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    Wirtschaftspolitik

    Rohstoffe für Elektromobilität

    Mit der Umstellung auf Elektromobilität werden Rohstoffe benötigt. Unter anderem werden Lithium, Kobalt, Nickel und Grafit zentrale Bestandteile der Wertschöpfungskette.

    Mit der Umstellung auf Elektromobilität werden Rohstoffe benötigt. Unter anderem werden Lithium, Kobalt, Nickel und Grafit zentrale Bestandteile der Wertschöpfungskette.

    Steigender Bedarf an Batteriezellen

    Deutschlands Schlüsselindustrie ist die Automobilindustrie. Sie gestaltet den Wandel zu einer emissionsfreien, klimafreundlichen, individuellen Mobilität. Zur Förderung der Elektromobilität brachte die Politik zuletzt eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg, u.a. die Verlängerung der  Umweltprämie für den Kauf von Elektroautos bis 2025 und die Erhöhung der Zuschüsse für Plug-in-Hybride. Welche Konsequenzen aber hat ein starker Anstieg der Produktion elektrifizierter Fahrzeuge? Und wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Nachfrage nach Rohstoffen aus?

    Dank der segmentübergreifenden Elektrooffensive der Hersteller finden sich auf Deutschlands Straßen vermehrt E-Fahrzeuge. Die erhöhte Reichweite, bedingt durch eine höhere Energiedichte, größere Kapazitäten der Batterien und ein optimierter Energieverbrauch sorgen für einen vermehrten Absatz der Autos mit Elektroantrieb. Dennoch lässt sich feststellen, dass die Elektromobilität in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, wenngleich Anfang dieses Jahrs die Neuzulassungen von Elektro-Pkw (BEV, PHEV und Fuel Cell) in Deutschland einen Rekordwert erreichten.

    Die kumulierten Neuzulassungen erreichten am 29. Februar 2020 340.712 Elektro-Pkw. Der VDA erwartet mit dem wiederstarken der Gesamtwirtschaft nach der Corona-Krise jedoch ein hohes Wachstum über die nächsten Jahre und damit einen stark ansteigenden Bedarf an Batteriezellen. Einige Unternehmen wie Volkswagen, Opel (PSA), Northvolt, CATL oder auch LG Chem planen hierzulande bereits eine eigene Fertigung von Batteriezellen, die das Herzstück eines Batteriepacks sind.

    Mögliche Rohstoffengpässe

    Für eine Schlüsseltechnologie wie die batterieelektrische Mobilität kommen Materialien zum Einsatz, die bisher nur begrenzt oder gar nicht in der Automobilindustrie eingesetzt wurden. Hauptkostentreiber und - komponenten von Elektrofahrzeugen sind die Traktionsbatterie sowie der Elektromotor. Für die Batterie benötigte Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Nickel und Grafit sind neue Komponenten in der automobilen Wertschöpfungskette. Für den Elektromotor werden neben Kupfer auch Seltene Erden wie Dysprosium und Neodym in den Permanentmagneten verbaut. Bei den Seltenen Erden ist die Abhängigkeit von China mit einem Produktionsanteil von ca. 80% besonders hoch. Damit entsteht sowohl bei Herstellern als auch bei Zulieferern eine Nachfrage nach bisher nicht verwendeten Rohstoffen, die außerhalb Europas gefördert und anschließend importiert werden müssen.

    Die steigende Nachfrage nach diesen überwiegend metallischen Rohstoffen könnte zumindest temporär zu Engpässen entlang der Wertschöpfungskette führen. Zudem ist bei steigender Nachfrage und gleichem Angebot mit einem Preisanstieg zu rechnen – bezogen auf das Gesamtbatteriepack sind heute zwischen 50-60% der Gesamtkosten rohstoffbezogene Materialkosten. Für den Erfolg des Mobilitätsstandortes Deutschland ist eine zuverlässige und preisstabile Verfügbarkeit notwendig. Durch die Elektromobilität entsteht ein signifikanter Nachfragedruck auf diesen Rohstoffmärkten. Der VDA sieht hier akuten Handlungsbedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie auch in Zukunft gewährleisten zu können.

    Erfolgreich mit strategischem Rohstoffmanagement

    Um den Wandel zu begleiten, beschäftigt sich der VDA mit seinen Mitgliedsunternehmen mit der Verfügbarkeit und nachhaltigen Beschaffung von als kritisch identifizierten Rohstoffen. Durch regelmäßige Analysen der Angebots- und Nachfragesituation einzelner Rohstoffe sollen potenzielle Engpässe im Sinne eines strategischen Rohstoffmanagements frühzeitig identifiziert werden. Die Weiterentwicklung von Technologien, Möglichkeiten der Substitution und der globale Hochlauf der Elektromobilität beeinflussen die Bedarfe hierbei signifikant. Angebotsseitig werden neue Minenprojekte, eine höhere Kapazität im Bereich der bestehenden Bergwerksförderung und sekundäre Rohstoffe (Recycling) betrachtet. Neben der physischen Verfügbarkeit steht ebenso der Aufbau einer nachhaltigen Lieferkette im Fokus, wozu ökologische und soziale Nachhaltigkeitsfaktoren, ethische Aspekte, der CO2-Footprint und politische Risiken sowie eventuelle Länderkonzentrationen bzw. Monopolstellungen identifiziert werden.

    Der Vorbildfunktion der deutschen Automobilindustrie auf dem globalen Markt entsprechend, wird neben der langfristigen Beobachtung der Rohstoffmärkte auch der Aufbau von nachhaltigen Rohstofflieferketten in  den globalen Produktionsnetzwerken fokussiert. Mit Blick in die Zukunft ist die deutsche Automobilindustrie somit auf einem guten Weg, die Leitanbieterschaft für die Elektromobilität weiter auszubauen.

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