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    E-Fuels und Kolbenmotor

    Wieso die Klimaziele nur mit E-Fuels erreichbar sind

    Electrofuels ergänzen Elektromobilität – auch aus globaler Sicht – genau dort, wo batterieelektrische Lösungen vor Herausforderungen stehen.

    Electrofuels ergänzen Elektromobilität – auch aus globaler Sicht – genau dort, wo batterieelektrische Lösungen vor Herausforderungen stehen.

    30 Prozent erneuerbare Kraftstoffe bis 2030

    Die deutsche Automobilindustrie bekennt sich zu den Pariser Klimaschutzzielen bis 2050. Das gemeinsame Ziel, den Verkehr bis 2050 klimaneutral zu machen, kann dabei nur erreicht werden, wenn im Verkehrssektor zusätzlich zur Elektromobilität mit grünem Strom auch fortschrittliche Biokraftstoffe und Electrofuels (E-Fuels) zum Einsatz kommen: mit Wasserstofftechnologie und erneuerbaren Energien hergestellte nachhaltige, regenerative Kraftstoffe.

    Wir werden 2030 noch viele Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren auf den Straßen haben – weltweit rund 1,5 Milliarden und allein in Europa circa 421 Millionen. In vielen Regionen wird es noch für einige Zeit nicht ausreichend Strom für E-Autos und Lademöglichkeiten geben. Deshalb sind E-Fuels aus nachhaltigen Quellen wie Sonne und Wind geeignet, eine klimaneutrale Mobilität zu ermöglichen. Klimaneutralität ist ohne eine Einbeziehung des Bestands nicht erreichbar. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) setzt sich im Rahmen des „Fit for 55“-Pakets dafür ein, neben unterstützenden Maßnahmen zum Hochlauf der Elektromobilität eine Quote von 30 Prozent erneuerbarer Kraftstoffe im Jahr 2030 vorzusehen. Damit würde ein internationaler Markt entstehen, der die erneuerbaren Energien aus anderen Regionen der Welt für die Mobilität in Europa verfügbar macht. Auf diese Weise ist es möglich, dafür zu sorgen, dass auch die heute gebauten Fahrzeuge ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten.

    Die Erreichung der neuen europäischen Klimaschutzziele kann nur gelingen, wenn Elektromobilität und regenerative Kraftstoffe sich ergänzen – mit der Beschränkung auf nur eine der beiden Säulen lässt sich das übergeordnete Klimaziel 2030 nicht erreichen. Weltweit steht ausreichend erneuerbare Energie zur Verfügung. Wenn wir zügig global Anlagen zur Produktion von E-Fuels aufbauen, kann dies einen wertvollen Beitrag leisten, die Klimaziele zu erreichen.

    Optimale Ergänzung zur Elektromobilität

    Deshalb werden regenerativer Wasserstoff und regenerative Kraftstoffe den Hochlauf der Elektromobilität nicht verlangsamen. Das Gegenteil ist der Fall: Wasserstoff und regenerative Kraftstoffe ergänzen die Elektromobilität auch aus globaler Sicht genau dort, wo batterieelektrische Lösungen vor Herausforderungen stehen.

    Beide Lösungen sind damit komplementär für ein klimaneutrales Verkehrssystem, erhöhen den technologischen Handlungsspielraum und die gesellschaftliche Akzeptanz der Anstrengungen, Verkehr langfristig klimaneutral zu gestalten, gerade auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Der VDA setzt sich dafür ein, den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen. Regenerative Kraftstoffe sind aber die einzige Möglichkeit, die derzeitige Bestandsflotte zu adressieren und damit zur sofortigen CO₂-Reduktion im Straßenverkehr beizutragen. Das immer wieder vorgetragene Argument, Wasserstoff und strombasierte Kraftstoffe (E-Fuels) sollten vor allem in der energieintensiven Industrie sowie in der Luft- und Schifffahrt zum Einsatz kommen, greift zu kurz.

    Nur der straßengebundene Verkehr wird mittelfristig (2025/2030) erhebliche Abnahmemengen garantieren, die die notwendigen Investitionen rechtfertigen. Jeder einzelne mit Wasserstoff betriebene Fernverkehr-Lkw wird circa zehn Tonnen Wasserstoff pro Jahr benötigen. Die Fahrzeughersteller werden wiederum durch die europäische CO₂-Regulierung zum Absatz von erheblichen Stückzahlen CO₂-neutral betriebener Fahrzeuge verpflichtet.

    Wie dieses Szenario im Jahr 2050 aussehen könnte, hat eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) und der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) im Auftrag des VDA im Detail belichtet. Demnach wird der Endenergiebedarf aller Verkehrsträger der EU im Jahr 2050 zu mehr als 70 Prozent von E-Fuels gedeckt. Der größte Anteil wird dabei auf den Flug-, Schiffs- und Straßengüterverkehr entfallen. Allerdings ist hierfür ein starker Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa erforderlich.

    100 Prozent erneuerbare Energien für den Strommix

    Der möglichst schnelle Ausbau erneuerbarer Energie ist ein wichtiges Element jeder Strategie für einen klimaneutralen Verkehrssektor. Durch die Nutzung überschüssigen Stroms für die Wasserstofferzeugung unterstützt die Power-to-X-Technologie als Stromspeicher die Sektorenkopplung. Aufgrund der auch langfristig beschränkten Verfügbarkeit von erneuerbarer Energieproduktion in Europa bildet ein speicher- und transportfähiger Energieträger für die Versorgungssicherheit einen wichtigen Baustein. Daher wird sehr schnell ein Import dieser Energieträger erfolgen, da es in der Regel wirtschaftlicher ist, Wasserstoff und E-Fuels in Regionen mit viel niedrigeren Stromgestehungskosten zu produzieren. Viele potenzielle Erzeugungsländer (zum Beispiel in Nordafrika, Südamerika und im Mittlerer Osten) stehen in den Startlöchern.

    Der große Vorteil von Wasserstoff und E-Fuels ist, dass sie die bisher einzige Möglichkeit bieten, erneuerbare Energie im großen Maße zu speichern und über weite Strecken zu transportieren. Hier können Synergien zwischen Klima- und Entwicklungspolitik entstehen. Um diese Investitionen zu starten, bedarf es Rahmenbedingungen, die eine langfristige Marktnachfrage schaffen. Das CO₂-Reduktionspotenzial von Wasserstoff und E-Fuels hängt stark von dem zur Produktion verwendeten Strommix ab. Bei der Produktion im Ausland kann davon ausgegangen werden, dass diese mit zusätzlichen Anlagen für erneuerbare Energie stattfindet – hier ist die Nutzung von Grünstrom garantiert. Die EU schreibt weiter in der neuen Renewable Energy Directive (RED II) vor, dass solche Kraftstoffe mindestens 70 Prozent CO₂-Reduktion erfüllen müssen.

    Der VDA setzt sich für eine ausschließliche Nutzung von erneuerbaren Energiequellen ein. Die Annahme einzelner Studien, dass Wasserstoff oder E-Fuels aus dem nationalen Strommix hergestellt werden, widerspricht damit regulatorischen Vorgaben der EU und ist wirtschaftlich unsinnig, da fossile Produktionskosten langfristig zu hoch sind. Zur Einordnung: Die CO₂-Reduktion von Biokraftstoffen wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit 84 Prozent zu fossilen Kraftstoffen angegeben. Der Straßenverkehr hat 2018 mittels Biokraftstoffen 9,5 Millionen Tonnen CO₂ weniger ausgestoßen.

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