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    Zulieferer und Mittelstand

    Umbruch in der Zulieferindustrie

    Alternative Antriebe – vor allem die elektrischen –, aber auch Digitalisierung sowie vernetztes und automatisiertes Fahren verändern das Konzept des Automobils grundlegend. Für die Zulieferer ergibt sich daraus eine epochale Herausforderung. Der VDA begleitet sie auf diesem Weg.

    Alternative Antriebe – vor allem die elektrischen –, aber auch Digitalisierung sowie vernetztes und automatisiertes Fahren verändern das Konzept des Automobils grundlegend. Für die Zulieferer ergibt sich daraus eine epochale Herausforderung. Der VDA begleitet sie auf diesem Weg.

    Eine multidimensionale Transformation

    Über 130 Jahre ist es her, dass Bertha Benz mit dem Patent-Motorwagen von Mannheim nach Pforzheim fuhr. Von da an war stets klar: Jedes Automobil fährt einzeln, wird von einem Menschen gesteuert und wird bis auf wenige Ausnahmen von einem Verbrennungsmotor angetrieben. Doch nun bricht ein neues Zeitalter der Mobilität an: Autonomes und vernetztes Fahren sowie alternative Antriebe verändern dieses Konzept derzeit binnen weniger Jahre grundlegend und damit auch die gesamte Automobilindustrie.

    Hinzu kommen neue Anbieter – insbesondere aus Asien – und ein sich grundlegend wandelndes Kundenverhalten. In den Metropolen der Industriestaaten wünschen sich die Menschen zunehmend, Mobilität als einen Service nutzen zu können, wann und wie sie ihn benötigen. Im Gegensatz dazu gibt es andere Weltregionen, die sich gerade erst entwickeln und in denen ein eigenes Auto den wirtschaftlichen Aufstieg bedeuten kann. In dieser hochkomplexen Transformationssituation muss die deutsche Automobilindustrie auf unterschiedliche Bedarfe und Herausforderungen weltweit jeweils eigene Antworten für viele verschiedene Mobilitätsbedarfe und unterschiedliche vorhandene Verkehrsinfrastrukturen geben.

    Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begleitet seine Mitgliedsunternehmen auf diesem Weg. Regelmäßig tauschen sich ihre Vertreterinnen und Vertreter in den unterschiedlichen Gremien mit einem jeweils anderen Fokus aus. Dort werden Märkte analysiert und gesetzgeberische Veränderungen begleitet, auch die wissenschaftliche Sicht auf die Transformation wird integriert. Zudem führt der VDA eigene Umfragen und Studien unter seinen Mitgliedern durch und ermittelt so regelmäßig den Stand der Transformation sowie die allgemeine Lage der Industrie. Diese Informationen dienen als Grundlage für Empfehlungen an Unternehmen sowie Politik und Gesellschaft. Ziel ist die Schaffung von im politischen und gesellschaftlichen Diskurs erarbeiteten Rahmenbedingungen, die die Unternehmen optimal auf ihrem Weg der Transformation hin zu einer klimaneutralen und noch mehr an den Kundinnen und Kunden orientierten Mobilität unterstützen.

    Qualifizierung von Personal

    Bisher war etwa die Hälfte der Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie im Bereich des Antriebsstrangs beschäftigt. Für den VDA ist deshalb insbesondere die erfolgreiche Transformation hin zu klimaneutralen Antrieben ein Kernanliegen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass für die Herstellung eines Elektrofahrzeugs deutlich weniger Arbeitsstunden nötig sind als für die Herstellung eines ähnlichen Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. In den kommenden Jahren wird es zwar aus demografischen Gründen einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen in der Automobilindustrie geben, es werden jedoch auch Beschäftigte umgeschult und weitergebildet werden müssen.

    Dies wird nicht in allen Fällen allein im Bereich des Antriebs geschehen. In anderen Feldern der Transformation entstehen ständig neue Geschäftsfelder und damit auch Wertschöpfungspotenzial. So werden im Softwarebereich, aber auch im Dienstleistungsbereich, rund um die Mobilität als Service, in den kommenden Jahren neue Beschäftigungsfelder in der Automobilindustrie entstehen.

    Konjunkturpaket ein richtiger Schritt

    Für die Zulieferindustrie ist die Transformation dabei in besonderer Weise ein epochaler Umbruch. Die deutsche Zulieferlandschaft hat sich über Jahrzehnte dadurch ausgezeichnet, dass sie aus vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht, die hoch spezialisiert auf einzelne Bauteile und damit häufig Weltmarktführer in ihren Bereichen sind. Diese Hidden Champions befinden sich nicht selten im ländlichen Raum und bilden damit das Rückgrat der breiten Industriestruktur Deutschlands. Gerade für diese Unternehmen bedeutet die Transformation jedoch häufig, dass sie binnen weniger Jahre ihr komplettes Produktportfolio umgestalten müssen.

    Dies erfordert immense Investitionen, die die Unternehmen nur mit äußerster Kraftanstrengung allein leisten können. Die Coronapandemie mit der einbrechenden Nachfrage weltweit hat die Unternehmen dabei 2020 zur Unzeit getroffen. Ein Abreißen der Cashflows konnte nicht in allen Fällen verhindert werden, sodass es infolge der Krise zu vermehrten Fusionen und auch Geschäftsaufgaben kommen kann, wenn die Unternehmen nicht unbürokratisch bei der Krisenbewältigung unterstützt werden.

    Somit war es richtig, dass die Bundesregierung sich mit ihrem Konjunkturpaket auf dem Höhepunkt der Krise an die Seite der mittelständisch geprägten Zulieferindustrie gestellt hat und Mittel bereitstellt, um den Wandel hin zur noch nachhaltigeren und klimafreundlicheren Mobilität zu unterstützen. Dabei gibt es auch in der Zulieferindustrie bereits viele Erfolgsgeschichten, die weitergeschrieben werden. So ist bereits über die Hälfte der Unternehmen aktiv am Hochlauf der Elektromobilität beteiligt, und auch bei autonomem und vernetztem Fahren leisten deutsche Zulieferer Pionierarbeit. Dies zeigt sich immer wieder auch an der Zahl der Patente, die von deutschen Zulieferern angemeldet werden. Hier ist Deutschland Weltmeister und legt damit den Grundstein für den Erfolg der Industrie in der Zukunft.

    Steffen Güttler
    Ansprechpartner

    Steffen Güttler

    Referent Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaft, Mittelstand und Steuern

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