Künstliche Intelligenz in der Automobilindustrie

    Digitalisierung

    Künstliche Intelligenz in der Automobilindustrie: Innovation verantwortungsvoll gestalten.

    Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einer Schlüsseltechnologie der Automobilindustrie. Sie unterstützt Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Fahrzeugentwicklung über die Produktion und Qualitätssicherung bis hin zu intelligenten Mobilitätsdiensten und vernetzten Fahrzeugfunktionen.

    KI trägt dazu bei, Prozesse effizienter zu gestalten, Innovationen zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nachhaltig zu stärken.

    Mit dem EU AI Act schafft die Europäische Union erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, Innovation und technologische Entwicklung zu fördern und gleichzeitig hohe Standards für Sicherheit, Transparenz und den Schutz von Grundrechten sicherzustellen. Für die Automobilindustrie bedeutet dies, bestehende Entwicklungs- und Sicherheitsprozesse um KI-spezifische Anforderungen zu ergänzen und regulatorische Vorgaben frühzeitig in Entwicklungszyklen zu integrieren.

    Künstliche Intelligenz liegt vor, wenn eine Maschine nahezu menschliche Verhaltensweisen zeigt und in einem gewissen Rahmen autonom agiert. Grundlage hierfür sind Daten und Algorithmen, auf deren Basis das System Lösungswege für Situationen entwickelt. Ein wichtiges Teilgebiet der KI ist das Maschinelle Lernen (ML). Bei ML erlernt der Algorithmus auf Basis einer großen Datenmenge Verhaltensweisen zu erkennen, die sich auf neue Situationen adaptieren lassen. Durch jede Wiederholung dieser Aufgabe wird der zugrundeliegende Algorithmus besser und in seiner Lösungsfindung präziser.

    Der AI Act verfolgt einen risikobasierten Ansatz

    Im Mittelpunkt des AI Acts steht ein risikobasierter Regulierungsansatz. Je nach Einsatzbereich und möglichem Gefährdungspotenzial gelten unterschiedliche Anforderungen für KI-Systeme. Während viele Anwendungen nur allgemeinen Transparenzpflichten unterliegen, gelten für sogenannte Hochrisiko-KI-Systeme umfangreiche Vorgaben hinsichtlich Risikomanagement, Dokumentation, Datenqualität, menschlicher Aufsicht und Konformitätsbewertung.

    Gerade in der Automobilindustrie ist die korrekte Einordnung von KI-Systemen von großer Bedeutung. Fahrzeuge und Produktionsanlagen enthalten zunehmend KI-basierte Funktionen, allerdings sind nicht alle dieser Anwendungen automatisch als Hochrisiko-KI einzustufen.

    Hochrisiko-KI: Nicht jede KI ist automatisch betroffen

    Der VDA setzt sich dafür ein, dass die Hochrisiko-Klassifizierung im Sinne des AI Acts risikobasiert, verhältnismäßig und praxisnah erfolgt. Entscheidend ist, ob eine KI-Funktion tatsächlich sicherheitsrelevant ist und ein erhebliches Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte verursachen kann.

    Viele KI-Anwendungen in der Automobilindustrie dienen beispielsweise der Produktionsplanung, Qualitätsanalyse, Wartung, Softwareentwicklung oder der Unterstützung von Entwicklungsprozessen. Solche Systeme treffen keine sicherheitskritischen Entscheidungen und sollten daher nicht pauschal als Hochrisiko-KI eingeordnet werden.

    Anders verhält es sich bei KI-Funktionen, die unmittelbar sicherheitsrelevante Fahrzeugfunktionen beeinflussen oder Bestandteil regulierter Produktsicherheitsanforderungen sind. Hier gelten erhöhte Anforderungen, die bereits heute in bestehenden Typgenehmigungs- und Sicherheitsprozessen berücksichtigt werden.

    Bestehende Sicherheitsstandards sinnvoll ergänzen

    Die Automobilindustrie verfügt bereits über etablierte Sicherheits- und Zulassungsverfahren, beispielsweise für funktionale Sicherheit, Cybersecurity und Software-Updates. Der VDA setzt sich deshalb dafür ein, dass der AI Act diese bestehenden sektoralen Regelwerke ergänzt und keine parallelen oder widersprüchlichen Prüfverfahren schafft.

    Eine enge Verzahnung mit bestehenden Normen und Typgenehmigungsverfahren ermöglicht es Unternehmen, KI-Anforderungen effizient in bestehende Entwicklungs- und Qualitätsprozesse zu integrieren und unnötige Doppelregulierungen zu vermeiden.

    KI als Innovationsmotor der Mobilität

    Künstliche Intelligenz wird die Mobilität der Zukunft maßgeblich prägen. Von intelligenten Fahrerassistenzsystemen über optimierte Produktionsprozesse bis hin zu datengetriebenen Mobilitätsdiensten eröffnet KI enorme Potenziale für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz. Gleichzeitig erfordert ihr Einsatz klare regulatorische Rahmenbedingungen und verantwortungsvolle Governance.

    Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Innovationstreiber der Automobilindustrie und wird künftig nahezu alle Bereiche der Wertschöpfung beeinflussen. Mit dem AI Act schafft die Europäische Union einen wichtigen Rechtsrahmen für den sicheren und vertrauenswürdigen Einsatz von KI. Der VDA unterstützt diesen risikobasierten Ansatz und setzt sich dafür ein, dass Hochrisiko-KI klar abgegrenzt, bestehende Sicherheitsstandards berücksichtigt und Innovationen nicht durch unnötige Regulierung ausgebremst werden. So können Unternehmen die Potenziale von KI nutzen und gleichzeitig höchste Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Compliance erfüllen.

    KI-Strategie der Bundesregierung: Update erforderlich

    Erstmals hat eine Bundesregierung im Jahr 2018 eine KI-Strategie formuliert. Zwei Jahre später wurde sie fortgeschrieben. Aus Sicht der Automobilindustrie braucht es jetzt eine aktualisierte, ressortübergreifende KI-Strategie, um Deutschland im internationalen Wettbewerb als führenden KI-Standort zu halten. Die KI-Strategie muss die Vernetzung und Verzahnung verschiedener digitalpolitischer Vorhaben sicherstellen. Dabei sollten unter anderem die Strategie für die Internationale Digitalpolitik der Bundesregierung und der KI-Aktionsplan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) berücksichtigt werden.

    Aufgrund der Komplexität von KI-Systemen müssen sowohl spezialisierte Fast-Track-Programme als auch eine fundierte akademische Ausbildung mit gefördert werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der KI-Strategie sollte die Verbesserung des Datenzugangs (Datenqualität, Datenverfügbarkeit) sowie der Ausbau der digitalen Infrastruktur sein. Darüber hinaus muss auch die Venture-Capital-Finanzierung reformiert werden, um die Investitionen in KI-Start-Ups zu forcieren. Die Bundesregierung sollte sich verstärkt dafür einsetzen, dass sich deutsche Unternehmen aktiv in den Standardisierungsorganisationen beteiligen, die derzeit von außereuropäischen Akteuren dominiert werden. Harmonisierte Standards mit europäischer Prägung können einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen und zur Sicherung europäischer Werte in Zukunftstechnologien beitragen.

    Fragen zum Thema? Ihre Ansprechperson:

    Security, Daten & Digitalisierung

    Martin Lorenz

    Abteilungsleiter und Fachgebietsleiter Cybersecurity & Wirtschaftsschutz