Veranstaltung

    VDA-Mittelstandstag 2026: Zukunft. Standort. Deutschland.

    Geopolitische Konflikte, Standortprobleme und internationale Wettbewerber – auf dem VDA-Mittelstandstag wurden auch in diesem Jahr die drängenden Themen der mittelständischen Unternehmen der automobilen Zulieferindustrie diskutiert.

    „Zukunft. Standort. Deutschland: Finanzierung, Innovation und Resilienz in der automobilen Wertschöpfungskette“ – unter diesem Leitmotiv lud der 26. VDA-Mittelstandstag vom 17. bis 18. Juni in Bonn ein. Das Netzwerktreffen für alle mittelständischen Zulieferer sowie Anhänger- und Aufbautenhersteller brachte auch in diesem Jahr die Teilnehmenden zum Kennenlernen, Netzwerken und Erfahrungsaustausch zusammen. 

    Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Entscheidungsträger und Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutierten in Keynotes, Deep Dives und Panel-Diskussionen die Zukunft der automobilen Wertschöpfung. Neben der Krise des Wirtschaftsstandortes Deutschland ging es vor allem um die wachsenden geo- und handelspolitischen Herausforderungen sowie Perspektiven auf die Produktion und Innovationen der Zukunft.

    Bitte akzeptieren Sie  um sich dieses Video anzusehen.

    Die Auftaktrede kam von Isabelle Kirschbaum-Rupf, Mitglied im VDA-Vorstand, Sprecherin des VDA-Mittelstandsforums und Gesellschafterin der Rupf Industries Gruppe. Sie betonte in ihrer Rede die Herausforderungen für den automobilen Mittelstand, aber auch dessen Entschlossenheit zur Transformation.

    Gerade der automobile Mittelstand ist tief verwurzelt in den Regionen im ganzen Land. Er schafft vor Ort Wohlstand und Identität, oft arbeiten Generationen einer Familie im Unternehmen. Niemand verlagert leichten Herzens, wir wollen am Standort bleiben. Umso wichtiger ist, dass sich politisch etwas tut, der automobile Mittelstand braucht Entlastungen des Standortes, um auch in Zukunft in Deutschland wettbewerbsfähig und erfolgreich sein zu können.
    Isabelle Kirschbaum-RupfVDA-Vorstand, Sprecherin VDA-Mittelstandsforum, Gesellschafterin Rupf Industries GmbH

    In ihrer Rede betonte sie, dass die Stärke des Standortes Deutschland nie allein die Produktion, sondern auch die Entwicklung war. Technische Probleme zu lösen, bevor andere sie erkannt hatten, sei eine Kernkompetenz der deutschen Automobilindustrie. Wenn diese Substanz verloren ginge, hätte das Folgen für den gesamten Standort. Entscheidend für den Erhalt des Standortes Deutschland sei eine Resilienz, die nicht allein durch Kapital, Technologie oder Märkte entsteht, sondern durch Vertrauen und Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette, so Kirschbaum-Rupf.

    VDA-Präsidentin Hildegard Müller machte ebenfalls deutlich, wie herausfordernd die Lage des automobilen Mittelstandes aktuell ist. Dabei ging sie auf eine aktuelle VDA-Umfrage unter Automobilzulieferern (Herstellergruppe III) sowie mittelständisch geprägten Herstellern von Anhängern, Aufbauten und Bussen (Herstellergruppe II) ein. In dieser bewerten 41 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als sehr schlecht oder schlecht - während immer mehr von einer weiteren Verschlechterung der Lage ausgehen.

    Wesentliche Ursachen seien die schlechten Standortbedingungen, allen voran überbordende Bürokratie und hohe Steuern und Abgaben. In der Folge verlagern, verschieben oder streichen die Unternehmen Investitionen und bauen Stellen ab, so Müller. Sie forderte: "Die Politik in Brüssel und Berlin muss jetzt endlich und dringend zügig und entschlossen Maßnahmen ergreifen, die den Standort stärken und Wohlstand und Beschäftigung hierzulande erhalten. Denn nur an einem wettbewerbsfähigen Standort können Arbeitsplätze erhalten bleiben und neue entstehen."

    Porträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard MüllerPorträtfoto von VDA-Präsidentin Hildegard Müller
    Deutschland und Europa haben eine Standortkrise. Wir brauchen endlich entschlossene Reformpakete. Die Unternehmen müssen sich ansonsten aus wirtschaftlichen Gründen leider täglich gegen den Standort Deutschland und Europa entscheiden. Berlin und Brüssel müssen handeln, um Wohlstand und Beschäftigung hierzulande zu erhalten.
    Hildegard MüllerVDA-Präsidentin

    VDA-Umfrage zeigt: Mehr als jedes zweite Unternehmen baut Stellen ab.

    Die Ergebnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild:
    41 Prozent der Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage als sehr schlecht oder schlecht, während nur 22 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut oder sehr gut bewerteten.

    Mit Blick in die Zukunft: Knapp jedes dritte befragte Unternehmen (32 Prozent) geht davon aus, dass sich seine wirtschaftliche Entwicklung verschlechtern oder sogar deutlich verschlechtern wird. Nur 25 Prozent erwarten eine (deutliche) Verbesserung. Bei der letzten Umfrage im Januar 2026 war der Anteil der optimistisch in die nähere Zukunft blickenden Unternehmen noch größer als der Anteil der Unternehmen, die eine Verschlechterung der Lage erwarteten.

    Unternehmen wollen eigentlich in Deutschland bleiben: Trotz aller Herausforderungen am Standort Deutschland sprechen auch weiterhin viele Faktoren für den Standort Deutschland: 66 Prozent der Unternehmen hoben dabei insbesondere das industrielle Netzwerk in Deutschland hervor. Auch die Verfügbarkeit von Fachkräften wurde positiv hervorgehoben (53 Prozent).

    Einen Überblick über alle Themen und Ergebnisse der VDA-Umfrage finden Sie zusammengefasst in der Pressemitteilung zum VDA-Mittelstandstag.

    Themen, die den automobilen Mittelstand aktuell besonders bewegen

    Die zahlreichen Sessions, Panels und Vorträge auf dem VDA-Mittelstandstag 2026 widmeten sich der kompletten Breite an aktuellen Themen, die den automobilen Mittelstand beschäftigen, insbesondere die Transformation zur klimaneutralen und digitalen Mobilität der Zukunft, die Krise des Standortes Deutschland, Liefer- und Wertschöpfungsketten, internationale Wettbewerbsbedingungen, Robotik und KI. 
    Das vollständige Programm des VDA-Mittelstandstages 2026 ist hier einsehbar.

    Einige Highlights aus dem Programm:

    Passend zum Leitmotiv des 26. Mittelstandstag widmete sich das erste inhaltliche Panel dem Thema "Zukunftsstandort Deutschland: Transformationsfinanzierung braucht Wettbewerbsfähigkeit" unter der Moderation von Michael Frick, Finanzvorstand der ZF Friedrichshafen AG. Mit ihm auf der Bühne diskutierten Michael Theurer, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, Karsten Schnake, Mitglied des Markenvorstands der Volkswagen AG, sowie Martin Peters, Vorsitzender der Geschäftsführung / Geschäftsführender Gesellschafter der Eberspächer Gruppe GmbH & Co. KG. Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass Deutschland Stärken – wie sein großes industrielles Netzwerk – habe und als Wirtschaftsstandort konkurrenzfähig sein könne. Entscheidend aber seien - neben einem funktionierendem Finanzierungssystem - Voraussetzungen, die dafür vor Ort durch die Politik geschaffen werden müssen.

    In der zweiten großen Session des Tages ging es um „Robotik als strategische Innovationsagenda für den industriellen Mittelstand.” Hier wurde erneut deutlich: Deutschlands Industrie kann Innovation! Dr. Susanne Bieller, Generalsekretärin IFR International Federation of Robotics, gab einen Einblick in globale Robotiktrends. Die Möglichkeiten und Chancen für den automobilen Mittelstand durch Robotik sind dabei vielfältig: Beispielsweise können Produktionskosten gesenkt werden und dem herrschenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

    Den Punkt griff auch Florian Langlotz, Partner, Global Head of Automotive Drees & Sommer SE, in seinem Vortrag “Automatisierung durch Robotik im Mittelstand” auf. Moderne Robotiksysteme erlauben eine effizientere und ressourcenschonendere Produktion. Die Berücksichtig des Faktor Mensch sei erfolgskritisch. Es sei wichtig, die Akzeptanz der Mitarbeitenden für die Veränderung zu stärken. Ein Aspekt, dem Bieller beipflichtete. Mitarbeitende müssten Verbündete im Prozess werden.

    Einige der anwesenden Start-Ups boten passenderweise einen Einblick in aktuelle Projekte und zukünftige Visionen rund um das Thema Robotik sowie KI. Die Vathos GmbH zum Beispiel präsentierte ihre Softwaretechnik, die in Kombination mit KI auch für den Mittelstand immer relevanter wird. Mit ihr können Roboter äußerst flexibel und gleichzeitig gezielt Bauteile ansteuern, und das mit besonders großer Prozessstabilität sowie hoher Störfallvermeidung.

    Die Blockbrain GmbH präsentierte wiederum ihr KI-Wissensmanagement, den „Wissens-Zwilling“. Er macht Wissen auch dann verfügbar, wenn Mitarbeitende gerade nicht verfügbar sind oder das Unternehmen verlassen haben. Das sei ganz besonders in Transformationszeiten wertvoll.  

    Die Frage, wie Lieferketten resilient gestaltet und gleichzeitig weiterentwickelt werden können, stand im Zentrum der Session „Partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette”.

    Zu Beginn der Session erläuterte Dr. Nicolai Martin, Vorstand Einkauf und Lieferantennetzwerk bei der BWM AG, in seiner Keynote Konzepte zukunftsorientierten Einkaufs und wettbewerbsfähiger Wertschöpfung durch Kollaboration. Er stellte heraus, dass die automobile Wertschöpfung noch wettbewerbsfähiger werden sollte  – und dass dies in einem zunehmend komplexen Umfeld gelingen müsse, das u.a. von multidimensionalen geopolitischen Konflikten, neuen Zöllen und zunehmendem Tech-Decoupling geprägt ist. Wichtiger Erfolgsfaktor, so Martin, sei Kollaboration. Sie sei „entscheidender Hebel“, um Branchenintelligenz zu heben, die Wertschöpfung aller zu optimieren und gemeinsam wettbewerbsfähiger zu werden. Dazu gehöre neben Vertrauen und Transparenz auch, dass „langfristige Denken über den kurzfristigen Erfolg“ zu stellen und gemeinsam Innovationskraft, Geschwindigkeit, Kosten, Qualität und Resilienz zu optimieren.

    Anschließend diskutierten Dr. Nicolai Martin, Natalie Mekelburger, Vorsitzende der Geschäftsführung und Gesellschafterin Coroplast Fritz Müller sowie VDA-Vorstandsmitglied, und Jan Reblin, CEO Dräxlmaier Group das Thema gemeinsam auf dem Podium. Die Resilienz von Lieferketten ist – so wurde in der Diskussion einmal mehr klar – in allen Unternehmen ein wichtiges Thema und Teil ihres operativen Handelns. Sie arbeiten intensiv daran, ihre Lieferketten und Absatzmärkte breiter aufzustellen. Dass geo- und handelspolitische Herausforderungen der vergangenen Jahre nur selten zu Lieferunterbrechungen und Produktionsausfällen geführt haben, zeigt, dass die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie deutlich resilienter geworden sind. Das wurde auch in der Session deutlich.

    Es sei jedoch dringend nötig – darin bestand Einigkeit unter allen Diskutanten – dass die Politik das Engagement der Unternehmen besser unterstützen muss. Sie muss unter anderem noch mehr und umfassendere Freihandelsabkommen abschließen und den Zugang zu Rohstoffen verbessern. Dies sei entscheidend, um die Resilienz und Widerstandsfähigkeit der Industrie sowie des Standorts Deutschland und Europa nachhaltig zu stärken – und müsse daher Ziel aller Beteiligten sein.

    J. Wolfgang Kirchhoff, (Vorstandsvorsitzender KIRCHHOFF Automotive SE) und Jan Boesche (Director of Trade Policy VDA Washington) berichteten über die USA. Sie sind für die deutsche Automobilindustrie nach wie vor der wichtigste Exportmarkt, gleichzeitig haben viele Unternehmen vor Ort eigene Produktionsstätten geschaffen. Im Deep Dive wurden Standortherausforderungen und –chancen, auch mit Blick auf aktuelle Gesetzgebungsvorhaben im Kongress, beleuchtet, zudem Best Practices im Umgang mit Zöllen, Einfuhr- und Ausfuhrbeschränkungen diskutiert und Szenarien für den diesjährigen Review des USMCA-Freihandelsabkommens vorgestellt.  

    Mark Furtwängler (Geschäftsführender Gesellschafter Bühler Motor GmbH) und Lin Zhang (Managing Director VDA China) beleuchteten im zweiten Deep Dive den aktuellen Stand und die Zukunftsaussichten der chinesischen Wirtschaft. China ist der größte Automobilmarkt der Welt und zeichnet sich gleichzeitig durch ein sehr hohes Industriewachstum und Innovationsstärke aus. Gleichzeitig sorgen geo- und handelspolitische Themen immer wieder für Spannungen. Der Deep Dive fokussierte sich dementsprechend auf aktuelle Veränderungen des Absatzmarktes und Produktionsstandortes China und ging auf die Technologie- und Entwicklungspfade der Automobilindustrie in China ein. Darüber hinaus wurden aktuelle gesetzgeberische Aktivitäten und ihre Auswirkungen auf die Lieferketten diskutiert.  

    Helmut Hinkel (GEDIA GmbH, CEO), Ingo Brunsmann (Hengst Filtration, Mitglied der Geschäftsleitung | Group Vice President Engine & Mobile Filtration) und Marius Ochel, (Fachgebietsleiter Außenwirtschaft, Handel und Zölle beim VDA) nahmen im dritten Deep Dive den Wachstumsmarkt Indien in den Fokus. Denn Indien ist ein zentraler Partner für die deutsche Automobilindustrie, bedeutender Pkw-Markt und schon heute ein relevanter Produktionsstandort. Der Deep Dive blickte insbesondere auf Indien als wachsenden Markt und präsentierte Trends und Chancen dieser Entwicklung. Dabei ging es insbesondere auch um die Chancen, die das jüngst geschlossene EU-Indien-Handelsabkommen für die exportorientierte deutsche Automobilindustrie bietet.   

    Wir bedanken uns herzlich bei unseren Ausstellern und Partnern:

    Amrop, Auxil, BCG, BTC, Catena-X, Codecentric, Commerzbank, Deloitte, Deutsche Bank, European High Tech Pavilion, FTI, Horn, IKB, Pluta, Roland Berger, Strategy& (PWC), Südvers und VDA-QMC.

    Wir danken unseren Partnern für die Unterstützung beim 26. VDA-Mittelstandstag.

    Der 27. VDA-Mittelstandstag findet am 02. und 03. Juni 2027 in Bonn statt.

    Bildnachweis aller Fotos: VDA/Benjamin Westhoff

    Fragen zur Veranstaltung? Ihre Ansprechpersonen:

    Events & Protokoll

    Kerstin Nasch

    Referentin

    Sebastian BrunkowSebastian BrunkowSebastian BrunkowSebastian BrunkowSebastian Brunkow

    Fachgebiet Mittelstandspolitik und Wertschöpfungsketten

    Sebastian Brunkow

    Leiter des Fachgebiets