







China 2025: Marktchancen, Risiken und globale Wettbewerbsdynamik
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Angesichts globaler Unsicherheiten und zunehmender handelspolitischer Spannungen zwischen der Europäischen Union und China setzt sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) für eine besonnene und abgestimmte Weiterentwicklung der bilateralen Zusammenarbeit ein.Die fortlaufende Kooperation ist dabei auch Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der China-Strategie der Bundesregierung. In diesem Zusammenhang begrüßt der VDA, dass Bundesaußenminister Johann Wadephul seine zuvor abgesagte Antrittsreise nach China im Dezember 2025 nachgeholt hat. VDA-Präsidentin Hildegard Müller konnte als Teil der Wirtschaftsdelegation die Interessen der deutschen Automobilindustrie vor Ort vertreten.
Die Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz im Februar 2026 sendet darüber hinaus ein wichtiges Signal für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit sowie an die deutschen Unternehmen im Land. Für die deutsche Automobilindustrie ist China nicht nur ein wichtiger Absatz- und Bezugsmarkt, sondern auch ein zunehmend bedeutender Innovationsstandort.
Der VDA ist mit seinem China-Standort in Peking vor Ort präsent und führt regelmäßig Round-Table-Veranstaltungen durch, insbesondere für Zulieferer. Mit vom VDA initiierten Deutschen Gemeinschaftsständen sind deutsche Unternehmen auf den wichtigen Messen Auto Shanghai und Auto China in Peking vertreten.
Exportrestriktionen für Permanentmagnete: VDA warnt vor Versorgungsrisiken
Die vom chinesischen Handelsministerium eingeführten neuen Exportregelungen haben 2025 die Versorgung europäischer Industrien spürbar belastet. Der VDA hat die Versorgungsrisiken aufgrund von im April 2025 eingeführten Exportrestriktionen bei Seltenen Erden und Permanentmagneten frühzeitig andressiert und die nationale und europäische Politik aufgefordert, dieses Thema mit Nachdruck gegenüber der chinesischen Regierung zur Sprache zu bringen.
Im Oktober 2025 kündigte das chinesische Handelsministerium weitere weitreichende Exportrestriktionen an, welche insbesondere die Batterie- und Halbleiterbranche und damit zentrale Wertschöpfungsstufen der Automobilindustrie getroffen hätten. Diese Ankündigungen wurden nach Verhandlungen zwischen Regierungsvertretern der USA und China für ein Jahr aufgehoben. Der VDA mahnt hier eine frühzeitige und pragmatische Verhandlungslösung an, die den Unternehmen Planungssicherheit gibt.

EU-Zölle auf E-Pkw aus China: VDA begrüßt neue Dynamik und wirbt für rasche Rücknahme der Zölle in der Breite
Der VDA hat die Antisubventionsuntersuchung der EU-Kommission gegen aus China in die EU importierte E-Pkw sowie die schlussendliche Einführung von Ausgleichzöllen auf E-Pkw chinesischer Produktion kritisch begleitet. Zölle sind aus Sicht des VDA nicht das richtige Instrument, um bestehenden Herausforderungen wirksam zu begegnen. Umso mehr begrüßt der VDA, dass die EU-Kommission und die chinesische Seite im Frühjahr 2026 erste Verhandlungsfortschritte erzielen konnten. Die Veröffentlichung einheitlicher Kriterien zur Prüfung von Preisverpflichtungsangeboten erhöht die Transparenz und signalisiert Verhandlungsbereitschaft sowohl der EU als auch Chinas. Die erstmalige Annahme eines Preisverpflichtungsangebotes zeigt, dass die EU-Kommission die Kritik an den Ausgleichszöllen ernstnimmt. Wichtig ist nun, dass die erzielten Fortschritte möglichst schnell in die tatsächliche Abschaffung von Zöllen in der Breite münden.
Deutsch-Chinesische Kooperation beim automatisierten und vernetzten Fahren sowie beim grenzüberschreitenden Datenverkehr
Auf Basis der 2024 zwischen Deutschland und China erneuerten Absichtserklärung zum Dialog und zur Zusammenarbeit bei der Standardisierung und Regulierung zum automatisierten und vernetzten Fahren wurden im zurückliegenden Jahr mehrere Treffen organisiert. Im Fokus der Arbeit stand u. a. die Einführung einer neuen chinesischen Regulierung zum assistierten Fahren im SAE-Level 2. Gemeinsam mit den Vertretern unserer Mitgliedsunternehmen und mit Unterstützung der beteiligten deutschen Ministerien konnte der VDA-Anpassungen am Inhalt der Regulierung sowie am Zeitpunkt ihres Inkrafttretens erreichen. Zudem wurden Fragen der Datenspeicherung und -bereitstellung im Zusammenhang mit automatisierten und assistierten Fahrfunktionen erörtert. Die bilaterale Zusammenarbeit zielt darauf ab, nationale chinesische Anforderungen weitgehend mit den UNECE-Regelungen und den ISO-Standards in Einklang zu bringen. Das Abkommen trägt damit maßgeblich zur Fortsetzung des Dialogs mit chinesischen Partnern im Interesse der deutschen Automobilindustrie auf dem Gebiet der Regelsetzung bei.
Bei der zum grenzüberschreitenden Datenverkehr zwischen Deutschland und China gezeichneten Absichtserklärung gab es nach dem Regierungswechsel in Deutschland nur wenig Fortschritt. Die Automobilindustrie steht weiter bereit den wichtigen Dialog zu unterstützen, um auf Basis der im März 2024 erlassenen Liberalisierungen durch die chinesische Cyberspace-Verwaltung („CAC“) den für beide Seiten wichtigen Prozess eines fairen und sicheren Datenaustausch zu ermöglichen. Dies ist insbesondere für in China tätige Automobilhersteller und Zulieferer von großer Relevanz, die regelmäßig große Datenmengen von Deutschland nach China und umgekehrt transferieren.
Zunehmender globaler Wettbewerb: EU und Bundesregierung müssen Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Europa stärken
Angesichts des zunehmenden Konkurrenzdruckes durch chinesische Anbieter muss die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Europa und Deutschland Priorität einnehmen. Der Abschluss der EU-Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Indonesien, dem Mercosur und Indien trägt wesentlich dazu bei, die dringend notwendigen Voraussetzungen für eine Diversifizierung der deutschen Industrie zu schaffen. Weitere Abkommen und Partnerschaften müssen folgen. International wettbewerbsfähige Standortbedingungen bleiben die beste Versicherung für Wachstum, Wertschöpfung und Beschäftigung, fördern die Resilienz und sichern die globalen Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten nicht nur Deutschlands, sondern auch Europas insgesamt. Die Debatte über China ist wichtig, darf aber nicht von den zentralen Aufgaben vor Ort hinwegtäuschen: Die Bundesregierung muss im Schulterschluss mit Brüssel die Energiepreise senken, ein wettbewerbsfähiges Steuer- und Abgabensystem schaffen, Bürokratie abbauen, Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen und die Digitalisierung konsequent vorantreiben.
