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    Nutzfahrzeuge

    Coronakrise verschärft Abschwung bei Neuzulassungen von Schwer-Lkw

    Auf dem gesamten europäischen Kontinent sanken die Lkw-Neuzulassungen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr dramatisch. Der Markt erholt sich langsam.

    Auf dem gesamten europäischen Kontinent sanken die Lkw-Neuzulassungen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr dramatisch. Der Markt erholt sich langsam.

    Zweistellige Absatzrückgänge 2020

    Auf dem westeuropäischen Markt für schwere Nutzfahrzeuge über sechs Tonnen setzte die Coronakrise auf einen breit angelegten zyklischen Abschwung auf, der bereits im zweiten Halbjahr 2019 begonnen hatte. Im Jahr 2020 sanken die Lkw-Neuzulassungen gegenüber 2019 um gut ein Viertel (−26 Prozent) auf 228.200 Einheiten. Damit erreichte der Markt das geringste Niveau seit dem Jahr 2014. 

    Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass der Markt im Jahr 2019 mit über 300.000 neu zugelassenen Fahrzeugen das höchste Niveau seit 2008 erreicht hatte. Der Rückgang im Gesamtjahr 2020 war insgesamt geringer als noch im zweiten Quartal befürchtet. Das zweite Quartal 2020 war auch das Quartal, in dem der Lastkraftwagenabsatz um mehr als die Hälfte (−55 Prozent) einbrach. Lock- und Shutdowns, Produktionsstillstände sowie damit verbundene, den Güterverkehr beeinträchtigende Grenzschließungen taten ihr Übriges. In den kommenden Quartalen normalisierte sich die Nachfrage dann wieder (Q3 2020: −2 Prozent; Q4 2020: −5 Prozent).

    Alle großen westeuropäischen Märkte verbuchten 2020 zweistellige Absatzrückgange. Das Vereinigte Königreich musste den deutlichsten Rückgang mit circa einem Drittel (−32 Prozent) auf 32.900 Neuzulassungen hinnehmen. Die Märkte in Deutschland (−25 Prozent auf 68.200 Lkw), Frankreich (−24 Prozent auf 41.000 Fahrzeuge) sowie Spanien (−23 Prozent auf 18.400 Einheiten) schrumpften jeweils um etwa ein Viertel. In Italien sank der Absatz mit zwölf Prozent auf 18.800 Fahrzeuge am wenigsten stark. Italien löste damit im vergangenen Jahr Spanien als viertgrößten Markt Westeuropas ab.

    Schwere Nutzfahrzeuge in Deutschland: Rückgang um ein Viertel

    In Deutschland wurden im Jahr 2020 insgesamt 68.200 schwere Nutzfahrzeuge über sechs Tonnen neu zugelassen. Der Markt schrumpfte damit im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent beziehungsweise 23.300 Einheiten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 2019 mit 91.400 schweren Lkw das höchste Absatzvolumen seit 2008 erreicht wurde. Allerdings war die Lkw-Nachfrage im ersten Halbjahr 2019 enorm stark, und bereits im zweiten Halbjahr setzte ein Abschwung des Beschaffungszyklus ein. Dieses hohe Vorjahresniveau ist neben der Coronakrise ein wichtiger Grund für die deutlichen Rückgänge von 24 Prozent und 52 Prozent in den ersten beiden Quartalen 2020. Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2020 normalisierte sich der Markt mit einem einstelligen Minus von neun Prozent einigermaßen. Im Schlussquartal des Kalenderjahres 2020 erreichte der deutsche Lkw-Markt dann bereits wieder knapp das Niveau der Vorjahresperiode (-1 Prozent).  

    Gegliedert nach Gewichtsklassen, zeigten sich 2020 recht einheitliche Entwicklungen. Der Absatz im mittelschweren Segment zwischen sechs und 16 Tonnen unterschritt mit 17.800 Einheiten das Niveau des Vorjahres um 24 Prozent. Das Segment über 16 Tonnen verzeichnete einen Rückgang von 26 Prozent – es wurden 50.300 Fahrzeuge zugelassen. Damit hatte das Heavy-Duty-Segment über 16 Tonnen einen Anteil von 74 Prozent am deutschen Markt für schwere Nutzfahrzeuge über sechs Tonnen. Der Heavy-Duty-Anteil lag in Deutschland damit über dem entsprechenden Wert in den USA (48 Prozent) und deutlich unterhalb des Werts in China (91 Prozent).

    An den Zapfsäulen in Deutschland mussten die Transporteure im vergangenen Jahr weniger tief in die Tasche greifen. Im Jahresmittel kostete ein Liter Diesel mit 1,11 Euro gut 15 Cent beziehungsweise zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Unterjährig erreichte der Dieselpreis im Oktober mit durchschnittlich 1,04 Euro den geringsten Wert.

    Ansprechpartnerin

    Doreen Hüls

    Referentin Automobilprognosen, Internationale Nutzfahrzeugkonjunktur, US-Light-Vehicle-Markt, Forschung und Entwicklung

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