise weitgehend aus.

    Alles, was Wachstum schafft, muss Priorität haben – sei es mit Blick auf die Sozialabgaben, Steuern, Energiepreise, Bürokratieaufwand oder auch Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt. Diese Felder müssen – gemeinsam mit einem technologieoffenen Ansatz mit Blick auf die Zukunftsherausforderungen – weiter dringend und umfassend adressiert werden.

    Die Realität hat die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährdet zunehmend auch Arbeitsplätze. Die Standortkrise trifft die gesamte europäische Industrie, die Folgen sind täglich sichtbar und spürbar – und sie werden zunehmend dramatischer. Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht alle halten können. Wir sollten daher die Standorte hier z. B. auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Standort, den wir hier halten können, sichern wir Arbeitsplätze.

    Die Erkenntnis, dass nur ein maximal wettbewerbsfähiger Standort der Schlüssel für eine wirkliche, mittel- und langfristige Veränderung ist, bleibt entscheidend. Diese Erkenntnis ist allerdings immer noch nicht übergreifender Konsens, weswegen die notwendigen Ableitungen ausbleiben.

    Jetzt ist Handeln gefordert. Die Handlungsoptionen sind weniger, dafür aber umso notwendiger geworden. Deutschland und Europa sind in einer Lage, in der es mutige Entscheidungen braucht. Das wird auch mit erheblichen Veränderungen für die Menschen verbunden sein, mit dem Ende von Gewohnheiten und Ansprüchen, die sich unser Land bedauerlicherweise so auch in Teilen aktuell nicht mehr leisten kann.

    Umfassende und einschneidende Reformen sind notwendig, um zurück zu Wachstum zu finden. Nur so können wir auch den kommenden Generationen ein Leben in Wohlstand, mit ausreichend Arbeitsplätzen und funktionierenden Sozialsystemen ermöglichen. Es geht also auch um Generationengerechtigkeit, um die soziale Notwendigkeit, zu handeln.

    Die Unternehmen der Automobilindustrie werden mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen müssen.

    Sie stehen vor der Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten. Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle. Diese Entscheidungen sind schwierig und müssen im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden. Sie werden von uns allen Veränderungsbereitschaft verlangen.

    Diesen Handlungsbedarf ganz oder in Teilen zu leugnen und die eindeutige Faktengrundlage nicht anzuerkennen, ist keine Option. Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.

    Es geht in den anstehenden Diskussionen darum, die notwendige Grundlage dafür zu gestalten, dass Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich investieren, wachsen und neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen können. Nur wirtschaftlich starke Unternehmen können Wohlstand sichern, Arbeitsplätze sichern und den kommenden Generationen echte Zukunftsperspektiven eröffnen. Angesichts des verschärften internationalen Wettbewerbs gibt es zu einer Kurskorrektur in Berlin und Brüssel keine realistische Alternative. Wer dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben will, muss heute die Voraussetzungen für den Erfolg von morgen schaffen.“

    Kontakt

    Kommunikation, Events & Marketing

    Simon Schütz

    Abteilungsleiter