Automobilindustrie und Märkte

Historische Fahrzeuge

Unter dem Begriff History Marketing sind in den letzten Jahren vermehrt Aktivitäten bekannt geworden, deren Ziel es ist, die großen Potentiale, die die Historie bietet, für starke Marken zu nutzen.

Der Deutsche Oldtimer Index

Um eine Trendaussage über die Wertentwicklung von Oldtimern in Deutschland geben zu können, gibt der VDA jährlich den Deutschen Oldtimer Index heraus. Die nötigen Daten über Fahrzeugwerte steuert der Bewertungsspezialist classic-analytics bei. 2017 hat sich die Preisdynamik für Oldtimer in Deutschland gegenüber den turbulenten Vorjahren deutlich verlangsamt. Der Deutsche Oldtimer Index legte nur noch um 1,4 Prozent zu. Er erreichte einen Punktestand von 2.552 gegenüber 2.516 im Vorjahr. Die Steigerung lag somit unter der Inflationsrate (1,8 Prozent). Der Index setzt damit ein deutliches Signal, dass sich der starke Preisanstieg der vergangenen Jahre für automobile Klassiker beruhigt hat.

Ersatzteilversorgung für Oldtimer

Ein wesentlicher Aspekt für das Betreiben von Oldtimern liegt in der Sicherstellung der Ersatzeilversorgung. Deswegen suchen Hersteller und Zulieferer verstärkt nach Lösungsmöglichkeiten für eine langfristige Versorgung.

Besondere Herausforderungen bestehen zunehmend bei Teilen, die dem ECE-Regelwerk unterliegen. Dabei handelt es sich vor allem um sicherheits- oder umweltrelevante Bauteile. Das Abkommen von 1958 schreibt vor, dass bei einer Wiederaufnahme der Produktion von Ersatzteilen diese lediglich beim gleichen Lieferanten und mit den identischen Werkzeugen hergestellt werden dürfen. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, müssten betroffene Ersatzteile nach den aktuellen Regularien neu entwickelt werden. Aus wirtschaftlichen Gründen und auch aus Gründen der Originalität ist ein solches Vorgehen oft schwierig. Die UNECE hat dieses Problem erkannt. Die dritte Revision des 1958er- Agreements sieht daher vor, dass bei der Neuproduktion eines Teils die ursprünglichen Regelungen angewendet werden können. Die Revision trat im September 2017 in Kraft und muss in nationales Recht überführt werden. In Deutschland soll ein entsprechendes Gesetz im Laufe des Jahres 2018 verabschiedet werden.

Auch die ab Anfang der 1980er-Jahre bei Premiumfahrzeugen angebotenen elektronischen Sicherheitssysteme wie etwa ABS und Airbag bereiten zunehmend Probleme. Die anfangs selten verbauten Teile sind als Ersatz kaum verfügbar bzw. nicht wirtschaftlich produzierbar. Nach Information des Bundesverkehrsministeriums können solche Funktionen nach § 72 StVZO jedoch bei einzelnen Fahrzeugen deaktiviert werden. Voraussetzung ist, dass das jeweilige System zum Zeitpunkt der Zulassung nicht gesetzlich vorgeschrieben war. Die Deaktivierung muss vom Hersteller durchgeführt und dokumentiert werden.

Kurzzeitkennzeichen

Seit 2016 dürfen sogenannte Kurzzeitkennzeichen nur noch für Fahrzeuge ausgegeben werden, die eine gültige HU aufweisen. Für Oldtimerfahrer haben diese Kennzeichen eine große Bedeutung, da sie die einzige Möglichkeit sind, ein nicht angemeldetes Fahrzeug zu überführen. Der VDA setzt sich deshalb für eine Neuregelung ein. Denkbar wäre ein spezielles Kurzzeitkennzeichen für Oldtimer.

Die EU-Kommission erarbeitet zurzeit eine Änderung der Verordnung 1999/62/EG über die Erhebung von Gebühren für die Nutzung bestimmter Verkehrswege. Das überarbeitete Papier sieht vor, dass diese Regelung, die bisher ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge gültig ist, künftig auch für Pkw angewendet werden kann. Des Weiteren ist angestrebt, die Grundlage für die Berechnung der Maut zu ändern. Neben der Berücksichtigung der Entfernung soll auch die Umweltfreundlichkeit zur Gebührenfindung herangezogen werden. Bisher sind in Deutschland Oldtimer-Nutzfahrzeuge von der Mautgebühr befreit. Der VDA setzt sich deshalb dafür ein, dass in dem Änderungsvorschlag analog zur Richtlinie 2014/45/EU die Möglichkeit einer Ausnahme von historischen Fahrzeugen in den einzelnen Mitgliedsländern aufgenommen wird.

 

Stefan Röhrig
Stefan Röhrig Leiter Fachbereich Historische Fahrzeuge

Tel: +49 30 897842-380 Fax: +49 30 897842-600
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